Zoé Henderson (20) sucht Sponsoren für ihr Jahr in Ecuador

Freiwilligenprojekt als ein „Sprung ins Ungewisse“

Zoé Henderson schaut sich in einem Weltatlas die Struktur des Landes Ecuador an, das auch an der jüngsten Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien teilgenommen hat.
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Zoé Henderson schaut sich in einem Weltatlas die Struktur des Landes Ecuador an, das auch an der jüngsten Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien teilgenommen hat.

Sudweyhe - Von Sigi Schritt. Zoé Henderson aus Sudweyhe will sich auf ein „großes Abenteuer“ einlassen. Die 20-Jährige fliegt im Januar nach Ecuador und möchte dort ein Jahr lang für ein gemeinnütziges Projekt freiwillig arbeiten. Obwohl sie eine Förderung vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend für ihren Aufenthalt erhält, muss sie doch einen gewissen Anteil der Kosten selbst beisteuern. Deshalb sucht sie Sponsoren.

„Die Reise kostet insgesamt 10000 Euro. Das Ticket ist nicht inbegriffen“, sagt die junge Frau. Trotz des Förderprogramms muss sie unterm Strich 3600 Euro aufbringen. Deshalb hofft die 20-Jährige, die noch in der elternlichen Wohnung lebt, auf zahlreiche Unterstützer.

„Für mich ist die ganze Reise ein großer Sprung ins Ungewisse. Fest steht nur, dass das Jahr mit einem Sprachkurs in der Hauptstadt Quito startet“, sagt die 20-Jährige. Doch diese Herausforderung nehme sie gerne an. Sie möchte als junge Botschafterin Deutschland repräsentieren und sich neugierig auf Land, Leute und auf die Kultur einlassen.

„Ich habe erst vor wenigen Tagen die Zusage von der Austauschorganisation ICJA erhalten“, sagt Henderson, die sich im August beworben hatte.

„Ich kenne zurzeit weder die Gastfamilie noch das Projekt.“ Doch die 20-Jährige gibt sich Gelassen. Sie glaubt, dass der Freiwilligendienst in Lateinamerika ihr helfen werde, berufliche Orientierung zu finden.

Geboren 1994 in Harpstedt wuchs sie in Leeste und Sudweyhe auf. Sie wechselte in der KGS Leeste nicht in die Oberstufe, sondern ging mit dem Realschulabschluss in der Tasche zur BBS Syke. „Der einzige freie Platz für mich war in einer Klasse für Maler und Lackierer. Dort habe ich viel über Farben gelernt.“ Doch einen genauen Plan für ihren Berufsstart habe sie auch dort nicht bekommen.

Also entschied sich die junge Sudweyherin für den Bundesfreiwilligendienst und landete in der Jugendherberge in Bremen. „Dort arbeite ich immer noch. Nur jetzt als Aushilfe.“ Damals habe sie sich das Hotelgewerbe für ihren beruflichen Start vorstellen können. Doch die Ernüchterung folgte in dieser Zeit. „Es fehlen die Strukturen in der Branche“, lautet ihre Erkenntnis. „Man hat Wochenend- und Schichtdienst. Außerdem wird wochenweise gewechselt. Die Angestellten haben unregelmäßig frei.“

Einen Vorgeschmack, welche Belastungen der Job mit sich bringe, habe sie bei der Arbeit in Bremen bekommen. „Ich mache das zwar gerne. Doch ich glaube, das geht nur eine zeitlang gut. Deshalb habe großen Respekt vor den Menschen gewonnen, die diesen Job ausüben. Ich kann das aber nicht“, sagt sie. Auf der Suche nach einer Perspektive habe sie sich mit Tourismus beschäftigt. „Bei der Frage nach einem Ausbildungsplatz ist mir schließlich klar geworden, dass ich nicht nur das Abi machen, sondern auch Spanisch lernen muss.“ Andernfalls würde ihr nach einer Lehre möglicherweise ein bestimmtes Tourismus-Studium verwehrt.

Die Zeit bis zur Abreise im Januar nutzt Henderson, um sich gründlich auf das Gastland vorzubereiten. Sie recherchiert in Atlanten und im Internet und will alle empfohlenen Impfungen absolvieren. Außerdem bietet die christliche Organisation bis zur Abfahrt Seminare an, in der viele Fragen geklärt werden, so die 20-Jährige. Letztendlich sei ihr es aber egal, ob sie bei einem Projekt in der Schulbildung mithilft, mit Straßenkindern arbeitet oder bei einem ökologischen Vorhaben. „Dort lernen die Menschen zu improvisieren“, sagt Henderson, die ihre Erwartungen für das kommende Jahr herunterschraubt. „Es gibt Wohnungen, die bloß mit einer einzigen Glühbirne ausgestattet sind.“ Ehemalige hätten von Familien berichtet, die ihre Küche ausräumen, um Platz für Teilnehmer des Freiwilligendienstes zu schaffen. Die Sudweyherin will deshalb offen auf die Menschen zugehen.

Was sie zu lernen erhofft? „Solch eine Zeit dient dazu, die eigenen Werte zu betrachten und das Leben in Deutschland wertzuschätzen.“

Zoé Henderson ist per Mail unter zoe.ecuador@gmx.de erreichbar.

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