Erfolgsgeschichte

Hella Hanewinkel erinnert Anfänge des Weyher Theaters

Wirbt für den Theater-Verein auf einer der ersten Weyhe-Total-Veranstaltungen: Hella Hanewinkel (links).
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Wirbt für den Theater-Verein auf einer der ersten Weyhe-Total-Veranstaltungen: Hella Hanewinkel (links).

Abend für Abend dringt nur Rotlicht aus den Fenstern des Weyher Theaters nach draußen. Der Spielbetrieb ist erneut eingestellt. Die Alarmstufe Rot, eine Aktion während der Corona-Pandemie, an der sich das Theater beteiligt, wird noch eine Weile dauern: Mit dem Licht signalisiert die Bühne am Kirchweyher Marktplatz, dass die ganze Veranstaltungsbranche sich in einer sehr schwierigen, finanziellen Lage befindet. Ein Ende der Pandemie und damit eine Erholung der wirtschaftlichen Lage, ist noch nicht absehbar (wir berichteten).

Kirchweyhe – Dabei sollten die Akteure des Weyher Theaters eigentlich in Feierlaune sein, findet Hella Hanewinkel. Denn der Betrieb besteht seit zwei Jahrzehnten und sei eine große Erfolgsgeschichte. Die Lahauserin hat einen besonderen Blick auf das Theater, denn sie schuf dafür die Basis. Und sie war es auch, die den Grundstein für das Haus setzte.

Neugründung mit Spielern der Lahauser Bühne

In der Pandemie denkt Hella Hanewinkel einmal mehr an die Anfänge des Hauses, das in den vielen Jahren seines Bestehens eine Institution in der Wesergemeinde geworden ist. Auch wenn wegen des Lockdowns derzeit für die Akteure gar nichts mehr geht, hofft die Lahauserin, dass das Theater wirtschaftlich wieder Boden gewinnt.

Vor mehr als zwei Jahrzehnten gehörte Hella Hanewinkel zu einem kleinen Kreis, der am neuen Marktplatz ein Theaterhaus errichten wollte. Sie erinnert sich gut daran, wie die Stimmung damals war, und schildert die Anfänge. Hella Hanewinkel war Mitglied der Lahauser Bühne und spielte zusammen mit Akteuren wie Kay Kruppa, Carsten Garbs, Marc Plate und Johann Kattner. Auch Silke Bollhorst (Kehlenbeck) und Detlef Petersen hätten dazugehört. Als es für sie rollenmäßig zu eng geworden sei, gründete sie kurzerhand ein eigenes Ensemble.

Ensemble füllt Häuser in Leeste, Syke und Riede

„Das war eine tolle Truppe“, schwärmt sie. Insgesamt 25 bis 30 Leute hatten wie sie den gleichen Traum. Deshalb gründeten sie im Juni 1997 im Kirchweyher Hof den Verein Weyher Theater. Vorsitzende wurde, na klar, Hella Hanewinkel. Die ersten Stücke spielte die Truppe in der KGS Leeste, im Syker Theater, und in der Rieder Gaststätte Scholvin-Ortmann. „Es war immer rappeldicke voll“, sagt sie. Das sei ein Zeichen gewesen, dass die Menschen in der Region Stücke lieben, in denen man viel lachen kann.

Viele Erinnerungen sind mit dem Weyher Theater verbunden: Hella Hanewinkel blättert in einem ihrer

Als Heinz-Hermann Kuhlmann die Idee hatte, den Weyher Marktplatz in Kirchweyhe zu bauen, hatte Hanewinkel eine zündende Idee: Es muss ein eigenes Theater her, um das Gesamtbild abzurunden. Hella Hanewinkel hatte sich auch schon einen Platz ausgesucht. Ihr Auge war auf eine grüne Wiese, eine Baulücke, gefallen.

Zwischen der Gründung und der Grundsteinlegung im Jahr 2000 unter der Regie des damaligen Bürgermeisters Edmund Irmer musste Hella Hanewinkel, wie sie sagt, viele Stolperfallen aus dem Weg räumen. Als Hobbyschauspielerin schob sie ein Millionenprojekt an – das bis zur Corona-Pandemie eine Erfolgsgeschichte hinlegte.

Anstoß-Finanzierung des Weyher Theaters durch Privatpersonen

Aber damals, Ende des 20. Jahrhunderts, mochte die öffentliche Hand für dieses ambitionierte Projekt kein Geld geben. Und was war mit Krediten von der Bank? „Die Banker haben gedacht, die Alte tickt nicht richtig“, als sie sich bei den örtlichen Kreditinstituten um Geld bemühte. Ihr sei klar gewesen: Ohne Anfangskapital würde keine Bank dem Verein Geld geben. Die Bankkaufleute hätten damals nicht an den Erfolg geglaubt, zumal es in der nahen Hansestadt bereits zahlreiche Theaterhäuser gab, die vom Staat subventioniert wurden.

Ihre Truppe ahnte offenbar, dass Hella Hanewinkel nicht aufgeben und für ihren Traum kämpfen würde. „Wenn du das schaffst, tragen wir dich über eine Sänfte über den Marktplatz, habe Kay Kruppa damals gesagt.

Das Anfangskapital konnte also nur von Bürgern kommen. Eine bekannte Weyher Unternehmerin war die erste, die Hella Hanewinkel überzeugte: „Sie meinte, sie unterschreibt ein Todesurteil, weil sie 5000 Mark bezahlen musste.“ Weitere 49 Kommanditisten folgten. „Obwohl auch Freunde skeptisch waren und hinter meinem Rücken den Kopf geschüttelt hatten, haben sie doch Geld gegeben.“ Das Richtfest feierte das Theater im Mai, gespielt wurde ab Herbst. „Wir dachten, dass ein Theater mit Kinobetrieb ein Erfolgskonzept sein könnte, aber wir stellten fest, dass außer bei den Streifen Harry Potter sowie Herr der Ringe das Kino nicht voll wurde.“

Weyher Theater startet ohne Berufsschauspieler

Die Akteure waren damals keine Berufsschauspieler, blickt Hella Hanewinkel zurück, richtige Gagen gab es auch nicht. „Geprobt wurde in Lahausen“, sagt Hanewinkel, „in meiner Wohnung.“

Vertauschte Geschlechterrollen: Hella Hanewinkel (r.) und Kai Kruppa.

Kay Kruppa war damals 17 Jahre alt, als Hanewinkel mit ihm probte. Sie merkte, dass in ihm viel Potenzial steckte und Kruppa wie auch die anderen Akteure Lust hatten, das Publikum zu erfreuen.

Als es darum ging, das Theater mit Stühlen zu möblieren, standen die Ansichtsexemplare in Hanewinkels Flur, erzählt sie. „Die kamen aus dem Ausland“, sagt sie.

Übrigens: Den einst gegründeten Verein gibt es längst nicht mehr. Er hatte aber auch nie eine juristische Verbindung zum eigentlichen Theaterhaus, sagt Hanewinkel.

Von Sigi Schritt

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