Heino Weseloh kann nicht verarbeiten, dass seine Cousine im Mai 1945 bei lebendigem Leib verbrannt ist

Ein 70 Jahre währendes Trauma

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Heino Weseloh an der Stelle, wo seine Cousine auf eine Mine trat.

Leeste - Von Philipp Köster. Im Mai kamen die Erinnerungen wieder hoch. Als Europa des Kriegsendes vor 70 Jahren gedachte, musste auch Heino Weseloh wieder an das schreckliche Ereignis denken, das sich in jenen Maitagen 1945 vor seinem elterlichen Hof an der Westerheide ereignete.

Der damals fünfjährige Heino spielte mit Cousin Fritz und Cousine Marianne Ball. Die Engländer waren gerade abgezogen. Sie hatten zuvor den Hof beschlagnahmt und auf der Diele ein Lazarett eingerichtet. Ihre im Innern gelagerte Muniton schafften sie nach draußen.

„Sie haben Tellerminen und Handgranaten einfach auf den Hof geworfen.“ Als sie dann abgezogen seien, hätte zwar ein Suchdienst noch kontrolliert, ob alle Munition entfernt ist. Doch eine Tellermine hatten sie laut Weseloh vergessen.

Fritz und Heino stehen am Giebel, Marianne bei einem Steinhaufen an der Straße. Dann gibt es einen lauten Knall. Heino hat gewaltige Schmerzen. Er schließt die Augen. Seine Mutter und Tante rennen heraus und decken die Jungs mit Wolldecken zu. Die sechsjährige Cousine ist bei lebendigem Leib verbrannt.

Ihre Urne ist auf dem Leester Friedhof begraben.

Immer wieder träumt Heino Weseloh von diesem schrecklichen Erlebnis. Er will wegrennen, aber es geht nicht.

„Ich hatte wegen des Todes meiner Cousine schon immer Probleme, mich Frauen zu nähern, weil ich sofort Verlustängste hatte.“ Bei seiner Ehefrau war das anders. Sie ist im vergangenen Jahr gestorben. Seit ihrem Tod sind die Verlustängste wieder da. Und die Erinnerungen an das Drama vom Mai 1945 auch.

Hilfe von außen? Medikamente und Gespräche haben nichts gebracht. Der 75-Jährige erhofft sich Hilfe von einer Mitarbeiterin der Psychiatrie in Twistringen. Und er sucht Kontakt über Chiffreanzeigen in der Kreiszeitung. Denn Heino Weseloh ist vor allem eins: einsam.

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