Buch über Praxistipps zur Naturheilkunde

Dr. med. Hans Jörg Norden: „Wer heilt, hat recht“

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Am Anfang war er skeptisch, hat die Homöopathie sogar belächelt. Dann ereignete sich ein Schlüsselerlebnis, und der Allgemeinmediziner Norden bildete sich in der Naturheilkunde fort. Jetzt hat er ein Buch mit Praxistipps veröffentlicht.

Weyhe - Von Janna Silinger. Früher hat er alternative Medizin belächelt, sie für Hokuspokus gehalten. „Ich war arrogant“, berichtet Dr. med. Hans Jörg Norden aus Weyhe. Doch das Blatt sollte sich bald wenden. Während eines Vertretungsjobs in einer Praxis, in der auch Naturheilkunde angewandt wurde, ließ er sich eines Besseren belehren.

Jetzt hat er ein Buch darüber geschrieben. „Praxistipps für den Alltag aus Homöopathie und Naturheilkunde“ heißt das Werk des Mediziners. Es war ein Schlüsselerlebnis mit einer Patientin, die mit Migräne zu ihm gekommen war. Er ließ sich ein Naturheilverfahren (Neuraltherapie) zeigen. Als das tatsächlich funktionierte, redete Norden sich zunächst ein, dass es sich um einen Placebo-Effekt handelte. Beim zweiten Besuch der Frau funktionierte die Prozedur noch mal. Und da geriet er ins Grübeln.

Studiert hat Norden in Kiel. Ganz gewöhnliche Schulmedizin. Nachdem er die Heilkraft der Natur dann nicht mehr rigoros ausschloss, bildete er sich in verschiedenen Disziplinen alternativer Medizin fort. Diese Kenntnisse integrierte er in seine Tätigkeit als Hausarzt, die er ab 1979 in Weyhe ausübte.

„Damals war Homöopathie noch eher unbekannt und wurde nicht ernst genommen. Wir waren zehn Ärzte, als ich die Fortbildung machte“, berichtet er.

Naturheilpraxis im Privathaus

Fünf Jahre später hätten da schon zwei Turnhallen voller Menschen gesessen. Im Jahr 1995 öffnete er dann neben seinem Privathaus eine kleine Naturheilpraxis.

Bis vor Kurzem behandelte er dort Menschen. Norden ist inzwischen Rentner, doch langjährige Patienten berät er noch heute, gibt Tipps, Ratschläge und Einschätzungen.

Und genau darum geht es auch in seinem Buch. Es seien Tipps, die man Zu Hause anwenden könne. „Das Patientenverhalten ist oft von Angst und Hysterie gesteuert. Aber man muss nicht bei jeder Kleinigkeit starke Medikamente nehmen“, meint der heute 75-jährige. Häufig gibt es Mittel ohne jegliche Nebenwirkungen, die zur schnellen Genesung führen.

Ein Beispiel: Entzündungen im Knie oder Venenleiden. „Was wirklich wirkt, sind Blutegel.“ Die, so berichtet Norden, sind auch in einer Apotheke erhältlich. Zu Hause legt man sie auf die Haut. Sie saugen sich fest und fallen dann von alleine wieder ab. Die Zufuhr des Speichels und der gleichzeitige Blutentzug wirken entzündungs- und gerinnungshemmend, krampflösend und blutreinigend. „Viele ekeln sich allerdings davor“, sagt er verständnisvoll. Für den Fall gibt es auch spezielle Blutegel-Salben.

Fieber ist erwünschte Reaktion

Ein anderes Beispiel: Viele Ärzte würden bei einer stärkeren Erkältung, bei der auch Fieber auftritt, direkt zum Antibiotikum greifen, „auf Nummer sicher gehen“. Doch Fieber ist eine normale, sogar erwünschte Reaktion. Der Körper reinigt sich ab einer Temperatur von 38,5 Grad Celsius selbst. Ein Antibiotikum sei kompletter Schwachsinn bei so etwas, ist sich Norden sicher.

Er betont, dass es Fälle gibt, in denen er ausschließlich zur Schulmedizin rät. Diese leiste Großes, verzeichne bahnbrechende Erfolge und häufig, könne man sich darauf verlassen. Doch – und das sei der entscheidende Punkt – nicht ohne die Augen offen zu halten und zu hinterfragen, ob gewisse Anwendungen notwendig sind.

Er spricht sich nicht für das eine oder das andere aus. „Die Behandlungsmethoden sollten sich gegenseitig ergänzen“, sagt er. „Wer heilt, hat Recht“, dabei spiele es kaum eine Rolle, wie man vorgehe, so Norden. Obwohl viele ihn wegen dieser Ansicht kritisierten, steht er dazu.

Alle Ärzte hätten eine Aufklärungspflicht. Über alles, was zu der Krankheit zu wissen ist. Im Endeffekt müsse der Patient dann entscheiden, welchen Weg er geht.

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