Einbruch: Politik setzt auf Prävention

Das Haus soll keine Festung werden

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Wiebke Möller (M.) zeigt Astrid Schlegel (l.) und Frank Seidel das noch sichtbare Spurensicherungsmaterial der Polizei.

Weyhe - Von Sigi Schritt. Fast die Hälfte aller Einbrüche im Kreis Diepholz entfallen auf Weyhe und Stuhr. Aufgrund der im Vergleich zum Vorjahr angestiegenen Zahlen will nicht nur die Polizei verstärkt gegen die ungebetenen Gäste vorgehen, sondern auch die Politik.

Während die Beamten – wie berichtet – beispielsweise auf einen ganzheitlichen Ansatz der Kriminalitätsprävention setzen und verstärkte Verkehrskontrollen Teil dieser Strategie sind, fordert die SPD die Verwaltung auf, die Zusammenarbeit mit Polizei und Landkreis zu verstärken, indem der Präventionsrat und das Quartiersmanagement einbezogen werden. Nicht nur für die Wesergemeinde, sondern auch für die Nachbarkommune Stuhr soll ein Konzept für eine Sensibilisierungskampagne entwickelt werden. Der Titel lautet „Gemeinsam hinschauen – dem Einbruch keine Chance“. Dieses Thema wollen die Sozialdemokraten im nächsten Ausschuss für Ordnung und Soziales, der am kommenden Mittwoch tagt, mit den anderen Fraktionen diskutieren, kündigen die Ratsvorsitzende Astrid Schlegel und der Fraktionsvorsitzende Frank Seidel an.

Bisher hat sich der Präventionsrat laut Seidel hauptsächlich mit Jugendkriminalität und Drogenmissbrauch beschäftigt. Seidel und Schlegel glauben, dass das Gremium, dem ihr Fraktionskollege Rainer Zottmann (hauptberuflich Leitender Polizeidirektor in Bremen) vorsteht, die weitere Aufgabe schultern kann. Die Politik soll den Boden bereiten, damit die Einbruchszahlen zurückgehen.

Weder die Sozialdemokraten noch Betroffene der ungebetenen Gäste wie Wiebke und Stefan Möller möchten außerdem, dass das Leben durch Kriminelle eingeschränkt wird.

„Bei uns wurde zwei Mal eingebrochen“, berichtet Wiebke Möller. Beim ersten Mal vor über zwei Jahren wüteten die Unbekannten im ganzen Haus. „Ich hatte anschließend das Gefühl, dass ich alle Räume von Grund auf putzen musste“, erinnert sich die zweifache Mutter an ihr Unbehagen damals. „Die Nachbarn haben zwar gehört, dass es ‘gerumst’ hatte, doch andere Nachbarn wiederum feierten eine Party. Wir sind eine junge Familie und haben nicht viele Wertgegenstände.“

Ostern folgte der zweite ungebetene Besuch: Ein Unbekannter schlug mit einem Stein das Wohnzimmerfenster ein. Der Dieb schaute sogar in den Schrank ihres ältesten Sohnes. Es sei deutlich geworden, dass er sich für Fußball-Trikots interessierte. „Die teuren waren glücklicherweise in der Wäsche.“ Fündig wurde der Einbrecher bei dem jüngsten Sohn: Der Spargroschen aus dem Schreibtisch ist jetzt fort. „Außerdem verschwanden Kleinigkeiten wie ein E-Book-Reader, die man schnell verstauen kann.“ Was blieb: ein über mehrere Tage kaputtes Fenster, eine durch den Stein verursachte Macke im Fußboden und ein Riss im Sofa. „Außerdem schläft man Tage nach dem Ereignis schlecht“, sagt Möller. „Wir haben jetzt eine Alarmanlage. Doch wir möchten unser Zuhause nicht zu einer hoch gesicherten Festung umrüsten.“

Die Zahlen:

2014: Weyhe: 43 Einbrüche, davon 12 Versuche; Stuhr: 91 Einbrüche, davon 39 Versuche

2015: Weyhe: 89 Einbrüche, davon 42 Versuche; Stuhr:167 Einbrüche, davon 59 Versuche

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