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Premiere: Geschäftsführer für eine Ratsfraktion

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Von: Sigi Schritt

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Günther Schwarz.
Günther Schwarz im Rathaus: Der 72-Jährige schaut sich die Sitzungen von Ausschüssen an, um einen Überblick über die Themen der Gemeinde Weyhe zu bekommen. © Sigi Schritt

Premiere: Grünen-Fraktion in Weyhe bestellt Günther Schwarz zum Geschäftsführer

Weyhe – Es ist eine Premiere auf lokaler Ebene. Der Ortsverband der Grünen in Weyhe hat einen Geschäftsführer bestellt: Günther Schwarz. Es ist überhaupt der erste Geschäftsführer einer Ratspartei in der Weser-Gemeinde.

Der 72-jährige Günther Schwarz wohnt seit zwei Jahren in Kirchweyhe – davor hat er fast vier Jahrzehnte lang in England gelebt, gearbeitet und genau das gemacht, was er für die Grünen in der Weser-Gemeinde tun soll: Koordinationsaufgaben.

„Geschäftsführer soll die Fraktionsarbeit und die Arbeit des Ortsverbandes verzahnen“

„Unser neuer Geschäftsführer soll die Fraktionsarbeit und die Arbeit des Ortsverbandes verzahnen“, sagt Jens Uhlhorn, Mitglied des Parteivorstands und der Grünen-Fraktion. Auf Fraktionsebene hätten die Mitglieder nicht nur ihr politisches Amt, sondern seien auch in anderen Gremien aktiv: zum Beispiel im Elternrat, in den Sportvereinen, beim ADFC, beim Nabu und in der Hilfe für Geflüchtete. „Der Ortsverband erhofft sich, daraus Impulse für die Fraktionsarbeit zu gewinnen“, erklärt Uhlhorn. „Wir haben Glück, dass wir mit Günther Schwarz jemanden kennengelernt haben, der in England ein Sozialzentrum geleitet hat und der seine Erfahrungen in die politische Arbeit einbringen will“, so Uhlhorn.

Bezüglich des Informationsflusses habe der 72-Jährige den gleichen Status wie jedes andere Fraktionsmitglied. Er habe zum Beispiel Zugang zu all jenen Dateien, die alle Ratsmitglieder öffnen und einsehen könnten, sagt Schwarz. Der Kirchweyher hatte zwar den Wahlkampf für die Grünen bestritten und für den Rat kandidiert, ist aber kein Ratsmitglied geworden. Wie die gewählten Vertreter hatte kürzlich Bürgermeister Frank Seidel ebenso den 72-Jährigen als Geheimnisträger verpflichtet. „Das war ein feierlicher Moment“, blickt er zurück.

Bestimmte Infos sind vertraulich: Personalangelegenheiten

Weshalb diese Prozedur notwendig ist? Es gebe bestimmte Informationen, die von keinem Ratsmitglied in die Öffentlichkeit gelangen dürfen, erklären Uhlhorn und Schwarz. Es gehe dabei um vertrauliche Personalangelegenheiten, Bauanträge und vorbereitende Tätigkeiten etwa zum Gemeindehaushalt (bis er dann öffentlich wird).

Grünen-Geschäftsführer hat Radio- und Fernsehtechniker gelernt

Der neue Weyher Grünen-Geschäftsführer hat sein ganzes Berufsleben in der Jugend- und Erwachsenenbildung verbracht und freut sich auf seine neue Aufgabe: Günther Schwarz wurde 1949 in der Nähe von Krefeld geboren, wuchs in Bremen auf und absolvierte zunächst eine Ausbildung zum Radio- und Fernsehtechniker bei Nordmende in Bremen.

Über den zweiten Bildungsweg ergriff er im zweiten Jahr des Bestehens der neuen Universität Bremen ein Sozialpädagogik-Studium mit dem Schwerpunkt politische Bildung.

Sozialpädagogik-Studium über den zweiten Bildungsweg

Früh betätigte sich Schwarz in den Selbstverwaltungsgremien der Uni und war als Student in der Kommission, die neue Professoren beruft. Nach seinem Diplom war der Bremer bei der Volkshochschule Lehrgangsleiter für Menschen, die Hauptschulabschlüsse anstrebten.

In Newbury (Berkshire) das Bürgerhaus Waterside-Center geleitet

Seine Freundin zog es nach England, er ging mit. In Newbury (Berkshire), einer Kleinstadt 80 Kilometer von London entfernt, war er zuletzt fast zwei Jahrzehnte lang Manager für das Waterside-Center, ein Bürgerhaus. „Das war die größte Einrichtung im Kreis. Dort gab es alle möglichen Gruppen: Sport, Weiterbildung, Sprachkurse, Theater. Ich hatte ein Team von 50 Angestellten, Honorarkräften und Ehrenamtlichen.“

Ob Mütter mit ihren Babys oder Senioren – sie hätten das Haus geschätzt, sagt Schwarz. Bis zu 200 Menschen seien am Tag vorbeigekommen. Man muss sich die Einrichtung erheblich größer vorstellen als die Alte Wache in Leeste. Es gab neben einem Theatersaal eine riesige Cafeteria, Klassenräume eine Sporthalle mit angeschlossener Wassersportabteilung mit 100 Kanus. In der Nähe des Hauses befindet sich der Kennet-und-Avon-Kanal, der in die Themse führt, erklärt Günther Schwarz.

„Der Ort in England sei mit Weyhe vergleichbar. Die Einwohnerzahl liege zwischen 30 000 bis 35 000 Einwohner, und die Gemeinde sei „relativ wohlhabend“. Das Unternehmen Vodafone ist dort entstanden und hätte dort immer noch seinen Hauptsitz. Große Firmen wie Bayer hätten dort ebenso ihren Sitz für England. „Ich fühlte mich dort gut integriert, habe mit dem Bürgermeister eng zusammengearbeitet und stand jede Woche in der Zeitung.“

„Wir haben Räume vermietet und das Geld für neue Mitarbeiter investiert“

„Wir haben Räume vermietet und das Geld für neue Mitarbeiter investiert“, sagt er. Es ging dort darum, größere Gruppen anzuleiten und die Menschen dort weiterzubilden.

Als Anhänger der Europäischen Union mit Freunden in allen EU-Staaten findet er es als Rückschritt der Geschichte, dass ein so großes Land wie England sich ausgeklinkt hat. Er beschloss, nach Deutschland zurückzukehren. „Ich kam gerade vor Corona an. Mein Haus in England werde ich verkaufen.“

In Weyhe fühle er sich „sehr wohl“: Er sitzt am Steuer des Bürgerbusses, gibt Englisch-Kurse in der alten Wache und beteiligt sich dort ebenso am Reparaturcafé.

Wie er sich seine Arbeit in der Weser-Gemeinde vorstellt? „Ich will mit vielen Menschen reden. Am Wahlkampfstand habe ich herausgehört, dass sich Weyher ums Klima und um die Zukunft sorgen. Ich will Menschen zusammenführen.“

Zunächst möchte er alle Ausschüsse besuchen, um sich einen Überblick über Weyher Themen zu verschaffen. Eine Idee hat er bereits, die die Grünen bald umsetzen wollen: Es geht um einen politischen Stammtisch. Es sei kein Thema vorgegeben. Die Besucher können sich dort mit Lokalpolitikern austauschen. Schwarz: Aus diesen Gesprächen könnten Partei und Fraktion wiederum Ideen für die Ratsarbeit entwickeln.

Günther Schwarz und Jens Uhlhorn (r.)
Günther Schwarz und Jens Uhlhorn (r.) von der Grünen-Fraktion in Weyhe besprechen Themen, die für die Grünen in der neuen Wahlperiode wichtig sind. © Sigi Schritt

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