„Gottvertrauen und Zuversicht“

Unvergessliche Weihnachtstage: Bernd Urban erinnert sich 

+
Bernd Urban mit bildlichen Erinnerungen an seine Marine-Zeit der Bundeswehr, die 2013 den Flammen des Großbrandes kurz vor Weihnachten nicht zum Opfer fielen. 

Kirchweyhe - Von Sigi Schritt. Am Ende der Adventszeit hält Bernd Urban regelmäßig inne. Der 80-Jährige erinnert sich an „unvergessliche Weihnachtstage“ in seinem Leben, die völlig anders gelaufen sind, als geplant – vor 54 Jahren fern der Heimat und vor vier Jahren nach einer Katastrophe.

Fünf Tage vor dem Fest standen er und seine Frau Sieglinde vor den Trümmern ihres Hauses. Ein verheerender Brand hatte ihr Einfamilienhaus völlig unbewohnbar gemacht und die Eheleute zu Obdachlosen – an stille Nacht, Heilige Nacht war nicht zu denken. Der Dachstuhl brannte aus, die Räume darunter standen unter Wasser. Das war im Jahr 2013, auch die Kreiszeitung berichtete über das Großfeuer, dessen Flammen rund 140 Löschkräfte aus allen Weyher Ortswehren bekämpften.

Bernd Urban und seine Frau hatten es sich damals im Wohnzimmer gemütlich gemacht, als seiner Frau auffiel, dass die Weihnachtsbeleuchtung im Garten ausging. Minuten später bemerkte der ehemalige Zeitsoldat, wie dichter Rauch aus der Garage drang, die sich vor seinem Haus befindet. Die Flammen schossen unter ein Plastikvordach und bewirkten, dass eine Fensterscheibe, an der er Sekunden zuvor noch vorbeiging, zerbarst. Sieglinde Urban eilte zu Nachbarn, um die Feuerwehr zu rufen.

Die Familie Urban erlebte eine Welle der Herzlichkeit und Hilfe in der Not: „Nachbarn nahmen uns auf. Anke Schirrmacher vom Scheunenmarkt brachte uns einen Tannenbaum. Einige Freunde sorgten für ein komplettes Mittagessen, andere wiederum stellten Unterstellmöglichkeiten für unsere Möbel und Sachen, die nicht durchs Feuer in Mitleidenschaft gezogen wurden.“

Alle haben mitgeholfen 

Die Nachbarschaft, seine Gruppen – von den Shantysängern bis zu den Seglern – hätten mitgeholfen, das Unglück abzufedern.

Eine seriöse Versicherung beglich schließlich die Kosten des Wiederaufbaus. Wie die Familie die Zeit überstanden hat? „Mit Gottvertrauen und Zuversicht.“

Als junger Mann hatte Urban bereits ungewöhnliche Weihnachten erlebt. Rückblick: Von ausgebuchten Hotels und Ferienwohnungen über Weihnachten konnten die Insulaner von Borkum nur träumen, als Urban Ende 1963 plötzlich auf die Insel zum Seebataillon versetzt und für wenige Tage „vergessen“ wurde. Statt Weihnachten im Kreise der Familie hieß es: allein in der Kaserne.

Zwölf Jahre ist Urban zur See gefahren – die Zeit als Berufssoldat in der Marine habe ihn „sehr geprägt“ und sein Leben nach einer kaufmännischen Ausbildung in Bremen „in geordnete Bahnen gelenkt“.

„Geboren 1937 gehörte ich zu den ersten Jahrgängen, die im April 1957 zur Bundeswehr eingezogen wurden. Zur Marine musste man sich freiwillig melden.“ Vor seinen unvergesslichen Weihnachtstagen hat er sich als Stabssoldat zum Rechnungsführer ausbilden lassen und war unter anderem auf Sylt stationiert. Später schipperte er auf der Fregatte Emden ebenso auf den Weltmeeren wie auf dem Versorgungsschiff Dithmarschen. „Als Zahlmeister musste ich nicht nur Wehrsold, sondern auch Zusatzleistungen wie Trennungsgelder und Taucherzulagen auszahlen – im Ausland sogar in den jeweiligen Landeswährungen.“ 

Vor einer neuen Reise sollte das über 100 Meter lange und 14 Meter breite Schiff mit drei Ladeluken in Hamburg umgebaut werden. „Deshalb musste die Besatzung kurz vor Weihnachten von Bord“, berichtet Urban. Auch für ihn gab es einen speziellen Auftrag: Er sollte den plötzlich erkrankten Rechnungsführer auf Borkum ersetzen. Der 22. Dezember war laut Urban der Tag, als die Bundeswehr mehrere Sonderzüge mit Kurswagen für einzelne Kasernenstandorte beorderte. Einen solchen Zug, der von Flensburg nach Emden unterwegs war, bestieg Urban in Hamburg. „In Bremen kam meine Frau zum Bahnhof und überreichte mir ein Paket. Sie ahnte wohl schon, dass wir die nächsten Tagen nicht gemeinsam verbringen.“

„Das beste aus der Situation gemacht“

So kam es auch: Nach zwölf Stunden in Emden angekommen, ging es weiter mit der Fähre: „In dem Gebäude, in dem heute die Jugendherberge untergebracht ist, war kein Offizier, der mir hätte dienstfrei geben können. Ohne diese Genehmigung, nach Hause fahren zu dürfen, wäre aber der Trip eine Straftat gewesen – eigenmächtiges Fernbleiben von der Truppe.

„Ich habe nicht im Bett geheult, sondern das beste aus der Situation gemacht“, so Urban. Auf Borkum-Reede war nichts los, bis zur Stadt musste man sieben Kilometer laufen. „Die Inselbahn fuhr nur für die an- und abfahrenden Schiffe.“ Die Unteroffiziere, die auf Borkum wohnten, kannte Urban damals noch nicht.

Für Abwechslung sorgte der örtliche Pfarrer. „Im Lesezimmer der Kaserne erzählte er nicht die Weihnachtsgeschichte“, sondern weshalb die Gebete von Borkumern – 100 Jahre zuvor – von einem „gesegneten Strand“ handelten. Der Überlieferung zufolge waren die armen Insulaner auf Strandgüter angewiesen. Als bei Sturm das Licht des Hauptleuchtturms ausfiel, entzündeten sie ein Feuer „draußen am Oststrand“. Die Folge: Schiffe liefen auf Borkum-Riff auf, zerbarsten und das Strandgut samt Holz zum Heizen verteilte sich am Strand.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Bilder aus Kroatien: DHB-Team zittert sich zum Sieg 

Bilder aus Kroatien: DHB-Team zittert sich zum Sieg 

Werder-Wechsel zu Bayern

Werder-Wechsel zu Bayern

Eine Vision vom Wohnen von der IMM

Eine Vision vom Wohnen von der IMM

Zehn Dinge, die Sie im Bewerbungsgespräch sofort disqualifizieren

Zehn Dinge, die Sie im Bewerbungsgespräch sofort disqualifizieren

Meistgelesene Artikel

Nach Notdurft eines Busfahrers: Transponder am Bahnhofsklo

Nach Notdurft eines Busfahrers: Transponder am Bahnhofsklo

Zugbegleiter findet leblosen Mann im Zug

Zugbegleiter findet leblosen Mann im Zug

Kreistag Diepholz debattiert im März über SY-Kennzeichen

Kreistag Diepholz debattiert im März über SY-Kennzeichen

30.000 Kubikmeter Schlamm aus dem Dümmer

30.000 Kubikmeter Schlamm aus dem Dümmer

Kommentare