Mitarbeiter eines Tierschutzhofes holen drei Pferde ab 

Gnadenhof in Erichshof verliert seine Bewohner

„Moritz“ ist einer der letzten Bewohner des Gnadenhofes. Auf dem gasen Bild ist er mit Ottomar Biderke zu sehen. - Foto: Schmidt

Erichshof - Von Katharina Schmidt. Leere auf dem Gnadenhof in Erichshof: Mitarbeiter eines Tier- und Umweltschutzhofes haben am Donnerstag drei Pferde von dort abgeholt und sie nach Warpe (Landkreis Nienburg) gebracht. Ein viertes wurde eingeschläfert. All das geschah entgegen dem Willen derjenigen, die sich seit dem Tod der Weyher Hofbesitzerin Ingrid Göcke vor vier Monaten um die Tiere kümmern.

Etwa 15 Personen haben die Tiere freiwillig versorgt. Anfallende Kosten hat Dr. Ottomar Biderke übernommen. Er war der Lebensgefährte von Göcke. Die ehemalige Besitzerin hat ihm in ihrem Testament lebenslanges Wohnrecht auf dem Grundstück an der Erichshofer Straße eingeräumt. Den Lebensabend dort verbringen zu können, das wollte sie auch für die Pferde. „Im Testament steht drin, dass die Tiere hierbleiben sollen“, betont Biderke.

Stiftung schlägt Erbe aus

In dem Nachlass steht allerdings auch, dass die Stiftung Gut Aiderbichl Alleinerbin des Hofes sein soll – und die hat das Erbe ausgeschlagen. Eine Nachlassverwalterin musste eingeschaltet werden. Das Problem: Es gibt niemanden, der den Hof übernimmt und auch auf dem Papier für die Tiere aufkommt.

„Wie hätten einen Verantwortlichen gebraucht“, bringt es Christine Bärenklau, Kopf der Helfergruppe, auf dem Punkt. Die Nachlassverwalterin habe ihr angeboten, diese Aufgabe zu übernehmen, erzählt sie. Dann hätte sie aber auch Pacht zahlen und sich um die Haftpflichtversicherung ihrer Helfer kümmern müssen, schildert sie die Problematik. Sie lehnte ab.

Eigentlich wollte sie in den Tagen die Gemeinde anrufen, um eine Lösung zu finden. „Wir hatten noch Hoffnung“, sagt sie. Von der war gestern nicht viel zu spüren – es dominierten Trauer und Wut.

Zu den Helfern gehört auch die 21-jährige Nataly Kiontke. Sie sagte: „Immer geht es nur um Gesetzte. Die sehen überhaupt nicht die Tiere. Ingrid hat ihr ganzes Leben für die Tiere gegeben. Jeden Cent. Jetzt kommt einfach jemand, und nimmt das weg.“

Tiere verlieren Heimat 

Ottomar Biderke bedauert: „Es wird hier viel Idealismus kaputtgemacht.“ Er findet: „Alle Tiere hier rauszunehmen, ist eine Unverschämtheit sondergleichen. Sie verlieren ihre Heimat, sie verlieren ihre Kameraden und sie verlieren ihre Umgebung“.

Weder mit dem Abtransport noch mit dem Einschläfern des einen Pferdes war Biderke einverstanden. Letzteres war laut dem Erichshofer wegen einer Hufkrankheit veranlasst worden. Er bestätigt, dass das getötete Tier Fußanomalien gehabt habe. Er wollte das Tier trotzdem am Leben halten. „Aus meinen 80 Jahren Erfahrung – und ich bin Tierarzt in dritter Generation – weiß ich, ob ein Tier so beeinträchtigt ist, dass es eingeschläfert werden muss, oder nicht.“

Der Abtransport des toten Tieres traf die freiwilligen Helfer besonders.

Sie sind sich einig, dass der Gnadenhof für die Allgemeinheit von Bedeutung sei. Bei einem Sommerfest auf dem Hof vor wenigen Wochen sei die Resonanz überwältigend gewesen. Eigentlich sollte die Veranstaltung im Herbst wiederholt werden. Neben ein paar Katzen lebt auf dem Hof aber nun nur noch Schafbock „Moritz“, der Biderke persönlich gehört.

Die Mitarbeiter des Schutzhofes, die die Tiere abtransportiert haben, sind eigenen Angaben zufolge vom Veterinäramt dazu angewiesen worden. Das Amt sowie die Pressestelle des Landkreises waren Donnerstagabend für eine Stellungnahme nicht mehr erreichbar.

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