Ihr Geschäft sind Sachbeschädigungen

Ronald Schmidt und Marc Huntemann strahlen Graffiti in Weyhe einfach weg

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Ronald Schmidt und Marc Huntemann (l.) entfernen an der KGS Kirchweyhe regelmäßig Schmierereien, auch Nazi-Symbole.

Weyhe - Von Sigi Schritt. „Wieso macht ihr das weg? Das ist doch schön. Nächste Woche ist es sowieso wieder da.“ Ronald Schmidt und Marc Huntemann müssen sich bei der Arbeit viele Sprüche anhören, insbesondere wenn die Gebäudereiniger auf einem Schulhof tätig sind.

Das beeindruckt sie aber nicht. Die beiden Brinkumer haben sich auf die Entfernung von Graffiti spezialisiert. Im Einsatz: ein neues Gerät, das die Farbpartikel sogar ohne den Einsatz von Chemie vom Untergrund trennt. Die Graffitijäger machen den bunten Buchstaben, den Nazi-Symbolen und beleidigenden Begriffen, die sich wieder einmal am E-Trakt der KGS Kirchweyhe befinden, den Garaus. „Beim Kampf gegen Schmierereien braucht man Konsequenz und einen langen Atem. Beides haben wir in Weyhe. Insbesondere gilt unsere Null-Toleranz-Politik für rechtsextreme Schmierereien. Die Gemeinde wird auch künftig an jeder Stelle klare Kante gegen Nazis zeigen“, so Bürgermeister Andreas Bovenschulte auf Anfrage.

„Es genügt eine Steckdose mit 220 Volt“

Das Arbeitsmittel der Reinigungsexperten sieht aus wie ein überdimensionaler Sauger aus dem Baumarkt, 1,50 Meter hoch. „Doch es kostet viel mehr“, berichtet der Unternehmer Marc Huntemann. Einen fünfstelligen Betrag hätten er und sein Partner hingelegt. Es scheint, die erst vor wenigen Tagen getätigte Investition war erfolgreich: Zentimeter für Zentimeter verschwindet die Farbe vom Klinker des Schulgebäudes. „Wir arbeiten mit einem geschlossenen System“, erklärt Ronald Schmidt die Besonderheit. Es kommt weder Chemie zum Einsatz, noch Wasser oder Hochdruck. „Es genügt eine Steckdose mit 220 Volt“, so Schmidt.

Die Experten sagen, wer Chemie einsetze, könne eine Umweltbelastung nicht zu 100 Prozent ausschließen. „Irgendwo versickert immer etwas“, ist sich Ronald Schmidt sicher. Das sei bei ihrer neuesten Errungenschaft aber völlig anders, weil das Prinzip fast revolutionär sei.

400 Kilometer pro Stunde

In dem elektrischen Gerät ist ein Fach für Granulat enthalten. Diese Teilchen werden laut Huntemann auf 400 Kilometer pro Stunde beschleunigt, wenn sie im kleineren Schlauch auf ihr Ziel zurasen. Für die Mauer der KGS Kirchweyhe haben die beiden Profireiniger Glaspartikel hineingefüllt. Die treffen auf die Farbe und strahlen sie einfach weg.

Schmidt und Huntemann erklären vereinfacht das physikalische Prinzip: Ein Unterdruck erzeugt die Beschleunigung des Granulats. Das ist deshalb möglich, weil der größere Schlauch die Glasteilchen ansaugt. Bevor sie aber die Reise zurück ins Gerät antreten, prallen sie in einem Kasten auf die Farbe. „Dieser Kasten saugt sich an den Steinen fest. Mit einer beweglichen Lanze am Ende des Unterdruckschlauches kann ich die Glasteilchen so positionieren, dass sie optimal die Lackschichten entfernen“, sagt Schmidt. Die beiden Reinigungsexperten schaffen, wie sie sagen, je nach Untergrund „zwischen einem und fünf Quadratmetern in der Stunde“, so Huntemann. Sie könnten sogar Farbe auf Wärmedämm-Verbundsystemen entfernen – das Granulat bestehe dann aus Nussschalen.

Schmidt ist verwundert, dass die Sprüher es in kauf nehmen, neben der Begehung einer vorsätzlichen Straftat, sich selbst zu gefährden, „denn die Farben sind lösemittelhaltig“.

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