Weyher Inhaberinnen sprechen mit CDU-Politiker Knoerig über Pandemie-Probleme

Genickbruch für die Reisebüros?

Das Mutter-Tochter-Gespann vom Reisebüro Gerlach, Anke und Tanja, sowie Rita Schmittat vom Tui Reisecenter berichten dem Bundestagsabgeordneten Axel Knoerig und Weyhes Bürgermeister Frank Seidel von ihren Problemen in der Pandemie
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Im Krisengespräch: (v. r.) Das Mutter-Tochter-Gespann vom Reisebüro Gerlach, Anke und Tanja, sowie Rita Schmittat vom Tui Reisecenter berichten dem Bundestagsabgeordneten Axel Knoerig und Weyhes Bürgermeister Frank Seidel von ihren Problemen in der Pandemie.

Weyhe – Wer aktuell ins Aus- oder im Inland reisen will, macht sich einmal mehr Gedanken als noch im vergangenen Jahr. Durch die Corona-Pandemie wurden viele Regionen zu Risikogebieten erklärt. Daheim bleiben und Kontakte radikal reduzieren, um die Infektionszahlen zu verringern – das ist momentan die Devise. Doch wenn niemand mehr reisen will, wer kommt dann noch ins Reisebüro? „Zwei bis drei Kunden am Tag sind derzeit viel“, berichtete Rita Schmittat vom Tui Reisecenter in Weyhe besorgt. „Unsere Lage wird immer dramatischer“, fügte sie hinzu. Gemeinsam mit ihren Kolleginnen Anke und Tanja Gerlach vom Reisebüro Gerlach in Weyhe berichtete sie am Mittwoch dem Bundestagsabgeordneten Axel Knoerig (CDU) von ihren Sorgen und Nöten in der Krise.

Seit Beginn der Corona-Pandemie im März gebe es keine großen Neubuchungen mehr, erklärte Tanja Gerlach. Viele Menschen hätten auch nicht mehr in Nicht-Risikogebiete reisen wollen. „Sie waren besorgt, dass ihr Zielort dann zu einem erklärt wird, wenn sie dort sind“, sagte sie. Das Deutschlandgeschäft gehe zudem weitestgehend an den Reisebüros vorbei, da viele nur noch online buchen würden. Ihre Mutter Anke Gerlach betonte zudem, dass es noch ein paar Buchungen in den vergangenen Monaten gegeben hätte, jedoch nur bis zu dem Zeitpunkt, als hierzulande alle Hotels geschlossen wurden. „Das betrifft sogar Ferienhäuser, obwohl dort die Ansteckungsgefahr wirklich gering ist“, meinte sie. Das habe den Reisebüros zusätzlich das Genick gebrochen, verdeutlichte Schmittat weiter. „Frau Gerlach musste schon eine ihrer Filialen schließen“, führte die Unternehmerin aus. Das habe unter anderem zu einer 50-prozentigen Dezimierung allein in Weyhe geführt. Zu diesen Problemen würden noch die enormen Stornierungskosten kommen. „Bei uns sind es über zwei Millionen Euro“, verrät Schmittat. Allein für die Bearbeitung dieser habe sie zwei Mitarbeiter abstellen müssen.

Die Frage des Bundestagsabgeordnete Knoerig, ob den Reisebüro-Inhaberinnen die Reisegutscheine, die sie Kunden anstelle der sofortigen Erstattung ihrer Vorauszahlungen anbieten können, geholfen hätten, verneinten diese. „Es gab nur wenige, die das Angebot tatsächlich angenommen haben. Viele waren sich unsicher und wollten lieber ihr Geld zurück“, erinnerte sich Tanja Gerlach.

Der CDU-Politiker hatte für die Unternehmerinnen allerdings eine gute Nachricht: „Wir werden das Kurzarbeitergeld bis Ende kommenden Jahres fortsetzen.“ Zudem wollte er wissen, wie es um die Weiterbildungsmöglichkeiten der Betroffenen während der Krise stehe. „Es gibt Online-Angebote von den Veranstaltern, wie Tui oder Schauinsland-Reisen, die rege in Anspruch genommen werden“, teilte Schmittat mit.

Darüber hinaus betonte Knoerig, dass er sich dafür einsetze, dass auch die Überbrückungshilfen, mit denen Bund und Länder kleine und mittlere Unternehmen, Selbstständige sowie gemeinnützige Organisationen bei der Bewältigung corona-bedingter Umsatzrückgänge unterstützen wollen, weitergeführt werden. Die Antragsfrist endet aktuell am 31. Dezember. „Es gibt jedoch noch keine Entscheidung, da die Abstimmungen mit den Bundesländern noch nicht vollzogen worden sind“, erläuterte Knoerig. In der Überbrückungshilfe zwei war unter anderem auch ein fiktiver Unternehmerlohn enthalten, der je nach Umsatzeinbruch im Vergleich zum Vorjahresmonat vom Land festgesetzt wurde. „Das Geld ist für mich unheimlich wichtig. Mittlerweile musste ich Arbeitslosengeld zwei beantragen. Ich kann und möchte mir als Geschäftsführerin keinen Lohn auszahlen“, berichtete Anke Gerlach von ihrer Misere.

Knoerig fragte darüber hinaus, ob es noch andere Bereiche für die Reisebüro-Inhaberinnen gebe, mit denen sie sich über Wasser halten könnten. „Wir könnten beispielsweise Reise-Utensilien, wie Koffer, anbieten. Allerdings gibt es bei uns in Weyhe schon ein Geschäft, das solche Produkte verkauft und wir wollen niemanden etwas kaputt machen. Außerdem bot uns die Bank an, hier einen Automaten aufzustellen. Dafür müsste allerdings unser gerade erst erneuerter Fußboden zerstört werden. Im schlimmsten Fall wird dann auch noch eingebrochen“, erklärte die Unternehmerin, die gemeinsam mit Tanja Gerlach bereits an Demonstrationen teilgenommen hat, um auf die prekäre Lage aufmerksam zu machen.

Das Mutter-Tochter-Gespann vom Reisebüro Gerlach möchte auf jeden Fall bereit sein, wenn die Krise überstanden ist. „Wir wollen uns neu aufstellen. Unsere Funktion als Berater wird immer aufwendiger. Deswegen nehmen wir aktuell an einer Unternehmensberatung teil“, verrät Tanja Gerlach, die schon bald das Reisebüro in Weyhe übernehmen soll.

Der CDU-Politiker zeigte sich gegenüber den Problemen der Branche verständnisvoll. Seiner Meinung nach sollte die Regierung mit der Verhängung eines Lockdowns einzelner Branchen auch direkt Hilfen mitliefern. „Immer da, wo die Politik reguliert, fällt hinten ein anderer herunter, obwohl man eigentlich helfen wollte.“ Zudem appellierte der Abgeordnete an die Reisebüro-Inhaberinnen, alle Details aufzuschreiben und ihm zukommen zu lassen. „Schütten Sie uns mit Details zu, dann tragen wir alles zusammen und so verhärtet sich der Eindruck von einem Defizit immer weiter“, sagte er.

Von Nala Harries

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