Anfänger-Schwimmkurse für Erwachsene finden noch immer Zuspruch

„Gemeinsam Stück für Stück die Angst aufessen“

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Weyhe - Von Julia Kreykenbohm. Es wird wärmer und so manch einer träumt schon vom Sommer, von Tagen am See, Strand oder im Freibad. Ausgelassen planschen, schwimmen, tauchen: für viele der Inbegriff von Freizeitvergnügen. Anderen entfährt bei diesen Bildern nur ein bedauernder Seufzer oder ein ungutes Gefühl macht sich breit. Denn sie wissen, sie werden wieder nur Zuschauer am Beckenrand oder Ufer sein, ihren Kinder oder Enkeln bloß zuwinken können – weil sie nicht schwimmen können.

Erwachsene Nichtschwimmer gibt es mehr als man denkt, weiß Dieter Menzel, Mitbegründer der Ortsgruppe Weyhe der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG). Einen Mangel an Nachfragen für die Anfänger-Schwimmkurse für Erwachsene habe er nie erlebt, auch wenn die Zahlen zurückgegangen seien.

„Als wir vor 40 Jahren die ersten Erwachsenen-Kurse angeboten haben, meldeten sich spontan knapp 40 Leute. Heute sind es im Schnitt immer zehn pro Kurs.“ Es seien damals alles Menschen um die 30 Jahre gewesen, die vor allem in der Landwirtschaft gearbeitet hätten. „Die standen im Sommer auf den Feldern und hatten keine Zeit, schwimmen zu gehen.“

Die heutigen Nichtschwimmer haben es als Kinder nicht gelernt, weil beispielsweise die Eltern keinen Wert darauf legten, oder sie haben traumatische Erfahrungen mit dem nassen Element gesammelt, seien mal hineingeworfen worden oder fast ertrunken.

Der Bedarf war also bereits bei der Gründung der Ortsgruppe vorhanden und so bot diese neben den Kinder-Kursen auch immer welche für die Erwachsenen an. Die Gründe, warum diese sich dazu entschlossen, doch noch schwimmen zu lernen, seien vielfältig. „Meistens taten sie es für ihre Kinder oder Enkel. Die Leute wollten mit ihnen im Wasser toben und nicht nur zusehen“, berichtet Menzel. Wieder andere hatten einfach den Wunsch, dieses Versäumnis nachzuholen.

Doch worin unterscheiden sich junge von alten Schwimmanfängern? „Die Erwachsenen wollen es mehr als die Kinder – aber ihre Angst ist viel größer“, weiß Bernd Klöker von der DLRG. Er und die anderen Trainer sind deswegen oft Schwimmlehrer, Animateure und manchmal auch ein bisschen Therapeuten in einem. Mit viel Fingerspitzengefühl, Geduld und Humor wollen sie der Furcht vor dem Wasser zu Leibe rücken. „Die ist oft wie ein großer Berg, der am Anfang unüberwindbar scheint. Und mit jeder Übungsstunde essen wir gemeinsam ein Stück davon auf“, umschreibt es Bernd Klöker und schmunzelt.

Dazu gehört zunächst eine angenehme Atmosphäre und ein freundschaftliches Miteinander von Leitern und Teilnehmern. Dann beginnt die Wassergewöhnung. Man sitzt am Rand und planscht mit den Füßen, man steigt in das Becken, geht ein bisschen umher und spielt Spiele. Erst im Becken in Kirchweyhe, das nur 1,30 Meter tief ist, danach geht es in das Bad nach Barrien mit seinen zwei Metern Tiefe. Sie üben, den Kopf unter Wasser zu halten, das Tauchen und – ganz wichtig – den Sprung vom Startblock oder Brett. „Damit wird quasi eine Notsituation simuliert“, erläutert Klöker. Man stürzt ins Wasser und muss in der Lage sein, es aus eigener Kraft ans Ufer zu schaffen.

Ganz wichtig sei der Spaß, denn nur wer motiviert ist und sich wohl fühlt, bleibt am Ball. „Wenn wir es schaffen, dass die Leute die ersten zwei Male kommen, ziehen sie den Kurs auch durch“, so Klöker. Die Abbrecher-Quote sei gering.

Ein Kursus besteht aus etwa zehn Einheiten. Die Teilnehmer seien zwischen 30 und 70 Jahren. „Wir hatten aber auch schon mal eine 87-Jährige, die lernte das Schwimmen innerhalb einer Saison und machte am Ende den Sprung vom Ein-Meter-Brett. „Bis sie 94 war, kam sie jeden Tag, um zu schwimmen“, erinnert sich Klöker. Die Seniorin ist übrigens kein Einzelfall. Diejenigen, die den Kurs absolviert haben, mutieren durch dieses Erfolgserlebnis oft zu richtigen „Wasserratten“.

Die Freude der Teilnehmer, wenn sie ihre Angst überwunden haben und selbsständig durch das Becken schwimmen, macht Klöker und seine Mitstreiter immer wieder stolz und auch den Reiz ihrer Arbeit aus. Ihre Schützlinge kommen aus dem gesamten Landkreis, aber auch aus Verden. „Das zeigt, dass der Bedarf an Erwachsenen-Schwimmkursen da ist und es nur wenig Angebote gibt“, fasst Menzel zusammen. Er vermutet, dass viele Vereine darauf verzichten, da der Aufwand bei Erwachsenen höher liegt.

Vielleicht ein Fehler. Bernd Klöker glaubt, dass die Zahlen an erwachsenen Nichtschwimmern in Zukunft steigen werden. „Nachdem jahrelang fast jedes Kind zum Schulbeginn schwimmen konnte, werden nun überall die Bäder geschlossen und auch im Sportunterricht steht es längst nicht mehr auf dem Stundenplan jeder Schule.“

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