Werben um Senioren und Ehrenamtliche

Quartiersmanager wollen gemeinsam Lethargie in Weyhes Nachbarschaft bekämpfen

Christin Brümmer und Jürgen Hermann.
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Wir im Quartier: Quartiersmanagerin Christin Brümmer von Pro Dem und Ehrenamtler Jürgen Hermann.

Lethargie bekämpfen: Das wollen Jürgen Hermann und Christin Brümmer. Die Quartiersmanager wollen Menschen aus der Nachbarschaft erreichen, die sich im Zuge der Coronamaßnahmen zurückgezogen haben. Auf dem Plan: Gemeinsame Treffen, Hilfe durch Auskunft und Nachbarn zusammenbringen.

Weyhe – Als habe sich eine Schicht Staub über die Gesellschaft gelegt. Jürgen Hermann, Ehrenamtlicher und Mitbegründer des Quartiersmanagements aus Kirchweyhe, will Menschen aus der Weyher Nachbarschaft erreichen, die sich im Zuge der Coronamaßnahmen zurückgezogen haben: vor allem junge und ältere Senioren. Er sucht aber auch zuverlässige Personen, die sich als Ansprechpartner im Quartier engagieren wollen. Die hauptamtliche Quartiersmanagerin Christin Brümmer vom Verein Pro Dem pflichtet ihm bei: „Wir reichen die Hände und entweder es wird angenommen oder nicht.“

Bei den Nachbarschaftstreffen gehe es um das Zusammenkommen, die Ansprechpartner helfen aber auch bei Anträgen. „Jedoch“, sagt Hermann, „wir sind ein Club von Senioren ab 60/65 Jahren“. Wichtig ist ihm, „jeder kann kommen und gehen, wann er will“, betont der Rentner. Dabei stehe auch der Senioren- und Pflegestützpunkt Pro Dem als regionale Alzheimergesellschaft allen Bürgern offen. Doch niemand müsse sich verpflichten, so Herman, und jeder entscheide selbst, wie viel Zeit er einbringen möchte.

Gemeinsame Aktivitäten auf dem Programm

Die ehrenamtlichen Ansprechpartner in den Treffpunkten organisieren zusammen mit Quartiersmanagerin Brümmer Aktivitäten. So seien Vorträge geplant und demnächst ein Verkehrslehrgang. Beispielsweise werde ein Fahrlehrer über wichtige Änderungen bei Verkehrsregeln berichten. In der Vergangenheit habe es zudem ein Rollator-Training gegeben. Wie stelle ich das Gerät richtig ein, worauf müsse man achten? „Hilfe durch Auskunft“, nennt Brümmer das. Beliebt seien auch Ausflüge. Die Senioren könnten selbst Ideen vorschlagen.

Es hätten sich sogar Nachbarn im Quartier getroffen, die zwar nebeneinander wohnten, aber erst dort das Eis brachen, freut sich Brümmer zu berichten. Es gebe nur zwei Regeln beim Quartiersmanagement: „Wir hauen uns nicht politisch“, sagt Hermann, und sie seien nicht religiös. Brümmer ergänzt: „Wir sind ein neutraler Treffpunkt.“

Wir reichen die Hände und entweder es wird angenommen oder nicht.

Christin Brümmer, Quartiersmanagerin

Die regelmäßigen Nachbarschaftstreffen bieten auch nicht so mobilen Senioren die Möglichkeit, am nachbarschaftlichen Leben teilzunehmen. Dann organisiere der Verein Mitfahrgelegenheiten zu den Treffen.

Doch Corona habe die Arbeit der Ansprechpartner und Quartiersmanagerin erschwert – eineinhalb Jahre dauerte die Schließung. Die Zeit während der verordneten Schließungen sei für die Arbeit der Treffpunkte verheerend gewesen. „Die Leute blieben weg, richteten sich zu Hause ein“, sagt Hermann. Um das zu ändern, will er nun die Leute aufrütteln, wieder rausholen. „In jeder der Ortschaften brauchen wir dafür mehr Ehrenamtliche“, wünscht sich Brümmer. Besonders in Erichshof „brennt die Hütte“.

Ehrenamtler zur Unterstützung gesucht

Von zukünftigen Ehrenamtlichen erwarten Brümmer und Hermann „Leute, die etwas zurückgeben wollen“. Außerdem müssten Interessierte laut und deutlich mit den Senioren sprechen können. „Doch daran gewöhnt man sich schnell“, sagt Brümmer, die das bereits beherrscht.

Das Quartiersmanagement für Weyhe und Stuhr hat Jürgen Hermann damals zusammen mit dem heutigen Landrat Cord Bockhop und Dr. Eberhard Hesse nach zweijähriger Planung im November 2010 auf die Beine gestellt. Das erste Nachbarschaftsquartier startete in Lahausen und 2017 kam das neunte und vorerst letzte in Kirchweyhe hinzu. „Wenn man etwas gut macht, bekommt man nix gesagt“, resümiert Hermann, „aber wenn man etwas schlecht macht, bekommt man es sofort gesagt“. Trotz anfänglicher Widrigkeiten ist Hermann, der den Menschen einfach nur helfen will, stolz auf das Erreichte.

„Hauptsache, dass niemand auf die Idee kommt, wieder alles zuzumachen“, erklärt Brümmer. Sie seien gerade auf einem guten Weg. Ihre Hoffnung ruht nun darauf, dass die Menschen nach Corona wieder zusammenkommen. Hermann selbst will noch lange als Ansprechperson im Quartier tätig bleiben. „So lange eben die Füße tragen“, scherzt der Rentner.

Wo melde ich mich an?

Wer sich als Ansprechpartner engagieren möchte oder als Senior teilnehmen möchte, kann sich beim Verein Pro Dem unter Telefon 0421 / 8983344 oder per E-Mail an info@prodem-stuhr-weyhe.de zu den kostenlosen Treffen anmelden.Nachbarschaftstreffen gibt es in folgenden Ortsteilen:

• Quartier Ahausen

• Quartier Dreyhe

• Quartier Lahausen

• Quartier Jeebeler Fuhren

• Quartier Melchiorshausen

• Quartier Sudweyhe

• Quartier Erichshof

• Quartier Leeste

• Quartier Kirchweyhe

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