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Kirchweyhe „stellvertretend für so manches Dorf in Deutschland“

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Von: Sigi Schritt

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Buchautor Wilfried Meyer kennt Weyhe seit vielen Jahren und erläutert, weshalb die Entwicklung der Wesergemeinde in manchen Bereichen stellvertretend für andere Orte in Deutschland ist.
Buchautor Wilfried Meyer kennt Weyhe seit vielen Jahren und erläutert, weshalb die Entwicklung der Wesergemeinde in manchen Bereichen stellvertretend für andere Orte in Deutschland ist. © Sigi Schritt

Der Gemeindearchivar Wilfried Meyer aus Melchiorshausen stellt rund um Bremen die gleiche Entwicklung fest, die bei einigen Zeitgenossen Kritik verursacht.

Weyhe – Ob in Weyhe, Stuhr, Achim oder Ritterhude – typische Häuseransichten der früheren Ortschaften sind laut Meyer verschwunden. Für so manchen Kritiker seien die neuen Wohngebiete und Areale in den Kommunen nicht mehr klar einer Ortschaft erkennbar zuzuordnen.

Ortsbild in Weyhe hat sich im Laufe der Jahrzehnte verändert

Der Gemeindearchivar Wilfried Meyer will Donnerstagabend im Livestream der Leester Kirchengemeinde Antworten geben und Hintergründe am Beispiel von Kirchweyhe erläutern, wie sich das Ortsbild im Laufe der Jahrzehnte verändert hat. Kirchweyhe stehe „stellvertretend für so manches Dorf in Deutschland“, so Wilfried Meyer.

Ältere Menschen reiben sich verwundert die Augen

Gerade ältere Menschen, die in Weyhe groß geworden sind, reiben sich möglicherweise verwundert die Augen. Der Nachbar stirbt, die Kinder verkaufen das Haus samt großzügigem Grundstück, und dann entsteht auf jenem Areal ein Mehrparteienhaus. Dadurch verändere sich die Struktur der Nachbarschaft, so Meyer. Die Folge: Weyhe, aber auch andere Gemeinden „werden anonymer“.

Wohnen in Weyhe „sehr attraktiv“: Quadratmeterpreis teilweise über 500 Euro

Dabei sind Weyhe und auch der Ortsteil Kirchweyhe sehr attraktiv, sagt Meyer. Wer in die Wesergemeinde ziehen will oder bereits dort wohnt, schätze die Infrastruktur mit den vielfältigen Bildungsangeboten oder den sportlichen und kulturellen Möglichkeiten, sagt Meyer. Das spiegle sich in den Baulandpreisen wieder. Für einen Quadratmeter müsse man 500 Euro und auch mehr ausgeben.

Problem: „Ein Privatmann kann sich ein normales Wohnhaus nicht leisten“

„Ein Privatmann kann sich ein normales Wohnhaus nicht leisten“, sagt Meyer. Deshalb kauft ein Unternehmen ein freies Grundstück und entwickelt es zu einem Haus mit zwölf Wohneinheiten. „Die Nachfrage ist sehr hoch.“ Das Haus sei noch nicht einmal gebaut und werde bereits verkauft oder vermietet. „Das ist eine der Erklärungen für die optische Veränderung der Ortschaft.“

Der 79-Jährige hat mehrere Jahrzehnte genau hingeschaut, wie aus den ursprünglichen Gemeinden Kirchweyhe, Sudweyhe und Leeste im Jahr 1974 die Gemeinde Weyhe wurde und sich 1976 per Ratsbeschluss die neun Ortsteile entwickelten.

Große Veränderungen schon vor 100 Jahren

Vor mehr als 100 Jahren habe sich Kirchweyhe schon mal verändert. Das alte Dorf an der Kirche sei bäuerlich geprägt gewesen und hatte Konkurrenz durch die Eisenbahn bekommen. Auf der Strecke Osnabrück-Bremen entstanden nicht nur der Bahnhof in Kirchweyhe, sondern auch neue Siedlungen – etwa am Moordamm, am Richtweg und Papenkamp. „Die Bauern fanden die neue Entwicklung nicht gerade gut, haben aber ihre Ländereien verkauft.“ Welche Motivation dahintersteckte? So mancher Bauer habe sich benötigte Gerätschaften geleistet oder auch das Dach neu eingedeckt.

Die auf den ehemaligen Flächen der Bauern entstandenen Einzelhäuser seien in die Jahre gekommen – eine energetische Sanierung sei finanziell zu aufwendig. „Da ist Abriss und Neubau billiger“, so Meyer.

Auch wenn es das alte Dorf nicht mehr gibt, Wilfried Meyer sammle Bilder und befrage Zeitzeugen. „Wie hat die Straße mal ausgesehen? Wie hat sich die Straße verändert?“, sind Fragen, die Meyer stellt. Außerdem will er die Geschichten hinter den Fotos erzählen. Der Livestream beginnt ab 20.45 Uhr auf der Facebook-Seite der Kirchengemeinde Leeste. Er könne auch noch später abgerufen werden. Pastor Holger Hiepler wird das Interview führen.

Weitere Infos:

www.facebook.com/KircheLeeste/live

Von Sigi Schritt

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