Schilder für Kriegsdenkmäler

Gemeinde will „Heldenkult“ mit Tafeln einordnen

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Stabile Schilder geben Informationen zum Mahnmal und zu den Kunstwerken auf dem Platz vor dem Rathaus.

Weyhe - Von Sigi Schritt. Heldenverehrung ist nicht die Sache der Gemeinde. Das hat Bürgermeister Andreas Bovenschulte gestern im Rathaus deutlich gemacht. Doch genau das tun aber Kriegsdenkmäler in der Wesergemeinde. Es geht beim „Heldenkult“ laut Verwaltungschef nicht nur um die Inschriften, sondern auch um die Symbole. Sie seien erklärungsbedürftig und müssten „historisch-kritisch eingeordnet“ werden, so der Verwaltungschef. Der Gemeindehistoriker Hermann Greve hat zu diesem Zweck Informationen und Bilder zusammengetragen.

Fünf Schilder sind bereits fertig – sie zeigen nicht nur Bilder von den Objekten, sondern beinhalten auch viel Text, so Greve. Die Gemeinde habe bewusst auf einen sogenannten QR-Code verzichtet. Es geht nicht darum, die Erklärungen im Internet zu suchen, sondern die Betrachter sollten sich die Zeit nehmen, um sich mit den Inhalten auseinanderzusetzen.

Das erste Schild befindet sich bereits auf dem Rathausplatz, in der Nähe des Mahnmals für die Opfer von Terror und Gewalt in Weyhe in der Zeit von 1933 bis 1945 mit dem Titel „Gegen das Vergessen“. Es thematisiert die Hintergründe zum Werk des Bildhauers Thomas Recker.

Der Tafeltext geht aber auch auf die Skulptur der Metallkünstler Elsa Töbelmann und Henning Greve ein, die ihr Werk „Füllhorn“ genannt haben.

Dass selbst Bäume ihre Bedeutung haben, verraten unter anderem die neuen kleineren Schilder im Postkartenformat. Auch sie befinden sich auf dem Grünstreifen vor dem Rathaus. Wer sich näher mit den Erklärungen befasst, bekommt mit, dass es in Weyhe Friedensbäume gibt. „Zwei stehen eben vor dem Rathaus, ein weiterer befindet sich vor der Felicianuskirche“, sagt der Gemeindearchivar. Die größte und prächtigste Eiche ist laut Greve ein solcher Friedensbaum. Damit solche Hintergründe nicht in Vergessenheit geraten, sei es ihm ein Bedürfnis, die Bevölkerung zu informieren.

Neue Tafel an Kirchweyher Kirche geplant

In Kürze soll vor dem Haupteingang der Kirchweyher Kirche eine weitere Tafel angebracht werden. Sie liefert nähere Erklärungen zum 1922 eingeweihten Kriegerdenkmal des Ersten Weltkriegs. Der von Hermann Greve verfasste Text geht weiterhin darauf ein, dass nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs alle Versuche gescheitert waren, in Kirchweyhe im öffentlichen Raum ein Mahnmal für die Toten und Vermissten zu errichten. Zumindest für die evangelische Kirchengemeinde Weyhe hatte das Gotteshaus diese Funktion übernommen.

Wer weiß schon, dass es auf dem Leester Friedhof 106 Gräber gibt, in denen die Gebeine beispielsweise von Menschen aus Russland, Holland und Jugoslawien begraben worden sind? fragt Greve. Er kenne die verschiedenen Schicksale der bestatteten Personen. „Wir haben Korrespondenz dazu“, so Greve. Die sterblichen Überreste kamen seinen Recherchen zufolge aus dem gesamten Altkreis Grafschaft Hoya zu dieser Sammelstelle. 26 Gräber gibt es in Kirchweyhe. Auch dazu werden Infotafeln aufgestellt.

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