Gemeinde will Areal zwischen Waldkater und Böttchers Moor aufforsten

Elf Hektar mit neuen Bäumen als Kompensationsfläche

Zukunftsmusik: Bäume bis zum Waldkater. Um das zu ermöglichen, muss ein Landwirt seine Fläche tauschen. - Foto: Schritt

Weyhe - Von Sigi Schritt. Die Gemeindeverwaltung will in Melchiorshausen elf Hektar neuen Wald wachsen lassen. Baudirektor Steffen Nadrowski hat das Projekt am Dienstagabend im Bauausschuss als „Sparbuch für die Umwelt“ bezeichnet. Denn das ermögliche mehrere Jahre eine Flexibilität bei der schnellen Genehmigung von Bauvorhaben, wenn es darum geht, Flächen an anderer Stelle zu versiegeln. Zunächst reihte sich Manfred Böcker vom Naturschutzbund in die Lobeshymnen der Fraktionen ein, fand aber auch kritische Worte.

Zur Erinnerung: Die Gemeinde hatte in der Leester Marsch Flächen aufgewertet, die als Kompensationspool dienen. Doch die aber sind laut Nadowski „aufgebraucht“. Da der Gemeinde in Melchiorshausen eine Ackerfläche gehört, will sie auf ihrem Grund aufforsten. Damit der Waldkater mit dem Böttchers Moor verbunden werden kann, muss die Gemeinde allerdings noch eine Fläche mit dem Eigentümer eines Nachbargrundstücks – schlicht um schlicht – tauschen.

Mehr Wald für Melchiorshausen: Der Umweltbeauftragte Ulf Panten erläutert, wie eine gemeindeeigene Ackerfläche für 60.000 Euro aufgeforstet werden kann. - Foto: Schritt

Der Umweltbeauftragte und Forstingenieur Ulf Panten erläuterte, dass dort verschiedene Baumarten – sogar Obstgehölze – geplant sind. Neben Sträuchern ist auch eine geschützte Brachfläche für Fasane und Kleinnager vorgesehen. Die Kosten in Höhe von 60 .00 Euro würden auf vier Jahre gestreckt, rechnete Steffen Nadrowski vor. Das Geld würde die Gemeinde jedoch zu einem späteren Zeitpunkt wieder bei den Bauwilligen einnehmen – durch einen städtebaulichen Vertrag. Außerdem sollen bei diesem Projekt Schüler, die sich mit Naturthemen beschäftigen, eingebunden werden.

„Der Gemeinde ist ein planerischer Coup gelungen, zumal auch Schulen eingebunden werden“, befand Ingrid Söfty (CDU). Auch Günther Borchers (FDP) befürwortete das Projekt, zumal Weyhe die waldärmste Gemeinde im Kreis sei. „Unsere Fraktion findet das Vorhaben ganz toll“, wertete auch Berthold Groeneveld (SPD).

Zunächst lobte auch der Nabu-Vertreter Böcker das Naturschutzprojekt, doch er witterte einen „Pferdefuß“: Es geht laut dem früheren Ratsherrn nicht wirklich um Naturschutz, sondern um eine Kalkulation und eine Notwendigkeit, „gesetzliche Voraussetzungen zu schaffen, um woandes massiv einzugreifen“. Böcker glaubt, dass dieses Projekt der Startschuss sei, um das Gewerbegebiet Dreye-West III zu erweitern, zumal die Gemeinde für das Aufforstungsprojekt auf mögliche Drittmittel in Höhe von 80 Prozent verzichtet habe.

Er holte weit aus, erinnerte an die Rio-Konferenz im Jahr 2000 und die Gründung der lokalen Agenda-Gruppen und merkte an, dass Dreye-West III dubios in der Ochtum-Niederung entstanden sei. Im weiteren Verlauf ließ Böcker Begriffe wie „Artenschwund“, „Bodenzerstörung“ und „Grundwasservergiftung“ fallen. Weil das andernorts so sei, müsse die Gemeinde viel mehr gegensteuern. „Überall versuchen wir uns zu verbessern, nur nicht im ökologischen Bereich.“

Beim Waldprojekt in Melchiorshausen, so Böcker, würden Schüler wegen des Nullsummenspiels hinters Licht geführt.

Es gebe keinen guten oder schlechten Wald, nur Wald, entgegnete Nadrowski. Schüler seien auch keine Helfershelfer, um Dreye-West III auszubauen, äußerte sich Frank Seidel (SPD). Annika Bruck von den Grünen könne viele der Nabu-Kritikpunkte unterschreiben, auch beim Gewerbegebiet Dreye-West III habe sie Bauchschmerzen. „Doch Ausgleichsflächen müssen wir nun mal schaffen.“ Sie erinnerte die sieben Zuschauer und die Ausschussmitglieder daran, dass Bauprojekte wie etwa zum Ortskern oder zum neuen Feuerwehrhaus auch keine Schmerzen bereiten würden. Als Mutter von vier Kindern sehe sie das zur Diskussion stehende Projekt nicht als kritisch an. Auch würden Schüler nicht hinters Licht geführt. Sie wisse aber, was schlimm ist und machte ein anderes Fass auf: Wenn die Eltern ihren Nachwuchs direkt vor das Schulgebäude fahren.

Die Kritk am „ökologischen Vorzeigeprojekt“ konnte Bürgermeister Andreas Bovenschulte nicht verstehen. Er erklärte, dass sich die Gemeinde weiterentwickeln müsse. Dazu seien grundsätzlich Ausweisungen von Wohn- und Gewerbeflächen notwendig. Die Verwaltung stehe hinter dem Konzept, einen Acker zu einem Waldgrundstück umzuwandeln. „Wir können damit nicht alle Probleme der Welt lösen.“

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