Gemeinde auf steter Immobiliensuche

„Stoßen langsam an Grenzen“

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Flüchtlinge auf der griechischen Insel Kos.

Weyhe - Von Philipp Köster. In Syke sind die Kapazitätsgrenzen erreicht, was die Unterbringung von Flüchtlingen angeht (wir berichteten). Wie sieht es in Weyhe aus?

Ganz so dramatisch wie in der Hachestadt ist es weiter nördlich noch nicht, aber „wir stoßen auch langsam an unsere Grenzen, was die Betreuung, die Bearbeitung der Fälle und auch den Wohnraum anbelangt“, sagt Udo Petersohn vom zuständigen Fachdienst Ordnung und Soziales des Rathauses.

Vergangenen Dienstag habe die Kommune 20 von 90 Flüchtlingen unterbringen müssen, die dem Landkreis von den insgesamt 3000 dem Land Niedersachsen zugeteilten Hilfesuchenden zugewiesen worden waren. Einen Tag später kamen noch einmal sieben Menschen aus den Erstaufnahmestellen an. Bis Ende September müsse zudem eine Quote erfüllt werden, nach der 30 Migranten in Weyhe eine Bleibe gewährt werden müsse. „Dann sind wir aber auch ausgelutscht“, sagt Petersohn.

Die Gemeinde kaufe und miete Objekte an, restauriere sie zum Teil. Das ist ein stetiger Prozess, zumal es ab Oktober eine neue Zuteilungsquote gebe. „Wir suchen nach allem, was irgendwie geeignet ist.“ Der Landkreis zeige sich inzwischen flexibel, was die baurechtlichen Vorgaben für die Nutzung gewerblicher Objekte für die Unterbringung angehe. Turnhallen und Zeltstädte möchte Petersohn vermeiden, allenfalls Mobilbauten kämen infrage.

Wenn jemand der Gemeinde ein Haus anbietet und die Verwaltung dann über Kauf oder Miete nachdenkt, geht sie in Anliegerversammlungen immer rasch auf die Bürger zu, um Ängste zu zerstreuen. „Die Leute kommen mit großen Bedenken und gehen zumeist gelassen wieder nach Hause.“ Manche erklärten sich sogar dazu bereit, als ehrenamtliche Familienpaten zu fungieren. 60 Betreuer kümmern sich um die Flüchtlinge. „Das ist eine tolle Quote.“ Am 15. September beginnt ein neuer Kurs zum Asylbegleiter, der allerdings schon ausgebucht ist. Wer darüber hinaus Interesse an einer Betreuung hat, melde sich bei Udo Petersohn. Eine Zuteilung erfolge dann nicht unbedingt sofort, „sondern wir schauen, dass es auch passt. Und manche Flüchtlinge wollen auch nicht betreut werden“.

Die Kommune habe keinen Einfluss darauf, wer komme, ob Einzelpersonen oder Familien, ob aus Bürgerkriegsgebieten wie Irak oder Syrien oder sogenannten sicheren Drittstaaten. Bei den Erstaufnahmen herrsche inzwischen ein solcher Arbeitsstau, dass dort nicht entschieden werden könne, ob jemand wieder in die Heimat geschickt wird. Vielmehr würden die Menschen sofort auf die Gemeinden verteilt.

Ein weiteres Problem ist dem Verwaltungsmitarbeiter zufolge, dass mit einer offiziellen Anerkennung als Flüchtling rein rechnerisch wieder Plätze frei werden. „Die siebenköpfige Familie aus dem Irak oder Syrien macht mir aber nicht sofort die Unterkunft frei.“ Sie müsse sich erst auf dem Wohnungsmarkt eine neue Bleibe suchen, was dauern könne.

• Wer ein geeignetes Haus verkaufen oder vermieten möchte, kann sich ebenso mit Udo Petersohn unter Telefon 04203/71120 in Verbindung setzen wie jemand, der als Betreuer aktiv werden will.

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