Planungen für Alternativareal laufen an

Gemeinde prüft GS-Agri-Standort an der Grenze zu Ristedt

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Links von der Ristedter Straße, die auf dem Bild nach oben Richtung Waldkater-Kreuzung führt, befindet sich eine Getreidefläche, die die Gemeinde erworben hat. Politik und Verwaltung möchten, dass GS Agri von Leeste an diese Stelle zieht.

Melchiorshausen - Von Sigi Schritt. „Erst wenn GS Agri die Baugenehmigung erhält, um tatsächlich an der Ristedter Straße ihre Getreideannahmestelle zu errichten, sind wir zufrieden“, sagt Dieter Höft, Sprecher der Bürgerinitiative Melchiorshausen.

Die Signale dafür, dass sein bereits im März gegenüber dieser Zeitung geäußerter Vorschlag umgesetzt wird, stehen seit Dienstagabend auf Grün: Der Bauausschuss hat einstimmig einen entsprechenden Aufstellungsbeschluss gefasst. Damit erhält das Rathaus den Auftrag, die entsprechenden Planungen einzuleiten, um GS Agri an der Südgrenze anzusiedeln.

Vor 70 Zuhörern hat Ulrike Schneider vom Oldenburger P3-Planungsbüro erläutert, dass das ursprünglich an der Bundesstraße 6 avisierte Areal umgrenzt von Kuhweg und Melchiorshauser Straße zwar grundsätzlich geeignet sei, um den Betrieb aus dem Leester Zentrum herauszuholen.

Verschlechterung der Verkehrsqualität

Im Ratssaal sind alle Zuschauersitze belegt. Viele Zuhörer müssen auf die Empore ausweichen.

Aber das ergebnisoffene Verfahren zeige, dass diese Lösung – insbesondere aus verkehrlicher Sicht – keine gute Note verdiene. Zwingend müssten an der B 6 große Abbiegespuren gebaut werden. Die Verkehrsqualität verschlechtere sich, warnte Schneider. In diesem Zusammenhang käme die Gemeinde nicht darum herum, Bäume fällen zu lassen. Unterm Strich würden – allein für diese Maßnahme – Kosten in Höhe von 600.000 Euro entstehen, hieß es am Rande der Sitzung.

Mit dieser ungünstigen B6-Zuwegung hätte man nach Darstellung der Planerin einerseits die GS-Agri-Fläche ansteuern können (Platzbedarf: 1,5 Hektar Betriebsfläche), andererseits auch weitere Gewerbebetriebe in dem 11,5 Hektar umfassenden Gebiet. Dort, gegenüber dem Handwerkerhof I, soll ein zweiter entstehen. An diesen Planungen halten Politik und Gemeinde fest. Konkrete Anfragen für diesen Standort gibt es laut Fachbereichsleiter Steffen Nadrowski nicht – nur generelle Anfragen.

Gutachter gibt Alternative zur Anbindung

Die Gutachter hatten für das GS-Agri-Areal an der B 6 im Rahmen des Handwerkerhof-II-Gebietes noch eine weitere verkehrliche Anbindung als Alternative ins Spiel gebracht: eine zwischen der Blumenmanufaktur Diana Christen und der Gaststätte Waldkater zu bauende Erschließungsstraße. 

Der Haken: Um dies zu verwirklichen, müsste die Gemeinde die notwendigen Flächen erwerben. Die Verwaltung will zumindest den Handwerkerhof II mit dieser neuen Erschließungsstraße anbinden, man habe keinen Handlungsdruck, da sich GS Agri dort nicht mehr ansiedeln wird.

Zuhörer German Nath (rechts) aus Melchiorshausen wohnt im Kibitzweg. Er kann mit der Ansiedlung von GS Agri an der Ristedter Grenze gut leben.

Die Planerin Ulrike Schneider machte deutlich, dass der von der Bürgerinitiative ins Spiel gebrachte neue Standort an der Südgrenze Vorteile habe, zumal die Getreideanlieferungen hauptsächlich aus Richtung Syke kämen. Eine Zuschauerin wollte wissen, ob der neue Standort überhaupt verfügbar sei. 

Der Bürgermeister erwiderte mit einem „Ja“. Die Verwaltung hatte ihre Hausaufgaben erledigt und sich die Fläche vorsichtshalber gesichert. Ehemalige Melchiorshauser hatten der Gemeinde eine 33 000 Quadratmeter große Ackerfläche an der Ristedter Straße angeboten, die sich in der Nähe der Ristedter Strommasten und Windkraftanlagen befindet.

Was ist mit den Bodenverhältnissen?

Obgleich Bürgermeister, Planerin und Verwaltungsmitarbeiter viele Fragen der Zuhörer ausführlich beantworteten, bleibt Dieter Höft skeptisch. „Wie sind die Bodenverhältnisse?“, will er für den Standort an der Grenze wissen. Was ist, wenn eine nachgebende Torf-Schicht der Errichtung von Silos entgegenstünde?

Am Rande der Sitzung beruhigte Verwaltungsmitarbeiter Christian Silberhorn: Eine Torf-Linse ist für einen normalen Hausbau unproblematisch, allerdings kritisch bei einer Punktbelastung durch ein Silo. Aber GS Agri benötige „nur“ etwa 15.000 Quadratmeter. Deshalb könnte man die Lage der Silos durchaus variieren.

Gemeinde will Grundstück teilweise behalten

Die Gemeinde will laut Bürgermeister Andreas Bovenschulte den größten Teil des gekauften Grundstücks behalten, damit es einen grünen Mantel erhält. Insgesamt sollen insgesamt mehr als 100 Bäume gepflanzt werden. Möglicherweise entsteht im Biotop-Gürtel um das Gelände auch ein See, in den Regenwasser eingeleitet werden kann.

Nach etwa zwei Stunden unterbrach Ausschussvorsitzende Katrin Kurtz die Sitzung. Bürgermeister Andreas Bovenschulte nimmt sich die Zeit, um die letzten Fragen zu beanworten.

Frank Seidel (SPD) ermunterte die Bürger, sich bei den Planungen weiter intensiv zu beteiligen. „Die Änderungen und Anregungen diskutieren wir offen“, kündigte Ingrid Söfty (CDU) an. Für eine behutsame Entwicklung des Handwerkerhofs II plädierte Antje Sengstake (FDP), die die sanften Wiesen als schützenswert erachtet. 

Wie die Mitglieder der Fraktionen und zahlreiche Zuschauer äußerte sich auch Ulrike Buck vom Nabu zum Alternativvorschlag positiv. Buck plädierte dafür, bei den Planungen für den Handwerkerhof II das Otten Moor besonders ins Augenmerk zu fassen. „Dort leben viele Tiere“, begründete sie den Vorschlag. Im Flächennutzungsplan sei ein Landschaftsschutzgebiet explizit ausgewiesen. Daran erinnerte auch Annika Bruck von den Grünen, die GS Agri von der B6 fernhalten will.

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