Schulkompaktsanierung 

Die „geheimen“ Kammern der Leester KGS

Dieser Chemie-Hörsaal ist nach der Kompaktsanierung Geschichte. Auf den Klapp-Holzsitzen nehmen noch einmal Platz: Schuldirektor Rainer Patzelt (rechts) sowie der zuständige Fachbereichsleiter der Gemeinde, Fabian von Weyhe. - Foto: Ehlers

Leeste - Jahrzehnten in der KGS Leeste am Raum 139 vorbei gegangen – die wenigsten waren jedoch drin. Die meisten von ihnen wussten noch nicht einmal, welcher kleine Schatz lange Zeit hinter den Wänden des Kleinen Forums verborgen war, weil nur eine kleine Schar Zutritt hatte. Der Architekt hatte damals eine Dunkelkammer vorgesehen. Im Rahmen der nun anstehenden Kompaktsanierung ist solch eine Einrichtung nicht mehr erforderlich, so Schulleiter Rainer Patzelt.

Analoge Fotografie und damit verbunden die Herstellung von Bildern durch das Entwickeln von Negativen und die Vergrößerung der Motive auf Fotopapier sei nicht mehr in den Lehrplänen vorgesehen, begründet Patzelt. Vorerst existiert der Raum allerdings noch: In dieser zweigeteilten etwa 25 Quadratmeter großen fensterlosen Dunkelkammer parkt längst eine Maschine zur Pflege des noch vorhandenen Flurfußbodens aus Steinfliesen, außerdem befindet sich dort jede Menge Verbrauchsmaterial für die Reinigungskräfte. Die Bilder im Vorraum stammen noch aus den Anfangszeiten, als manche Schüler des Kunstleistungskurses am Vormittag, die Arbeitsgemeinschaft Foto am Nachmittag und auch die Volkshochschule am Abend die Techniken lernten. Immerhin sind daraus einige einschlägige Karrieren hervorgegangen.

Die alte Ausrüstung ist noch komplett vorhanden: Es befinden sich dort 13 Vergrößerungsgeräte für Schwarz-Weiß- und Farbnegative und jede Menge für die Filmentwicklung. Wie der Direktor erläuterte, wird der gesamte Komplex um das Kleine Forum künftig dem Ganztag gewidmet sein: Die drei über die Schule verstreuten Standorte, an denen die Sozialpädagogen ihr Büro haben, werden dort beispielsweise zentralisiert. „Das Kleine Forum bleibt ein Veranstaltungsort“, so Patzelt weiter. Die Küchenräume „wandern“ quer über den Schulhof in den Hattesohltrakt. Es entstehen dort Räume mit Rückzugs- und Aufenthaltsqualität.

Spezialräume kaum noch bekannt

Als „geheime Kammern“ haben ehemalige Schüler Spezialräume wie die Dunkelkammer bezeichnet, die weniger im Blickfeld der Schüler standen. Dass die KGS in ihren Anfängen ein fortschrittliches Sprachlabor zur Verfügung hatte, damit die Schüler Gelegenheit bekamen, individuell die Aussprache der englischen und französischen Sprache zu üben, ist kaum noch bekannt. Derzeit ist dort der Computerraum untergebracht.

Die Zeit ist stehen geblieben: So sieht noch einer von 13 Arbeitsplätzen aus, die es in der ehemaligen Dunkelkammer gab.

Ein Raum, der bei der Kompaktsanierung definitiv weichen wird, und in dem die Zeit still zu stehen scheint, ist der Hörsaal. An dessen Eingang gehen Schüler stets vorbei – er liegt am Hauptflur der Schule –, gegenüber der Hausmeisterloge. Dieser Raum unterscheidet sich durch die besondere mit Stufen versehene Sitzanordnung von allen anderen in der Schule und wird laut Patzelt nicht mehr genutzt. Er erinnert an einen Mini-Vorlesungssaal einer Uni. Es gibt keine Tische, sondern nur eine durchgängige Platte. Die Breite ist wesentlich kleiner ist als die eines Tisches einer Bierzeltgarnitur. Um sich auf einen Platz zu setzen, muss ein Holzbrett heruntergeklappt werden wie in der Uni. Das ist nicht bequem, aber zweckmäßig. Die zwei Tafeln lassen sich zwar nicht aufklappen, aber dafür hoch- und runterschieben. Ein paar Formeln, mit Kreide geschrieben, haben die letzte Wischaktion überdauert.

Im Hörsaal befindet sich ein Chemie-Experimentiertisch, wobei das einst hochfahrbare Schutzglas längst im Inneren zerbrochen ist. In den Regalen stehen noch zahlreiche Chemiebücher. Karten vom Periodensystem und Bilder von Schülern, die sich mit ihrem damaligen Lehrer Michael Tausch hatten ablichten lassen, schmücken die Wände des ebenso fensterlosen Raums. Der ehemalige KGS-Lehrer ist seit mehr als einem Jahrzehnt Professor für Chemie und ihre Didaktik an der Bergischen Universität Wuppertal.

Was mit den Materialien geschieht? Vor der Sanierung müssen laut Patzelt die Fachbereiche alle Sammlungen durchgehen und schauen, was die Schule benötigt und was nicht. Der Rest wird entsorgt, wenn sich keine Interessenten finden.

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