Schülervertreter Robin Heimbucher fordert, deutlich Haltung gegen Diskriminierung zu zeigen

„Klare Kante gegen Rechts und puren Hass“

Robin Heimbucher kämpft als Schülervertreter gegen Alltagsrassismus.
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Robin Heimbucher kämpft als Schülervertreter gegen Alltagsrassismus.

Weyhe – Robin Heimbucher ist Schüler der KGS Leeste und engagiert sich in der Schülervertretung. Er ist 15 Jahre alt und amtierender Kreisschülersprecher für den Landkreis Diepholz. Er macht sich für den Anti-Rassismus-Tag stark, den kürzlich die Schülervertretung für die KGS vorbereitet hatte. Die Fragen stellte Sigi Schritt.

Welches Ziel verfolgt die Schülervertretung mit dem Anti-Rassismus-Tag in der KGS?

Uns als Schülervertretung ist das Thema Antirassismus sehr wichtig. Deshalb wollen wir die anderen Schüler für das Thema mobilisieren und sie über Ausgrenzung und deren Folgen weitreichend informieren. Außerdem wollen wir als Schule uns solidarisch mit den Opfern und Betroffenen von Rassismus zeigen und eines ganz deutlich machen: Wir sind eine Schule gegen Rassismus – mit Courage.

Wie erklärt ihr Rassismus euren Mitschülern?

Für uns ist Rassismus leicht erklärt: das Ausgrenzen von Minderheiten aufgrund ihrer Herkunft, Haut- oder Haarfarbe. Wir sehen es als ein weitreichendes gesellschaftliches Problem an, welches dringend aus der Welt geschafft werden muss.

Auf welche Art und Weise macht ihr auf Rassismus im Alltag aufmerksam?

Wir von der Schülervertretung hatten uns schon öfter Gedanken darüber gemacht. Wir sind zu dem Entschluss gekommen, dass man aktiv helfen kann, indem man beispielsweise auf rassistische Sprüche aufmerksam macht und der Person, die sich rassistisch äußert, klar macht, wieso es nicht richtig ist, sich so auszudrücken. Wenn man lieber passiv agieren will, kann man zum Beispiel helfen, indem man Sticker mit diskriminierenden Parolen entfernt oder rassistische Accounts online meldet.

Welche rassistischen Anfeindungen gibt es an der KGS Leeste?

An der KGS Leeste haben wir zum Glück nicht sonderlich viele rassistischen Taten. Jedoch haben wir auch ein paar Fälle in Form von Vandalismus, wo beispielsweise ein Hakenkreuz an eine Wand der Schule gesprüht wurde oder antisemitische Sticker an den Tischen angebracht worden sind.

Wie geht ihr damit um?

Unsere Schulgemeinschaf – die Schüler, deren Eltern und die Schulleitung – reagiert sehr schnell auf solche Vorkommnisse, wofür wir sehr dankbar sind. Deshalb sind solche Zeichen oft innerhalb weniger Tage verschwunden. Die Schüler übermalen oder entfernen solche Sticker direkt. Ich selber zähle auch zu dieser Art von Schüler und hatte schon leider öfter erlebt, dass solche Zeichen an der Schule waren.

Wisst ihr von Anfeindungen außerhalb der Schule?

Wir bemerken viele Anfeindungen durch das Internet, wo Betroffene auf Social Media – wie etwa Twitter oder Instagram – berichten. Wir erleben es teilweise selber, wie zum Beispiel im Videospiel oder im öffentlichen Chat manche Personen grundlos rassistisch angefeindet werden.

Extremisten versuchen, die Grenzen der Toleranz weiter zu verschieben. Rechte Politik fällt in Parlamenten auf. Wie beeinflusst euch das?

Mir persönlich fällt die Politik von Rechts bis hin zu Rechtsaußen sehr auf – insbesondere die diskriminierende Wortwahl dieser Politiker. Mich haben diese Aussagen dazu bewegt, mich zu engagieren und zu zeigen, dass es eine klare Kante gegen Rechtsaußen und solch purem Hass geben muss, damit wir wieder mehr zur konstruktiven Politik zurückkehren können.

Menschen werden auch wegen ihres Geschlechts, ihrer Religion, ihrer Weltanschauung und ihrer sexuellen Identität diskriminiert. Wie sensibel sind die Schüler der KGS Leeste bei diesem Thema?

Die Schüler der KGS Leeste sind sehr offen und interessiert an dem Thema Diskriminierung und wie wir sie vermeiden können. Nicht nur Rassismus, sondern jede Art von Diskriminierung und Ausgrenzung wird an dieser Schule abgelehnt. Ich bin sehr froh, zu solch einer toleranten Schülerschaft gehören zu dürfen.

Ob auf Instagram, Facebook und Co. oder auf der Straße: Demos gegen Rassismus gibt es viele. Solche Solidaritätsaktionen sind schnell vergessen. Wo müssen wir als Gesellschaft ansetzen, um den Kampf gegen Rassismus in die Köpfe der Menschen zu bekommen?

Als Gesellschaft müssen wir lernen, woher Rassismus, Diskriminierung und Fremdenhass eigentlich stammt. Wir sollten uns alle selber reflektieren. Wir müssen das Problem an der Wurzel fassen und mit viel Aufklärungsarbeit dem entgegensetzen. Dann bemerken viele, dass manche Wörter in jedem Kontext moralisch nicht vertretbar sind. Genau das ist unsere Idee des Anti-Rassismus-Tages.

Welche Forderungen habt ihr ganz konkret? Wo wollt ihr ansetzen?

Unsere Forderung ist ganz klar und simpel: Wir wollen, dass jeder über Rassismus und dessen Ursprung mehr nachdenkt und reflektiert. Außerdem fordern wir jeden auf, eine klare Haltung gegen Rassismus, Diskriminierung und Ausgrenzung zu zeigen und solidarisch zu handeln. Das ist die Aufgabe aller Menschen in unserer Gesellschaft. Für mehr Gemeinsamkeit statt Spaltung.

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