Leester Mariengemeinde feiert 500. Geburtstag ihrer ältesten Glocke

Was gegen Irrsinn hilft und von der Gnade Gottes kündet

Landesbischof Ralf Meister predigt in der Leester Kirche. Derweil wird das „Geburtstagskind“ vom Turm aus eingeblendet. - Foto: pk

Leeste - Von Philipp Köster. Es gibt manches, was man mit Glocken verbindet: Sie rufen zum Gottesdienst, begrüßen das Neue Jahr, strukturieren den Tag, begleiten Taufe und Hochzeit, und sie warnten früher vor Gefahren. Doch Glocken schrieben die Menschen in alten Zeiten auch magische Wirkungen zu, so etwa Hilfe beim Zahnen oder die Heilung von Krankheit und Irrsinn. Für den hannoverschen Landesbischof Ralf Meister künden sie von der Gnade Gottes, die er den Gläubigen „in den paar Sommern ihres Lebens“ zuteil werden lässt.

Meister war am Sonnabendmorgen zu Gast in der Marienkirche Leeste, um eine Festpredigt zu halten. Damit stattete erstmals ein Landesbischof der Gemeinde einen Besuch ab. Gemeinsam mit den Pastoren Holger Tietz und Ulrich Krause-Röhrs gestaltete er den Gottesdienst.

Anlass war der 500. Geburtstag der Glocke „Maria“, der ältesten der drei Geläute im Turm der Kirche. Auch wenn es in der hannoverschen Landeskirche etliche Gotteshäuser gebe, die ältere Glocken läuten lassen, teils 700, ja 800 Jahre alte, wie Ralf Meister auf Nachfrage sagte, so war das halbe Jahrtausend doch ein Anlass „gerne“ nach Leeste zu kommen, wie Tietz eingangs des Gottesdienstes berichtete. Beide sind gebürtige Hamburger und kennen sich von der Pfadfinderarbeit, nämlich aus Zeiten, in denen Tietz noch nicht Pastor in Leeste / Hörden war. Und das ist schon ziemlich lange der Fall, wenn auch nicht 500 Jahre.

Dem festlichen Anlass entsprechend drehte sich im Gottesdienst vieles um Glocken. Meister hatte sein Predigtthema von der Gnade Gottes mit der Erzählung Thomas Manns, „Der Erwählte“, gerahmt. Darin künden zu Beginn des Romans die Glocken von Rom vom triumphalen Einzug Papst Gregors in der ewigen Stadt. An Gregor habe Gott seine Gnade gezeigt, obgleich jener doch aus einer inszestuösen Verbindung entstanden war und sogar seine eigene Mutter geheiratet hatte.

Fördervereinsmitglied Hermann Schierenbeck warb für seine Festschrift, die nicht nur die Geschichte der Marienglocke erzählt, sondern auch auf die Beziehung zum Namen der Kirche, zur Marienverehrung sowie auf Glocken im Allgemeinen eingeht. Sie ist für drei Euro über den Förderverein zu beziehen. Dank der Spende von Banken und einer Privatperson fließt der Erlös aus dem Verkauf der Schrift direkt in die weiteren Aufgaben: Orgel- und Innenraumrenovierung.

Im Multimedia-Zeitalter durfte auch eine Video-Übertragung direkt aus dem Glockenturm nicht fehlen: Die Besucher des Gottesdienstes in der gut gefüllten, aber nicht vollen Kirche konnten der „Maria“ auf einem Bildschirm oben im Altar beim Schlagen zusehen.

„Glockenklar“ auch die Beiträge des Kirchenchors unter Leitung von Kantor Sören Tesch, erfrischend dynamisch ein Stück des Posaunenchors unter Jan Wiznerowicz.

Im Anschluss ließen sich die Gäste im neuen Gemeindezentrum und draußen Bratwurst, Bier und Pommes schmecken und kamen mit ihrem Landesbischof ins Gespräch.

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