Starke Stimmen bei Nacht der Jugend regen zum Nachdenken an / Gang zu Stolpersteinen

Gegen Hass und Ausgrenzung

Das Spielraumtheater überzeugt bei der Nacht der Jugend mit kreativen Texten.

Weyhe - Von Martin Möhring. „Warum findet Diskriminierung statt auf dieser defekten Welt?“ Mit solch eindringlichen Fragen beschäftigten sich zahlreiche Jugendliche in der Nacht der Jugend am Samstag in der Aula der Hundertwasserschule in Leeste. Carsten Platt vom Team Jugendarbeit der Gemeinde Weyhe war mit der Resonanz sehr zufrieden. „Es ist kein einfaches Thema auf einem Samstagabend.“

Carsten Platts Team und knapp ein Dutzend Jugendliche gehörten zur Vorbereitungsgruppe, die sich seit den Sommerferien getroffen hat, um diese Nacht gegen Hass und Ausgrenzung zu einem Erfolg zu machen. „Großes Lob an alle, vor allem an die Jugendlichen, die alles in ihrer Freizeit gemacht haben“, so der engagierte Mitarbeiter vom Team Jugend. Anlässlich des Jahrestages der Reichspogromnacht am 9. November 1938 wurde ein umfangreiches Programm geboten.

Es begann um 16 Uhr mit drei Workshops zu den Themen „Antisemitismus“, angeboten von der Jugendstätte Lidice Haus Bremen, „Erscheinungsformen gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit im Fußball“ vom Werder Fanprojekt und „Rechten Stammtischparolen“ vom Verein Standpunkt Bremen.

Die Poetry Slammerinnen Luna, Emma und Hanna folgten nach der Begrüßung und einem Film zum Thema Diskriminierung. „Ist unsere Demokratie schon wieder weg, bevor ich sie sehe?“, fragte Luna, die die zwölfte Klasse der KGS Leeste besucht, in ihrem nachdenklichen Slam. Sie mache sich große Sorgen um die Meinungsfreiheit. Es gebe in den sozialen Netzwerken zu viele Filterblasen und eine „Gemeinschaft der Siebe“, die viele wichtige Informationen gar nicht mehr durchlassen würden. Die 16-jährige Emma hatte ihren Slam unter die Frage gestellt, „was der Hass mit einem macht, welche Auswirkungen er aufs Leben hat“. Sie setzte sich auch mit dem Thema Mobbing auseinander.

Ein Höhepunkt war der Slam von Hanna, die auf das Gymnasium Syke geht. In ihrem Text zu Diskriminierung ging es um Angst vor den Anderen und wie Menschen Opfer ihrer Ängste werden. „Die Stimmen der Vergangenheit hallen nach“, sagte sie. Sie träume davon, dass jeder jeden ohne Vorurteile lieben könne. Hanna überzeugte durch einen kraftvollen, engagierten Vortrag und geschliffene Texte, die auf jeder Fernsehbühne hätten präsentiert werden können.

Weiter ging es mit der szenischen Lesung des Spielraum-Theaters. Das Vorzeigeprojekt im Theaterbereich aus Seckenhausen wusste mit kreativen und innovativen Texten zu überzeugen und ließ das Publikum nachdenklich zurück.

Es folgten Vorträge und Reden zu den Themen „Strategien der Neuen Rechten“ vom Lidice Haus in Bremen und „Rechte Strukturen im Landkreis Diepholz“ vom Netzwerk „wir sind mehr“. Die Nacht der Jugend klang mit den Konzerten von La Partizipation aus Hannover und Fatoni aus München gegen Mitternacht aus.

Ein Zeichen gegen Fremdenhass gesetzt hatten am Samstag auch die Teilnehmer des von den Jusos initiierten Marsches zu den Stolpersteinen an der Lahauser Straße / Ecke Bahnhofstraße. Dort haben sie am Nachmittag den Mitbürgern jüdischen Glaubens gedacht, denen in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 die Lebensgrundlage geraubt wurde, sei es durch eine Deportation, die Zerstörung ihrer Arbeitsstätten oder das Anstecken ihrer Gotteshäuser und Wohnungen.

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