Annelore Duwes Premiere

Gästeführung zum Thema Bahnhofstraße in Kirchweyhe

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Annelore Duwe meistert am Sonntagnachmittag ihre erste Gästeführung. Sie erinnert an die alten Zeiten der Bahnhofstraße in Kirchweyhe und zeigt dabei alte Fotos.

Kirchweyhe - Von Heiner Büntemeyer. Die Geschichte der Kirchweyher Bahnhofstraße begann eigentlich erst vor gut 150 Jahren. 1861 wurde in einer Gemeindeversammlung der Ausbau des „Leester Dammes“ und der „Kirchweyher Heide“ im Zuge der Verbindung von Angelse über Leeste und Kirchweyhe nach Dreye mit einem Anschluss an die Bassum-Dreyer-Straße auf Höhe der Sudweyher Wassermühle beschlossen.

Der Ausbau konnte nur erfolgen, weil sich die Bürger mit Hand- und Spanndiensten an den Arbeiten beteiligten oder Geld bezahlten, um die von ihnen verlangten Arbeiten durch einen Tagelöhner erledigen zu lassen.

Zweites Zentrum Kirchweyhes

Mit diesem Blick in die Vergangenheit begann Annelore Duwe ihre erste Gästeführung am Sonntagnachmittag, in der sie mehr als 30 Teilnehmern die Entwicklung der Bahnhofstraße schilderte.

Als besagter Beschluss gefasst wurde, war von der Eisenbahnlinie noch nicht die Rede, weil es sie damals noch nicht gab. Erst mit dem Bau der Bahnlinie wurde aus dem „Leester Damm“ und der „Kirchweyher Heide“ die Bahnhofstraße, die sich schnell zu einem zweiten Zentrum Kirchweyhes entwickelte. Dort begann Annelore Duwe mit ihren Geschichten über „Häuser, die hier einmal standen und Menschen, die hier einmal lebten“. Eine wichtige Rolle spielte dabei Ernst Koch aus Okel, der 1876 an der Bahn eine Gaststätte mit Scheune und Stall erbaute. Dort kehrten die Beamten und Lokführer ein, und es gab einen Telefonanschluss. Gegenüber, wo Johann Koch ein Gasthaus errichtete, trafen sich die in der Bahn-Hierarchie etwas tiefer angesiedelten Heizer und Weichensteller. Aber beide Gasthäuser florierten.

Wechselvolle Vergangenheit

Ernst Koch erweiterte seinen Betrieb, handelte mit Baustoffen und Düngemitteln und richtete auf der gegenüber liegenden Bahnseite eine Viehwaage ein. Brandbomben zerstörten das Haus, das nach dem Krieg in seiner jetzigen Form wieder aufgebaut wurde.

Eine noch wechselvollere Vergangenheit hat das gegenüber liegende ehemalige Gasthaus, in dem Johann Koch Zimmer vermietete. Nachdem das Haus 1906 abgebrannt war, wurde es um einen Saal größer wieder aufgebaut. Der Saal diente als Festhalle, Sporthalle und Kino. Schon 1915 erhielt das Haus die Genehmigung zur Filmvorführung, 1918 richtete die „Syker Amtssparkasse“ eine Filiale ein. Fritz Feldmann, der das Haus 1952 übernahm, machte aus dem Kino einen „Filmpalast“, und 20 Jahre später verwandelte Bernd Zweck den Filmpalast in die Diskothek „Maddox“.

Nur eine von fünf Linden überlebte Brände und Weltkriegsbomben

Vor dem Haus hatte der erste Erbauer 1875 fünf Linden gepflanzt, die den ersten Brand 1906 überlebten, aber als Brandbomben das Haus im Zweiten Weltkrieg zerstörten, blieb nur noch eine Linde übrig. „Seit ich das weiß, betrachte ich diesen Baum mit ganz anderen Augen“, berichtete die Gästeführerin.

Im weiteren Verlauf stellte Annelore Duwe die Nachbarhäuser an der Lahauser Straßenseite vor, etwa das Geschäftshaus Dunkhase, in dem der Besitzer um 1910 ein kleines E-Werk eingerichtet hatte, das einen Teil der Bahnhofstraße und Lahausens mit Gleichstrom versorgte. Es ging ferner um die Bahnhäuser, die nach 1909 errichtet wurden und von denen nur noch eins steht, das renoviert und wohl nicht abgerissen wird.

Sie erinnerte an die beiden Sandrampen beiderseits der Bahn. Schon Jahrzehnte vor ihrem Bau war eine Brücke über die Bahn geplant. Die Sandberge dienten der Dorfjugend lange als Abenteuerspielplatz.

Rasante Entwicklung in wenigen Jahrzehnten

Annelore Duwe hatte sich gewissenhaft auf diese Führung vorbereitet und konnte auch Geschichten über die Historie des Postgebäudes berichten. Vor allem ging es um die Standortfrage, denn bis 1913 befand sich die Postagentur im Altdorf Kirchweyhes, wo sie auch bleiben sollte. Aber die Geschäftsentwicklung verlangte einen Umzug an die Bahnhofstraße. Ein Reichstagsabgeordneter wurde in die Verhandlungen einbezogen und es kam zu einem salomonischen Urteil: Das Altdorf behielt sein Postamt, und am Bahnhof wurde eine neue Postagentur errichtet, die im Oktober 1913 eingeweiht wurde.

Zahlreiche Besucher kannten die Bahnhofstraße noch aus ihrer eigenen Kindheit, aber die meisten Geschichten, die hinter den Mauern der Häuser steckten, kannten sie nicht. Sie schauten sich die alten Fotos an, die die Gästeführerin herumreichen ließ. Das war für viele eine wichtige Orientierungshilfe und veranschaulichte, wie rasant sich diese Straße in nur wenigen Jahrzehnten verändert hat – eine Entwicklung, die noch längst nicht abgeschlossen ist.

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