Bürgermeister Andreas Bovenschulte im Sommerinterview / Teil 1

„In fünf Jahren ist GS Agri aus Leeste verschwunden“

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Bürgermeister Andreas Bovenschulte. 

Weyhe- Bürgermeister Andreas Bovenschulte hat sich im Sommerinterview den Fragen der Mediengruppe Kreiszeitung gestellt. Einige Leser waren zuvor unserem Aufruf gefolgt, ihre Themen zu nennen. Sie sind in die Fragen eingeflossen.

Der Weyher Verwaltungschef äußert sich im ersten Teil des Interviews beispielsweise zur Bildung und zur Straßensanierung. Im zweiten Teil, der in der nächsten Woche veröffentlicht wird, geht es um bezahlbarem Wohnraum, um die Verkehrssituation am Marktplatz und um Sudweyher Seniorenwünsche. Die Fragen stellte unser Redakteur Sigi Schritt.

Die Ortskernsanierung steht an. Wie sieht Leeste in fünf Jahren aus?

Andreas Bovenschulte: Leeste wird natürlich weiterhin Leeste bleiben, so wie wir es kennen und schätzen. Aber es wird zugleich auch moderner und quirliger sein und, so hoffe ich, noch mehr Lebensqualität bieten: Mit dem Henry-Wetjen-Platz gibt es erstmals in der Geschichte einen echten Dorfplatz, auf dem viele attraktive Veranstaltungen stattfinden. Das „Kultur- und Bildungszentrum“ mit Bibliothek, Volkshochschule und Lesecafé ist ein lebendiger Treffpunkt geworden. Am neuen Leisterplatz, dort wo jetzt noch das alte Amelung-Gebäude steht, floriert der Einzelhandel. GS Agri ist aus dem Ortskern verschwunden, durch die Ansiedlung eines Verbrauchermarktes wurden wichtige Impulse für die Entwicklung des Bahnhofsumfeldes im nördlichen Ortskern gegeben. Für die großen Brachflächen, insbesondere das Döhle-Gelände, stehen umsetzbare Konzepte endlich vor der Verwirklichung. Die Straßenbahnlinie 8 ist gebaut und verbindet Leeste mit der Region. Auch die Sanierung der KGS Leeste ist abgeschlossen und Lernen macht so viel Spaß wie noch nie!

Das Stadtmarketing organisiert mit Volldampf viele Veranstaltungen auf dem Marktplatz. Geht es im nächsten Jahr so weiter?

Bovenschulte: Mich freut sehr, dass die Veranstaltungen bei den Weyherinnen und Weyhern aber auch bei den Gästen aus unseren Nachbargemeinden einen solchen Zuspruch finden. „Summer in the City“ war ein voller Erfolg. Daran wollen wir im nächsten Jahr anknüpfen. Mit dem Street-Food-Festival, dem Bio-Markt sowie der Weyher Nacht der Musik haben wir in den nächsten Wochen weitere schöne Events auf dem Kirchweyher Marktplatz im Programm. Dazu kommt unser großes Bahnhofs- und interkulturelles Familienfest im August. Und natürlich sind auch „Weyhe total“ und das Weinfest der Lions echte Highlights. Was ich richtig gut finde: Auch in Leeste tut sich einiges, wenn ich zum Beispiel auf die Ergänzung des traditionellen Herbstmarkts durch einen großen Hollandmarkt schaue.

Die Bertelsmann-Stifung geht von wachsenden Schülerzahlen aus – die Gemeinde passt sich an den Bedarf an und baut Kita-Räume. Hat sie die Grundschulen im Blick?

Bovenschulte: Zwei Jahrzehnte lang entwickelten sich die Schülerzahlen in Weyhe nur in eine Richtung und zwar nach unten. Anfang der 2000er-Jahre gab es zum Beispiel noch knapp 1 500 Grundschüler in unserer Gemeinde, mittlerweile sind es weniger als 1100. Allerdings scheint es jetzt aus mehreren Gründen – höhere Geburtenrate, mehr Zuzug nach Weyhe aus der Region, mehr Zuwanderung aus dem Ausland – zu einer Trendumkehr zu kommen. Deshalb beobachtet die Gemeinde die Entwicklung der Schülerzahlen sehr aufmerksam. Vom Stadtentwicklungsbüro Forum lassen wir uns regelmäßig Prognosen unter Einbeziehung aller verfügbaren Informationen erstellen. Bislang gibt es in unseren Grundschulen aufs Ganze gesehen noch ausreichend Platz. Allerdings sind die Kapazitäten und die Bedarfe örtlich recht unterschiedlich verteilt. Wir bemühen uns, beides zur Deckung zu bringen, erforderlichenfalls durch einen Neuzuschnitt der Schulbezirke. Bislang gelingt uns das. Ich kann aber nicht ausschließen, dass bei einem kräftigen Anstieg der Schülerzahlen in den nächsten Jahren neue Räumlichkeiten geschaffen werden müssen. Und dann kommen viele Millionen Euro an zusätzlichen Investitionen auf die Gemeinde zu.

Eine Augenklinik und eine private Berufsschule für Gesundheit und Pflege siedeln sich in Weyhe an. Welche Vorteile hat die Gemeinde davon?

Bovenschulte: Weyhe hat das Privileg, als Grundzentrum mit mittelzentraler Teilfunktion „Gesundheit und Pflege“ auch Einrichtungen von regionaler Bedeutung im Gemeindegebiet ansiedeln zu dürfen. Die ausgezeichnete Ausstattung mit Ärzten und anderen Gesundheits- und Pflegedienstleistern nutzt in erster Linie den Weyherinnen und Weyhern selbst, da lange Wege in die Nachbargemeinden entfallen und ein hervorragendes Angebot direkt vor Ort vorgehalten wird. Zudem gehe ich davon aus, dass die steigende Bedeutung unserer Gemeinde im Bereich Gesundheit und Pflege auch Wachstumsimpulse für andere Branchen mit sich bringt, denn die Unternehmen im Gesundheitssektor sind ja ihrerseits auch Nachfrager von Produkten und Dienstleistungen. Und nicht zuletzt ist jeder Patient, der wegen medizinischer Angebote nach Weyhe kommt, auch ein möglicher Kunde für unseren Handel und unsere Gastronomie. Voraussetzung für die weiterhin positive Entwicklung des Gesundheits- und Pflegesektors in Weyhe ist allerdings, dass ausreichend Fachkräfte zur Verfügung stehen. Hierzu leistet die neu entstehende Berufsschule für Ergo- und Physiotherapeuten und für Altenpfleger einen wichtigen Beitrag.

Muss die Gemeinde für die Straßensanierung in den nächsten Jahren noch mehr Geld in die Hand nehmen? Werden diese Kosten zukünftig komplett aus Steuermitteln gezahlt oder müssen sich Anlieger weiterhin auf Beiträge einstellen?

Bovenschulte: Die Sanierung der Weyher Straßen und Wege mit einer Gesamtlänge von rund 230 Kilometern ist eine riesige Aufgabe. Da wurde in den vergangenen Jahrzehnten einfach zu wenig gemacht. Deshalb haben wir begonnen, umzusteuern, haben zusätzliche Stellen beim Baubetriebshof geschaffen und die jährlichen Mittel für die Straßenunterhaltung von 250.000 Euro auf 500.000 Euro verdoppelt. Das ist ein großer Schritt in die richtige Richtung, weil wir jetzt die Möglichkeit haben, nicht nur Flickschusterei zu betreiben, sondern zum Beispiel die Instandsetzung von Fahrbahnoberflächen systematisch anzugehen. Wunderdinge sind allerdings nicht zu erwarten. Es wird viele Jahre dauern, bis das Straßen- und Wegenetz wieder in einem insgesamt guten Zustand ist. Vielleicht müssen die Haushaltsmittel dafür sogar noch einmal erhöht werden. Und es wird auch weiterhin so sein, dass die erstmalige Herstellung, der Ausbau oder die Neuherstellung einer Straße beitragspflichtig ist.

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