Corona-Krise

Weyher Unternehmer auf Mallorca: So fühlt sich eine Ausgangssperre an

Erledigen auf Mallorca die Buchhaltung für das Weyher Hotel Ribecca: Rita Soostmeyer und Oliver Behring. Fotos: Behring
+
Erledigen auf Mallorca die Buchhaltung für das Weyher Hotel Ribecca: Rita Soostmeyer und Oliver Behring.

Weyhe / Paguera - Wie sich eine Ausgangssperre anfühlt, erleben die Weyher Unternehmer Rita Soostmeyer und Oliver Behring, die in Leeste das Hotel Ribecca betreiben, seit mehreren Tagen hautnah. Beide leben seit anderthalb Jahren auf Mallorca und arrangieren sich derzeit mit der von den spanischen Behörden angeordnete Einschränkung der Bewegungsfreiheit. Seit Montag würde die Polizei die Anordnung strikt umsetzen.

Oliver Behring weiß, dass in Deutschland die Einschränkung der Bewegungsfreiheit diskutiert würde. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder hatte eine Ausgangssperre in die politische Diskussion gebracht. Der Weyher findet „so eine drastische Maßnahme“ richtig. Sie sei „nur temporär“, um die „Ansteckungsgefahr mit Coronaviren zu minimieren“. So etwas dauere ja nicht zwei Jahre, ergänzt der 54-Jährige.

Auf die Frage, ob er eine Ausgangssperre deutschlandweit befürworten würde, antwortet er: „Ich würde mein Kreuz bei Ja setzen und dafür sogar einen dicken Edding benutzen.“

„Eine Corona-Ausgangssperre bedeutet nicht, dass die Haustür komplett zu ist“, so Behring. „Ich darf nur nicht ohne triftigen Grund auf die Straße“, das ist ein gewichtiger Unterschied. Es sei möglich, die nötigsten Dinge zu besorgen. Dazu zähle etwa der Gang zum Supermarkt, zur Bäckerei, zum Arzt oder zur Apotheke. „Wenn ich arbeiten muss, dann benötige ich einen Nachweis des Arbeitgebers“, so Behring weiter. Besonders schlaue Leute hätten für ihren Spaziergang eine Einkaufstüte mitgenommen – nun müssen sie bei Kontrollen einen Bon vorzeigen. Es sei zudem nicht gestattet, zu zweit einzukaufen.

Wie leer gefegt: Die Einkaufstraße von Paguera.

Schlangen von wartenden Menschen haben sich gebildet. Wegen der Versorgungssicherheit seien die aber nicht besonders groß. Die Supermärkte seien nicht mehr rappelvoll, es gebe weder Hamsterkäufe noch Probleme mit dem Kauf von Klopapier wie in Weyhe.

„Verstöße werden mit drastischen Strafen geahndet“, kommentiert der Unternehmer. Wenn ich im Auto eine Person mitfahren lasse, muss sie hinten rechts sitzen. „Ein Verstoß kostet 2 000 Euro.“ Wer die Ausgangssperre nicht beachtet und erwischt wird, muss laut Behring zwischen 600 und 30 000 Euro bezahlen. Auf privatem Eigentum, dazu zähle auch die Anlage in Paguera, auf der er und Rita Soostmeyer leben, könne man sich frei bewegen.

„Das Leben hier steht still“, beschreibt Behring die Lage. Alles habe auf der Insel geschlossen. Hotels, die wegen einer verfrühten Saisoneröffnung schon ihren Betrieb aufgenommen haben, müssen wieder dichtmachen, beschreibt Behring die Situation auf der Insel.

Frühlingshafte Temperaturen und leere Strände.

Doch die sozialen Verzichte, die Behring und andere in Spanien leisten müssten, „führen nicht zu einer Vereinsamung“. Im Gegenteil: „Menschen helfen sich gegenseitig, einer kauft für viele ein. „Man rückt zusammen. Das ist eine schöne Erfahrung.“ Erstmals hätten er und seine Nachbarn die Zeit gefunden, sich über den Balkon zu unterhalten, von sich zu erzählen. Das Dorf, in dem die Weyher leben, hat laut Behring das spanische Königshaus von einem berühmten Architekten auf Klippen bauen lassen. 180 Wohneinheiten, ineinander verschachtelt, haben einen Meerzugang. Dort sei niemand erkrankt. Inselweit sei das anders. Die Zahl der Erkrankten ist am Mittwoch auf 112 Fälle angestiegen – mittlerweile sind zwei Todesfälle zu verzeichnen, berichtete das Nachrichtenportal www.mallorcamagazin.com.

Soldaten desinfizieren öffentliche Plätze. „Die Spanier haben es verstanden, dass die Einschränkungen mithelfen, die Pandemie einzudämmen. Ich habe den Eindruck, dass die Regierung die Situation gut im Griff hat.“ Lediglich ein paar Touristen seien ignorant und rennen herum. „Die müssen aber Strafen zahlen und abreisen.“ Obwohl der Flughafen dicht ist, gehen täglich drei Flüge für Pendler nach Barcelona, Madrid und Valencia. Chartermaschinen stünden für Rückhol-Aktionen bereit.

Alle Infos zur Corona-Epidemie im Landkreis Diepholz finden Sie in unserem Ticker.

Das Schicksal der spanischen Hoteliers teilen sich auch Behring und Soostmeyer. Über die 24-Stunden-Reservierungshotline, die Gespräche von Deutschland in ihre Wohnung in Spanien durchstellt, laufe nichts mehr. „Niemand will derzeit im Leester Hotel eines der zehn Doppelzimmer und Suiten buchen.“ Ohnehin seien Übernachtungen für Touristen ausgeschlossen. „Wir dürfen nur noch an Geschäftsreisende vermieten. Da aber alle Messen und Meetings in der Region abgesagt worden sind, ist das auch ein Problem.“ Um die wirtschaftliche Lage und die Situation für das Hotel in der Nähe des Weyher Rathauses zu erörtern, sei Behring mit dem Wirtschaftsförderer der Wesergemeinde im Austausch. „Die Gemeindeverwaltung bemüht sich sehr. Wir bekommen alle Fragen beantwortet“, so Behring. Die Verwaltung stellt alle notwendigen Infos zur Verfügung, sagt der Unternehmer.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Der Blauregen hat viel Kraft

Der Blauregen hat viel Kraft

Wandern, Waldbaden und Wellness in Bad Steben

Wandern, Waldbaden und Wellness in Bad Steben

Barock und Bio im Bliesgau

Barock und Bio im Bliesgau

Kampf gegen Corona: Italien verlängert Ausgangsverbote

Kampf gegen Corona: Italien verlängert Ausgangsverbote

Meistgelesene Artikel

Wendiger Flitzer für schwieriges Terrain

Wendiger Flitzer für schwieriges Terrain

Coronavirus erfasst alle Branchen: „Als Künstler ist man immer auch Überlebenskünstler“

Coronavirus erfasst alle Branchen: „Als Künstler ist man immer auch Überlebenskünstler“

Mutter übt scharfe Kritik: Kita-Gebühren trotz Schließung eingezogen

Mutter übt scharfe Kritik: Kita-Gebühren trotz Schließung eingezogen

Es dröhnt in der Stube

Es dröhnt in der Stube

Kommentare