In einem Selbstbedienungsladen in Kirchweyhe gibt es neuerdings täglich rund 200

Frische Eier vom mobilen Hühnerhof

Mobiler Hühnerstall: (v.l.) Ole Töbelmann, Simon Schwenk und Arne Buck betreiben das neue Angebot.
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Mobiler Hühnerstall: (v.l.) Ole Töbelmann, Simon Schwenk und Arne Buck betreiben das neue Angebot.

KIRCHWEYHE – Etwas Neues ausprobieren und das geschäftliche Standbein ausbauen. Das dachten sich wohl Simon Schwenk, Ole Töbelmann und Arne Buck Anfang 2020. Gemeinsam errichteten sie in „unzähligen Arbeitsstunden“ den nun ersten mobilen Hühnerhof in Kirchweyhe.

Beim Kaffeetrinken kam Schwenk und Buck damals die Idee mit freilaufenden Hühnern, artgerechter Haltung und ökologischen Eiern. „Könnte man auch selber bauen“, erinnern sie sich an das Gründungsgespräch, so Schwenk. „Jetzt oder gar nicht. Wir wollten das Projekt nicht auf die lange Bank schieben. Eine Woche später kam der Stahl“, erzählt Schwenk. So entstand der praktische Selbstbedienungsladen Am Geestweg zwischen Ortsfeuerwehr und Grundschule Kirchweyhe. Stall und Gelände sind seit Frühjahr fertig. Auf einen Schlag kauften die beiden handwerklich nicht ungeschickten Landwirte Töbelmann und Buck am 14. April 300 Hühner der Rasse Lohmann, die nun täglich rund 200 Eier abgeben.

Mit denen befüllen sie jeden Morgen die Auslage in der kleinen hölzernen Verkaufshütte neben dem Auslauf für die Hühner. Zehn Eier kosten 3,50 Euro, steht auf einem Schild. Käufer bezahlen auf Vertrauensbasis. Das Geld geht in eine Holzbox. Kontrolliert wird nicht.

Das Gelände, rund 8 000 Quadratmeter, pachten die Betreiber. Ein Hühnermobil, ein Elektrozaun, zwei Holzhütten, die als Schutz vor der Sonne und Greifvögeln dienen, eine Verkaufshütte für Kunden sowie eine Holzbank zum Ausruhen gehören zur Anlage. Das umzäunte Freilauf-Gehege umfasst jeweils rund 1 500 Quadratmeter Fläche und soll über das Jahr verteilt einmal um das ganze Areal wandern.

Technische Raffinesse bietet das Haupthaus, das sogenannte Hühnermobil. „Wir haben uns von anderen Herstellern, auch auf Messen, inspirieren lassen“, sagt Buck. So gebe es auf dem Dach Solarzellen, um die Hühnerunterkunft völlig autark zu betreiben. Wasser und Futterspeicher hätten die Betreiber etwas größer dimensioniert, sodass Wasser nur alle zwei Wochen nachgefüllt werden muss, so Buck.

Mit Vandalismus und Diebstahl haben die landwirtschaftlichen Unternehmer bisher keine Erfahrung gemacht. Auch die Sorge vor ausbüchsenden Hühnern hält Töbelmann für gering. Zwar komme es schon mal vor, dass ein paar Tiere über den Zaun fliegen, aber die geselligen Herdentiere entfernen sich von selbst nie weit von der Gruppe. Schwenk: „Heute Morgen erst habe ich zwei Hühner wieder reingesetzt.“

Einige Hühner laufen vereinzelt durch das hohe Gras und legen somit regelrechte Laufwege auf der Wiese an. Mittlerweile hat sich schon ein richtiges kleines Labyrinth gebildet. Gemäht werden nur die Außenränder des Areals sowie zwei breite Streifen im Innenbereich. „Damit die Tiere es nicht zu langweilig haben“, sagt Schwenk. Andere „Sandbaden“ nahe des Hühnerstalls. „Das machen die, um ihr Gefieder zu reinigen“, klärt Buck auf.

Das neue Angebot erfreut sich an diesem Tag großer Beliebtheit. Irmgard und Uwe Went (beide 77) aus Kirchweyhe beobachten von der ebenfalls neu errichteten Sitzgelegenheit aus das Treiben. „Ganz, ganz toll“, findet Irmgard, die mit ihrem Ehemann eben erst zehn Eier gekauft hat. „Damit wird morgen zum Frühstück der Tag gestartet. Dann wird Kuchen gebacken“, sagt die Rentnerin. Ihr Mann freut sich über die „Wahnsinns-Idee. So was hat es hier noch nicht gegeben. Für uns Halbstädter ist das mal wieder was schönes Neues.“

Irmgard ergänzt, dass das ökologische Angebot für in der Gegend lebende junge Leute interessant sei. „Viele wollen sich ja gesund ernähren.“

Etwas skeptisch ist ein Passant, der namentlich nicht in der Zeitung genannt werden möchte. Er stellt die räumliche Nähe zur Grundschule Kirchweyhe infrage. „Da gibt es ja immer junge Leute, die Schabernack treiben“, sagt er. Auch gibt der Mann zu bedenken, ob denn jeder Kunde immer ehrlich den Preis für die Eier in die Kassenbox wirft. „Das war mein erster Gedanke, als ich von dem neuen Angebot erfuhr.“

Schwenk und Kollegen hingegen glauben an das Gute in den Menschen und dass die Kunden größten Teils ehrlich sind. „Erstmal abwarten, wie das Angebot angenommen wird“, sagt der Landwirt.

Von Gregor Hühne

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