Zentrale Gedenkfeier zum Volkstrauertag im Weyher Rathaus

Die Freiheit gegen Hetze schützen

Die aufgereihten Kränze im Weyher Rathaus.

Weyhe - Von Heiner Büntemeyer. Im Namen des Volksbunds Deutsche Kriegsgräberfürsorge begrüßte Manfred Streich rund 100 Zuhörer zur Gedenkfeier anlässlich des Volkstrauertages im Weyher Rathaus. Es wurde wieder eine sehr eindrucksvolle Veranstaltung, die Sören Tesch am Klavier und mit Liedern, zu denen er Gitarre spielte, wunderbar musikalisch begleitete.

Manfred Streich hatte auch Musik mitgebracht: „Sag mir, wo die Blumen sind“ von Marlene Dietrich sorgte in diesem Rahmen für echte Emotionen. Aus heutiger Sicht kaum vorstellbar, dass dieses Lied noch vor wenigen Jahrzehnten als unpassend bezeichnet wurde. Aber auch das zeichnet den Volkstrauertag aus: Er erinnert daran, wie sich Zeiten geändert haben. „Wer konnte sich vor 80 Jahren ein friedliches Nebeneinander von Deutschland und Frankreich vorstellen?“, fragte Streich und verwies auf 1973, als Kirchweyhe und Coulaines ihren Freundschaftsvertrag unterschrieben hatten.

Die stellvertretende Bürgermeisterin Ingrid Söfty erinnerte an die entsetzlichen Folgen, die Krieg, Terror und Vertreibung über die Familien gebracht hatten. „Es ist nicht zu begreifen, dass Regierungen nichts aus dieser Vergangenheit gelernt haben“, bedauerte sie. Am Beispiel ihres Vaters, den eine persönliche Freundschaft mit einem französischen Soldaten verbunden hatte, verdeutlichte sie, dass nicht die Menschen miteinander verfeindet gewesen waren, sondern ihre Regierungen sie in den Krieg gezogen hatten.

Sie forderte die Zuhörer auf, wachsam zu sein, unsere Freiheit gegen Hetze und Ausgrenzung zu schützen und Menschen nicht nach ihrer Hautfarbe oder Herkunft zu beurteilen. „Feindschaften bringen nur den Tod und Zerstörung. Lassen wir es nie wieder so weit kommen.“

Gemeindearchivar Hermann Greve erinnerte an eine fast schon vergessene Episode aus dem Jahr 1959, als 25 Jugendliche aus dem Landkreis zusammen mit sechs Betreuern unter Leitung des damaligen Kreis-Jugendpflegers Wolfgang Harjes nach Champagné in Frankreich aufgebrochen waren, um dort deutsche Kriegsgräber zu pflegen und freundschaftliche Kontakte zur Bevölkerung zu knüpfen. Es habe einen frostigen Empfang gegeben, doch allmählich sei das Eis geschmolzen.

Laut Greve endete der Aufenthalt mit einer Feier auf dem Friedhof und einer eindrucksvollen Geste: Gemeinderäte aus Champagné überreichten der deutschen Gruppe ein Blumengebinde mit den Worten: „Legt ihr die Blumen bei euren Toten nieder. Ihr wisst, dass wir es noch nicht dürfen.“

Greve vermutet, dass die Ansprache des Syker Berufsschullehrers Hans-Georg Chevalier, die seine Frau Luise übersetzte, damals einen so tiefen Eindruck hinterließ, dass die anwesenden französischen Teilnehmer unerwartet niederknieten, um an der Seite ihres Pfarrers das Vaterunser zu beten. Doch die Jugendlichen hätten auch die Vorbehalte nicht verschwiegen, die gegenüber diesem Besuch in Frankreich bestanden hatten.

Ausführlich berichteten Hermann Greve, Tina Fischer und Alena Martens anschließend, wie sich Deutschland und Frankreich „vom Erbfeind zum Partner und zum Freund“ entwickelt hatten. Sie zitierten die dumpfen Ansprachen anlässlich der „Sedantage“ (Gedenktag im Deutschen Kaiserreich zur Kapitulation der französischen Armee am 2. September 1870 nach der Schlacht bei Sedan, die Red.). Im krassen Gegensatz dazu standen die Erinnerungen, die der Melchiorshauser Stellmacher Johann Gerken von der Schlacht von Mars la Tour aufgezeichnet hatte. Auch das „Chanson de Craonne“, das an die mörderischen Kämpfe bei Craonne erinnert, zeigte, unterlegt mit entsetzlichen Aufnahmen aus den Schützengräben des Ersten Weltkriegs, wie verheerend Kriege sind.

Heino Hildebrand verband die Totenehrung mit einer Friedenshoffnung. Danach verabschiedete sich Helmut Raddatz als Vorsitzender des Weyher Volksbunds Deutscher Kriegsgräberpflege und zitierte zum Abschluss der Feier das Motto des diesjährigen Volkstrauertages: „Frieden braucht Mut. – Jetzt und in Zukunft“.

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