Frauenfrühstück: Gudrun Müller referiert über Fundamentalismus

Pastorin rät, einfachen Antworten zu misstrauen

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„Fundamentalismus ist nichts, was auf bestimmte Religionen oder Kulturen beschränkt ist“, sagt Pastorin Gudrun Müller.

Leeste - Von Angelika Kratz. Unter dem Motto „Herausforderung Fundamentalismus“ stand das Weyher Frauenfrühstück am Sonnabend im Leester Restaurant Ribecca.

Bevor Pastorin Gudrun Müller das Mikrofon ergriff, galt es, ausgiebig an den liebevoll eingedeckten und mit Brötchen, Rührei, Wurst, Käse und süßen Verführungen bestückten Tischen zuzufassen. Wie stets gab es für jeden Gast eine kleine Aufmerksamkeit. Fische zum Aufhängen hatte Gertrud Wolff aus Papier gebastelt, die ein freudiges Lächeln auf die morgendlichen Gesichter zauberten. Nicht fehlen durfte der Büchertisch für große und kleine Leseratten, und die Weyher Gruppe der Kindernothilfe bot dort ihre Geschenketütchen „15 Minuten Advent“ zum Kauf an. Für heitere musikalische Unterhaltung sorgten die „Singperlen“. Mitgebracht hatte das frauliche Quartett aus Astrid Johrend, Susanne Wagner, Birgit Schramm und Eva Rölker-Pruschka freche Lieder, die genau den richtigen Kontrapunkt zum späteren Vortrag setzen sollten.

Großer Beliebtheit erfreuen sich die regelmäßigen, von den Kirchengemeinden in ökumenischer Zusammenarbeit organisierten Frühstückstreffen. Zum einen bieten sie grundsätzlich die Möglichkeit zum geselligen Zusammensein und zum anderen an einem Sonnabendmorgen die Gedanken mal nicht um Wochenendeinkäufe schweifen zu lassen, sondern den Fokus auf ein ganz besonderes Thema zu lenken.

Pastorin Gudrun Müller hat sich ein Thema ausgesucht, das angesichts jüngster Ereignisse voller Brisanz steckt. Die rund 70 Zuhörerinnen rückten ihre Stühle in die richtige Position, um nicht nur die morgendliche Referentin zu hören, sondern auch besser sehen zu können.

„Fundamentalismus ist nichts, was auf bestimmte Religionen oder Kulturen beschränkt ist“, ordnet Gudrun Müller das Phänomen als Strömung in allen Kulturkreisen ein. Der Begriff sei zwischen 1910 bis 1915 aufgetaucht. Eine christliche Gruppierung in den USA hatte eine Schrift zur buchstäblichen Wahrheit der Bibel herausgebracht. „Eine Gegenkultur zur Kultur der Moderne“, sei der Fundamentalismus im Jahr 2015 geworden. Die Rückbesinnung auf frühere Urformen mit starrer Hierarchie stehe im Gegensatz zur modernen Demokratie und der Freiheit des eigenen Denkens.

Die große Chance individueller Entwicklung bedeute gleichzeitig eine ebenso große Krise der Traditionen, denn alte Geborgenheiten gehen damit verloren. „Was sicher war, bricht weg und bietet besten Nährboden für Ideologien.“ Viele Menschen hätten keine Orientierung mehr, Verunsicherung mache sich breit und die Sehnsucht nach einem, der sagt, was zu tun ist, würde wachsen, so Müller. „Es ist verführerisch, wenn jemand sagt, wo es lang geht.“ Gudrun Müller hat aber nicht nur die Hintergründe beleuchtet, sondern hatte auch Ansätze für Lösungswege mitgebracht. „Den Nährboden entziehen, globale Verantwortung übernehmen, die eigene egozentrische Perspektive aufgeben, Grenzen öffnen und nicht nur den Wohlstand genießen“, gab es gleich einen ganzen Katalog von Maßnahmen.

Zudem sei wichtig einen eindimensionalen Tunnelblick auf das Weltbild zu vermeiden, andere Wahrheiten nicht nur zu tolerieren, sondern anzuerkennen. „Seien Sie misstrauisch gegenüber einfachen Antworten, hinterfragen Sie, kommen Sie selber ans Denken und nehmen Sie den dadurch gewonnenen Reichtum wahr“.

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