Verwaltungsvorstand wieder komplett

„Frank Seidel 1.0“ übernimmt das Ruder im Weyher Rathaus

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Bürgermeister Weyhe Frank Seidel spricht mit seinen Fachbereichsleitern.

Weyhe - Für die Erste Gemeinderätin Ina Pundsack-Bleith ist die Doppelbelastung vorbei: Seit der Beurlaubung von Andreas Bovenschulte am 5. Juni hatte das Weyher Rathaus für exakt 169 Tage keinen vollständigen Verwaltungsvorstand mehr. Wie berichtet hatte am Donnerstag Frank Seidel sein Amt angenommen und stürzt sich jetzt in die Arbeit.

„Der Job des Bürgermeisters ist keiner, den man in 40 Stunden pro Woche ausübt“, erklärt Ina Pundsack-Bleith. Es sind in Wirklichkeit 60 Stunden und manchmal sogar noch viel mehr. Aber sie habe großen Spaß. „Ich arbeite gerne für die Gemeinde.“ Als Bovenschulte in Weyhe noch im Amt war, teilte sich Pundsack-Bleith die Termine mit dem Bürgermeister. 

Seit Anfang Juni musste Pundsack-Bleith eine „zusätzliche Arbeitsverdichtung“ wegstecken. Die Erste Gemeinderätin erklärt, dass aber der Verwaltungsvorstand nicht nur das Rathaus leiten muss, sondern Repräsentationsverpflichtungen ebenso wahrnehmen muss wie Gremien- und Verbandsarbeit, in denen die Gemeinde ihr Stimmrecht wahrnimmt. Wie soll das gehen, wenn eine Person an der Spitze fehlt und die Last auf ihren Schultern ruht? 

Seidel: Das Rathaus ist leistungsfähig

Manchmal war Pundsack-Bleith für die Gemeinde mal nur einen Nachmittag, mal zwei Tage am Stück außer Haus. Und die eigentliche Arbeit? Die wurde auf den Abend oder aufs Wochenende verlegt, so Pundsack-Bleith. „Ich ziehe den Hut“, kommentierte Bürgermeister Frank Seidel. Er zollt Pundsack-Bleith, den Führungskräften im Rathaus und in den Außenstellen großen Respekt für das Verständnis einer eng getakteten und straff durchgezogene Terminbewältigung.

Bürgermeister Weyhe Frank Seidel spricht mit seinen Fachbereichsleitern.

Das Rathaus ist leistungsfähig, stellt Seidel fest. Er sei überzeugt davon, dass es so weitergeht. Seine nächsten Schritte im Amt? „Auch wenn ich nicht aus der Verwaltung komme, sind mir viele Sachen nicht fremd“, so Seidel. Die nächsten Tage und Wochen will Seidel in erster Linie mit Zuhören verbringen. Dass Entscheidende sei, dass man zu einem Problem mehrere Seiten hört und dann gemeinsam im Team eine Entscheidung trifft. 

Einzelgänge wird es mit ihm nicht geben, kündigte der Bürgermeister an. „Kontrolle ist gut, Vertrauen ist besser“, lautet sein Motto. Im Wahlkampf und auch in den Tagen nach seiner Wahl hätten ihm „unfassbar viele Menschen“ nicht nur gratuliert, sondern auch konkrete Wünsche geäußert. Es ging zum Beispiel um Fragen der Bebauung und um Erschließungsverträge, um zwei Beispiele zu nennen. „Das ist völlig ok und normal“, kommentiert Seidel. Man müsse nur schauen, was geht, und was nicht. Er führt als weiteres Beispiel den Sanierungsbedarf verschiedener Feuerwehrgerätehäuser an. Das Erfordernis sei da. Eine Umsetzung sei im Moment schwierig.

Frank Seidel will Vorgängern nicht nacheifern

Wer Frank Seidel reden hört, merkt, dass er niemandem nacheifert – auch nicht den vergangenen Bürgermeistern. Er orientiere sich weder an Edmund Irmer, Reinhard Osterloh und Frank Lemmermann noch an Andreas Bovenschulte. Alle Vorgänger hätten ihre Qualitäten gehabt, so Seidel. Der neue Verwaltungschef will eigene Akzente setzen – eben als „Frank Seidel 1.0“. Er will versuchen, „gute Sachen zu übernehmen“, wobei er „nicht Gitarre spielen“ kann. 

Seidel verspricht, sich „volle Möhre reinzuhängen“ und weiß: „Es wird auch mal Fehler geben.“ Für seine Amtszeit bis 2026 kündigte er an: „Ich werde mich anstrengen.“ Ideen für Weyhe habe er schon. So könnte der Name Louise Ebert prominenter in Erscheinung treten. Seidel überlegt, ob er nicht vorschlägt, das neue Kultur- und Bildungszentrum Louise-Ebert-Bibliothek zu benennen. Bis das geklärt wird, wird noch Zeit vergehen.

Hier geht's zum Wahlergebnis: Frank Seidel ist jetzt im Amt - mehr als 7000 Stimmen hat er für sich gewinnen können.

Bürgermeister-Zimmer wird nicht Grün-Weiß sein

Schneller geht es, seinen Arbeitsplatz, das Bürgermeister-Zimmer, einzurichten. Dort hat Seidel bereits ein Bild seines Vorgängers abgehängt. Es hatte seiner Meinung nach einen zu depressiven Eindruck gemacht. Ob ihm die weißen Wände gefallen, oder er sich ein wenig (grüne) Farbe wünscht? Nein, ein Bürgermeister-Zimmer in Grün-Weiß wird es nicht geben, sagt der SC-Weyhe-Fußballtrainer und Werder-Bremen-Fan. Möglicherweise schenkt seine Familie ihm aber ein Werder-Bild zu Weihnachten.

Wie wird der Verwaltungschef künftig unterwegs sein? Übernimmt er den Dienstwagen von Bovenschulte? Wie Ina Pundsack-Bleith erläuterte, sei für den letzten Bügermeister-Wagen der Leasing-Vertrag im Sommer ausgelaufen. Seidel bekommt nach eigenem Wunsch ein Hybrid-Fahrzeug mit Elektroauto-Kennzeichen. Doch der Verwaltungschef setzt auch – seiner Gesundheit zuliebe – auf ein ganz anderes Verkehrsmittel: aufs Rad. War es gestern Morgen noch kaputt, hatte Seidel schon mittags das Vorderrad „flott repariert“. So radelte er bereits am Nachmittag – an der frischen Luft – zum Rathaus. Für die Strecke von Kirchweyhe bis zum Rathaus benötigte er gerade mal sieben Minuten.

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