Ausschuss für B-Pläne für Supermarkt an der Ladestraße und Gewerbe an der B 6

Fortzug von GS agri als "Chance zur Neuorientierung"

Historisch, aber ohne Funktion: Die Gebäude von GS agri werden in einigen Jahren abgerissen. Das gilt aller Voraussicht nach laut Bürgermeister Bovenschulte auch für den orangefarbenen Bau. - Foto: jeh

Weyhe - Von Philipp Köster. Der Bauausschuss hat in seiner Sitzung am Dienstagabend den Aufstellungsbeschluss für die Ansiedlung eines Supermarkts an der Ladestraße im Leester Zentrum befürwortet. Die Grünen enthielten sich der Stimme. Ebenso gaben die Gremiumsmitglieder einem Aufstellungsbeschluss für einen Bebauungsplan (B-Plan) ihren Segen, der am Ende zu einem zweiten Gewerbegebiet in Melchiorshausen an der B 6 führen soll. Wie berichtet, hängen beide Verfahren zusammen. Denn das landwirtschaftliche Unternehmen GS agri will Leeste verlassen und sich an der Bundesstraße ansiedeln.

„Im Ortskern passieren viele Dinge, es geht Schlag auf Schlag“, stellte Baudirektor Steffen Nadrowski die beiden Themen in den Gesamtzusammenhang der Sanierung Leestes. Zuvor hatten die Ausschussmitglieder über die Gestaltung des Henry-Wetjen-Platzes beraten, übrigens unter den Augen von vielen interessierten Bürgern – selbst oben auf der Empore –, die sich mit zahlreichen Beiträgen und Fragen rege an den Tagesordnungspunkten beteiligten.

Nadrowski skizzierte das Vorhaben: Demnach soll im Parallelverfahren, das heißt mit Änderung des Flächennutzungsplans, Baurecht für einen Vollsortimenter geschaffen werden, der sich auf 2 500 Quadratmetern östlich des Bahnhofs ansiedeln möchte. Nach Informationen dieser Zeitung handelt es sich um einen Famila-Markt, den die Kieler Nordost-Gruppe projektiert (wir berichteten). Dazu sollen die zum Teil ungenutzten Gebäude von GS agri (ehedem Mühle Landwehr) verschwinden. Eine noch bestehende Teilaltlast würde ebenso komplett „beräumt“, ergänzte Stadtplaner Christian Silberhorn.

Bürgermeister Andreas Bovenschulte stellte in Aussicht, dass auch der orangefarbene Turm nördlich der Kleinbahnlinie weichen werde, der nicht auf dem Plangebiet steht.

Zuhörerin Kerstin Daneke kritisierte die geplante Ansiedlung des Supermarkts „direkt neben der Schule, nachdem gerade erst die Mensaversorgung neu geregelt worden ist“. Zudem würde die Zunahme des Verkehrs ein hohes Konfliktpotenzial bergen. Ähnlich auch Holger Opitz von der Agenda 21-Gruppe: Der Radverkehr erfolge an der Leester Straße im Zweirichtungssystem, das berge an der Einmündung zur Ladestraße Gefahren. „Eine Unfallstelle sondergleichen droht, weil dann zehn Mal so viele Autos dort fahren.“ Vergleichbar gefährlich sei schon jetzt die Situation bei Rewe in Erichshof und bei Edeka in Kirchweyhe.

„Ladestraße wird komplett überplant“

Silberhorn und Nadrowski sagten, das Thema Verkehr werde sehr ernstgenommen. Ein entsprechendes Gutachten sei „auf die Reise geschickt“ und eine Machbarkeitsstudie geplant. „Die Ladestraße wird es so wie jetzt nicht mehr geben. Sie wird komplett überplant. Irgendwann wird ja auch noch die Line 8 kommen“, so Silberhorn. Nadrowski versicherte zudem, im weiteren Verfahren würden alle Nutzungen und Belange aufeinander abgestimmt. „Die Siedlungsstruktur ist stark genug, mögliche Konflikte im Zuge der Bauleitplanung und des Sanierungsgeschehens zu lösen“, ist sich Fachbereichsleiter Nadrowski sicher.

Bürgermeister Bovenschulte bezeichnete die Anwesenheit eines Unternehmens wie GS agri mitten im Ortskern mit dem damit einhergehenden Verkehrsaufkommen landwirtschaftlicher Fahrzeuge als „schräg. Das Betriebsgelände mutet auch nicht ästhetisch an. Jetzt gibt es die Möglichkeit, das historisch Gewachsene, aber disfunktional Gewordene neu zu ordnen“.

Das mochte Annika Bruck von den Grünen nicht so sehen. GS agri im Ortskern sei zwar nicht schön, aber 52 Wochen Autoverkehr im Jahr seien auch nicht besser als vier Wochen Traktorenlärm. Zudem passe der Supermarkt nicht zur geplanten Haltestelle der Linie 8. „Man sollte dort etwas entstehen lassen, was zur Straßenbahn passt.“ Woran sie dabei dachte, sagte sie aber nicht.

Die anderen Fraktionen begrüßten die Pläne. Zwar sei die ehemalige Mühle Landwehr mit ihren charakteristischen Plänen ein weithin sichtbares Wahrzeichen Leestes, doch es handele sich nunmal seit Jahren um eine Industriebrache, stellte Günther Borchers (FDP) heraus. Frank Seidel (SPD) betonte, es gehe um den ersten Schritt. Konkretes sei noch zu besprechen, auch die Verkehrsproblematik. „Der Supermarkt steht da noch gar nicht.“

Zuvor muss erst einmal GS agri umgezogen sein. Das Unternehmen mit Hauptsitz in Schneiderkrug bei Cloppenburg will an die B6, allerdings nicht wie vor Jahren geplant, in den Handwerkerhof westlich der Bundesstraße, sondern – wie ebenfalls berichtet – östlich davon und südlich des Kuhwegs. Baurecht soll nach dem Willen der Verwaltung aber laut Nadrowski auch für kleinere und mittlere Unternehmen geschaffen werden.

Anwohner haben Bedenken

Eine Anwohnerin äußerte ihre Bedenken. „Wir sitzen auf der Terrasse, und es staubt“, fürchtete sie den Anlieferverkehr. Nadrowski konnte aber in Aussicht stellen, dass die Erschließung nicht über den Kuhweg erfolgt. Vielmehr müsse eine neue Stichstraße der Gemeinde von der B 6 zum Gewerbegebiet hinführen, ähnlich wie im Handwerkerhof.

SPD, CDU und FDP begrüßten die Pläne, würdigten den damit ermöglichten Umzug von GS agri und die Chance, dass sich kleinteiliges Gewerbe ansiedelt. „Wir wollen ja schließlich auch Gewerbesteuer und Arbeitsplätze haben“, sagte Christdemokratin Ingrid Söfty.

Annika Bruck kündigte für die Grünen abermals eine Enthaltung an, stimmte aber mit Parteikollegin Hannelore Roitsch-Schröder sogar gegen den Plan, während sich der Ausschussvorsitzende und Grünen-Fraktionschef Elmar Könemund tatsächlich enthielt. Es würden mit dem B-Plan vielmehr Flächen für Gewerbe überplant als GS agri benötige, sagte Bruck. Es sollten lieber Brachen gelassen werden.

Mehr zum Thema:

Fünf Tote bei Zug-Inferno in Bulgarien

Fünf Tote bei Zug-Inferno in Bulgarien

Tanks explodiert: Fünf Tote bei Zug-Inferno

Tanks explodiert: Fünf Tote bei Zug-Inferno

Verdener Weihnachtszauber

Verdener Weihnachtszauber

Zehntausende durch Erdbeben in Indonesien obdachlos

Zehntausende durch Erdbeben in Indonesien obdachlos

Meistgelesene Artikel

Festnahme am Diepholzer Bahnhof

Festnahme am Diepholzer Bahnhof

Bundesweites Interesse an Diepholz

Bundesweites Interesse an Diepholz

Grausiger Fund auf der Rinderweide

Grausiger Fund auf der Rinderweide

Kommentare