Skeptische Prognosen

Folge der Holzmarkt-Krise: Gartenmöbel bis 40 Prozent teurer

Die Situation auf dem Holzmarkt scheint sich zu beruhigen. Das Handwerk wie auch Baumärkte rechnen jedoch mit erneuten Verzögerungen und Preisanstiegen für das kommende Jahr.
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Die Situation auf dem Holzmarkt scheint sich zu beruhigen. Das Handwerk wie auch Baumärkte rechnen jedoch mit erneuten Verzögerungen und Preisanstiegen für das kommende Jahr.

Vor leeren Holzregalen und nie da gewesenen Preisen für Holz standen Handwerker, Tischler und Häuslebauer Mitte dieses Jahres. Ein halbes Jahr nach der Holz-Krise in Deutschland zeichnet sich eine Entspannung auf dem Markt ab.

Landkreis Diepholz – Händler und Tischler aus dem Landkreis Diepholz sprechen jetzt von einer „Ruhe vor dem Sturm“ und sagen eine erneut angespannte Situation für das kommende Jahr voraus.

Frank Köster, Marktleiter vom BBM Baumarkt Bassum, erklärt auf Anfrage, dass sich die Preissituation im „Bauholz“-Bereich in den vergangenen Wochen im Allgemeinen etwas entspannt habe. „Es sind jetzt nicht horrende Preissenkungen zu verzeichnen, dennoch scheint sich die Preiskurve etwas zu beruhigen.“ Dies sei allerdings nur eine Momentaufnahme. „Es kann auf keinen Fall von einer dauerhaften Entspannung gesprochen werden.“

BBM-Baumarkt Bassum: Holz-Knappheit, hohe Frachtkosten, Borkenkäfer

Die weiterhin hohen Holz-Preise würden zum einen an der globalen Holz-Knappheit liegen, an den immer höher steigenden Frachtkosten und zum anderen aber auch am Befall vieler Bäume durch den Borkenkäfer.

Manche Artikel, wie zum Beispiel Dachlatten und Kanthölzer waren zwischendurch fast komplett ausverkauft. Sieht die Lage hier inzwischen etwas entspannter aus, wird sie sich im Bereich der Grobspanplatten und Spanplatten wieder verschärfen“, so der Marktleiter.

Gründe dafür seien die immer noch knappe Verfügbarkeit und „sicherlich auch diverse ,Hamsterkäufe‘ großer ,Platzhirsche‘“.

Was jetzt aber schon absehbar sei, wäre die Tatsache, dass sich die Preise für Gartenholz und auch für Gartenmöbel im kommenden Jahr zwischen 20 bis 40 Prozent erhöhen werden. „Daher wäre es für alle Endverbraucher ratsam, sich, wenn möglich, nun schon mit Holz für das Frühjahr einzudecken.“

Leymann-Baustoffe Sulingen: Vergleichbare Entwicklung des Holzmarkts in 40 Jahren nicht erlebt

Wolfgang Henke, Mitarbeiter im Bereich Einkauf bei Leymann-Baustoffe in Sulingen: „Der Holzmarkt ist in diesem Jahr drastisch in Bewegung geraten. So etwas habe ich in den vergangenen 40 Jahren nicht erlebt. Mittlerweile hat sich der Markt aber wieder beruhigt.“

Aktuell sei noch ein Preisanstieg von rund 20 Prozent zu verzeichnen. „Den alten Preiskurs wird man nicht wieder erreichen können“, meint Henke.

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Der erfahrene Mitarbeiter spricht aktuell von einer „Harmonisierung“ auf dem Holz-Markt. Lieferzeiten hätten sich wieder verkürzt. Es gebe aber weiterhin Bereiche, die eingeschränkt seien: „Holzfaserplatten und Dämmmaterial für Dachstuhl-Arbeiten kommen nicht nach. Die Nachfrage ist immens hoch. Diese Probleme dürften bis Mitte nächsten Jahres auch noch anhalten.“ Andere Konstruktionshölzer seien hingegen wieder normal erhältlich.

Prognosen für das kommende Jahr sieht Henke schwierig. „Die Zeichen deuten darauf hin, dass der Holz-Export in die USA wieder ansteigen soll. Damit würde auch ein Preisanstieg bevorstehen. Auch die hohen Energiekosten beim Transport dürften Einfluss auf den Holzmarkt haben. Jedoch nicht so extrem wie in diesem Jahr.“

Tischler-Innung Diepholz: Ruhe vor dem Sturm

Nicole Rohlfs, Obermeisterin der Tischler-Innung Diepholz, fing einige Einschätzung zur aktuellen Situation auf dem Holzmarkt bei Tischler-Kollegen ein und fasst diese zusammen: „Es gibt ein großes Hin und Her auf dem Holzmarkt. Die Situation lässt sich daher schwer in Worte fassen, denn es gibt viele Bereiche in der Holzbranche und jeder Bereich hat seine eigenen Tücken zu bewältigen.“

Ein gutes Beispiel sei der Saunabereich. In der Coronazeit hätten viele in ihr Eigenheim investiert, weil sie nicht in den Urlaub gefahren sind. Da sei der Wunsch nach einer eigenen Sauna hoch im Kurs gewesen. Demnach sind in diesem Bereich die Verfügbarkeiten des Schnittholzes einiger Holzarten, die dafür benötigt werden, mehr als eingeschränkt.

Aktuell sei es auf dem Holz-Markt etwas ruhiger geworden, allerdings habe dies einen „die Ruhe vor dem Sturm“-Charakter, so Rohlfs. Es werden bereits erste Prognosen gestellt, dass der Preis zum 1. Quartal 2022 wieder steigen soll.

Preise aller Produkte, die importiert werden, steigen noch immer stetig an, da die Containerfrachten überdurchschnittlich hoch sind und die Kosten auf die Ware umgelegt werden. Die Lieferzeit vieler Produkte wie Türen nehmen noch immer nicht ab. „Die Herausforderung besteht in der Beschaffungslage – sprich Preis und Verfügbarkeit müssen in einem guten Verhältnis stehen, damit die Geschäfte weitergeführt werden können. Dies ist der Fall, allerdings ist es in stürmischen Zeiten wie diesen, noch schwerer ,richtig‘ einzukaufen“, so Rohlfs.

Tischler Nord: Insbesondere Preis höherwertiger Hölzer steigt deutlich

Aktuell sei der Preis für Rundhölzer relativ stabil, wohingegen die höherwertigen Hölzer, welche für den Sarg- oder Fensterbau verwendet werden, wieder deutlich im Preis gestiegen sind, erklärt der Verband des Tischlerhandwerks Niedersachsen/Bremen „Tischler Nord“.

Der Verband: „Die größte Herausforderung wird sein, die Holzbestände im Zuge des Klimawandels nachhaltig zu schützen. Im kommenden Frühjahr muss durch eine angemessene Vorrats- und Einkaufsplanung vermieden werden, dass durch starke Verknappung der Bestände die Preisentwicklung ähnlich stark wird, wie es im letzten Frühjahr der Fall war.“

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