Ostdeutsches Gefährt erinnert an Bahnhistorie

Förderverein der Kirchweyher Museumslok feiert 20-jähriges Bestehen

+
Erinnerungsfoto vom ersten Arbeitseinsatz an der Lok im Juli 1999. - Fotos/Repros: Meyer

Kirchweyhe - Als 1967 nach der Elektrifizierung der Bahnstrecke Bremen-Ruhrgebiet die letzte Dampflok aus Kirchweyhe „abgestellt“ wurde – so nennt man das Ausmustern einer Lok – endete damit auch die örtliche Eisenbahnära. Knapp 1 500 Menschen hatten in der Blütezeit um 1920 Arbeit gefunden und damit die einstige Einwohnerzahl des Dorfs Kirchweyhe fast verdoppelt.

Dutzende alter Loks standen danach auf den Abstellgleisen des früheren Bahnbetriebswerks, rosteten vor sich hin und warteten auf die Verschrottung. Niemand kam auf die Idee, einen dieser stählernen Zeugen der Kirchweyher Eisenbahngeschichte zu erhalten. Es wäre ein Leichtes gewesen, sich die beste der alten Loks auszusuchen und sie in der Bahnhofsgegend als museale Erinnerung aufzustellen. Vor allem eine der „Sputniks“, so nannte man die Franco-Crosti-Loks der Baureihe 50, wäre eine typische Kirchweyher Lok gewesen.

Erst im Sommer 1998 entwickelte eine kleine Gruppe auf Anregung des Kirchweyher Landwirtes und stellvertretenden Bürgermeisters Hermann Ahrens Aktivitäten, das seit gut drei Jahrzehnten Versäumte nachzuholen. Karl-Heinz Stickan, einem früheren Eisenbahner, gelang es schließlich, eine Güterzuglok ausfindig zu machen. In den alten Bundesländern hatte er keinen Erfolg. Erst im Bahnbetriebswerk Staßfurt, südlich von Magdeburg gelegen, hatte er Glück.

Beim Kauf musste es schnell gehen

Nachdem er, Hermann Ahrens, Rolf Engelhardt und Wilfried Meyer die Lok 50 3562-1 am 29. März 1998 besichtigt hatten, schloss Stickan rasch einen Kaufvertrag ab. Ein Berliner Eisenbahnverein hatte nämlich ebenfalls starkes Interesse am Erwerb. Ohne seine private Initiative wäre sie „weg gewesen“. Diese Lok der Baureihe 50 war 1941 von der Firma Schichau in Elbing (Westpreußen) erbaut worden. Sie war nur in Ostdeutschland gefahren und hatte bis zum 16. Juni 1983 fast 2,8 Millionen Kilometer gelaufen. Zuletzt diente sie noch eine Zeit lang als Heizlok, ein Fahrbetrieb lohnte sich nicht mehr.

Altes Foto aus der aktiven Zeit der Weyher Dampflok. Es entstand um 1980 auf dem Bahnhof Blumenberg in Sachsen-Anhalt.

Ende August 1998 zog eine Diesellok das gute Stück nach Kirchweyhe, bei der Firma RBS wurde sie sandgestrahlt und grundiert. Am 15. Oktober 1998 gründete sich der „Förderverein Museumslok Weyhe“, dessen Mitglieder sich um die Restaurierung und den Erhalt von Fahrzeugen und Erinnerungsstücken der Kirchweyher Eisenbahnzeit kümmern.

Unzählige Arbeitsstunden investiert

In unzähligen Arbeitsstunden haben sie die alte Lok wieder auf Vordermann gebracht. Frühere Lokführer und Eisenbahnfreunde verbringen viele Stunden mit Rostklopfen, Schrauben, Schweißen, Lackieren und Montieren. Sie kennen „ihre“ Lok von innen und außen.

Mit eigener Kraft wird sie allerdings nie wieder fahren können. Der hohe finanzielle Aufwand dafür wäre nicht vertretbar. Der Kaufpreis und die ersten angefallenen Materialkosten wurden durch eine großzügige Spende der Kreissparkasse Syke an die Gemeinde Weyhe abgedeckt. So gehört die Lok allen Weyher Bürgern.

Erste Begegnung mit der Lok in Staßfurt im April 1998. Das Bild zeigt (v.l.) Karl-Heinz Stickan, Hermann Ahrens, Rolf Engelhardt und Wilfried Meyer.

Bald danach kamen sogar noch vier alte Personen- und Güterwagen hinzu. Sie dienen als Cafe-, Werkstatt- und Ausstellungswagen. Der Älteste stammt ebenfalls aus dem Jahre 1941. Bis 2008 standen die alte 50er und die Wagen auf dem Gelände des früheren Bahnbetriebswerkes. Seit dem 10. Mai 2008 haben sie ihren endgültigen Platz in der Nähe des Bahnhofs, vor einem alten Gebäude der früheren Bahnmeisterei. Das hatte der Verein erworben und in Eigenleistung restauriert. Neben Aufenthalts- und Werkstatträumen entstand dort das „Weyher-Kultur-Gleis“ – ein Veranstaltungsbereich, in dem auch Ausstellungen, Konzerte und Vorträge über die Bühne gehen.

Als Baudenkmal eingetragen

Die Weyher Dampflok ist ein eingetragenes technisches Baudenkmal und hat sich längst zu einem Vorzeigeobjekt der Gemeinde entwickelt. Unzählige Gruppen besuchen die museale Erinnerung an die örtliche Eisenbahngeschichte.

• Für Sonntag lädt der Verein zwischen 11 und 17 Uhr zu einem kleinen Fest anlässlich des 20-jährigen Bestehen des Fördervereins ein. Neben einem Kinderprogramm und musikalischer Unterhaltung zeigt Gemeindearchivar Wilfried Meyer einen Bildervortrag zur Kirchweyher Eisenbahngeschichte und der Dampflok. Danach präsentiert Filmemacher Wolfgang Wortmann den kürzlich produzierten Weyher Eisenbahnfilm. Die Gäste können sich an Getränken und Bratwurst laben. - wm

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Historischer Tag: Frauen dürfen in Saudi-Arabien Auto fahren

Historischer Tag: Frauen dürfen in Saudi-Arabien Auto fahren

The Prodigy am Samstag auf dem Hurricane

The Prodigy am Samstag auf dem Hurricane

Hurricane: Die Acts am Samstag

Hurricane: Die Acts am Samstag

"Pure Erleichterung" bei Löw-Team

"Pure Erleichterung" bei Löw-Team

Meistgelesene Artikel

Unbewohntes Gebäude in Maasen gerät in Brand

Unbewohntes Gebäude in Maasen gerät in Brand

Lebensgefährliche Überholmanöver in Heiligenrode

Lebensgefährliche Überholmanöver in Heiligenrode

Rabatt in Höhe von 15 Prozent für MIA-Einwohnerticket

Rabatt in Höhe von 15 Prozent für MIA-Einwohnerticket

14 Tage Schonfrist für Dauerparker

14 Tage Schonfrist für Dauerparker

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.