Verwaltung gibt Überblick über Integration

452 Flüchtlinge leben in der Wesergemeinde

Astrid Friedmann berichtet über die Arbeit der Stabsstelle. - Foto: Schritt

Weyhe - Von Sigi Schritt. Wieviele Flüchtlinge gibt es derzeit in Weyhe? Wo sind sie untergebracht? Welche Prinzipien verfolgt die Gemeinde bei der Integration? Antworten auf diese Fragen haben sowohl Bürgermeister Andreas Bovenschulte als auch die Leiterin der Stabsstelle für Integration, Astrid Friedmann, und weitere Rathausmitarbeiter am Mittwochabend im Ausschuss für Ordnung und Soziales gegeben.

Laut Udo Petersohn vom zuständigen Fachbereich leben in allen Ortstteilen der Wesergemeinde exakt 265 geflüchtete Frauen und Männer aus rund 20 Nationen mit 125 Kindern und 62 Jugendlichen. Die meisten stammen aus Syrien (21,5 Prozent), Afghanistan (18 Prozent) und dem Irak (14 Prozent),

Die Verwaltung hat die Flüchtlinge an 58 Standorten untergebracht – davon sind 27 angemietet. 31 Häuser gehören der Gemeinde. „Es sind Objekte mit zwei bis drei Wohneinheiten“, erklärte Petersohn. Die vom Land an Weyhe gestellte Quote von 683 Menschen sei gültig, deshalb müsse die Verwaltung noch Wohnraum für weitere 231 Flüchtlinge beschaffen. Der Fachbereich verfüge außerdem über eine freie Spitze für 104 Wohnplätzen, die innerhalb von zwei Wochen bezugsfertig seien. Dennoch sei die Gemeinde an weiteren Wohnungen interessiert.

Den Schutzsuchenden zur Seite stehen unter anderem der Integrationsbeauftragte Esref Kizilkara und die -lotsen Wahid Heydari, Dina Badwan und Remla Menge-Colpa. Sie zeigen regelmäßig Präsenz in den Wohnungen, vermitteln bei etwaigen Nachbarschaftsstreitigkeiten und kontrollieren auch den baulichen Zustand und das Verhalten in den Unterkünften. Wer sich frühzeitig kümmert, entschärfe so manches Problem, sagte Petersohn.

Astrid Friedmann berichtete, dass die Deutschkurse sehr stark nachgefragt würden. Einige Interessenten müssten zuvor Lesen und Schreiben lernen. Um diese gewaltige Aufgabe kümmerten sich die Sprachförderklassen der KGS Kirchweyhe, der KGS Leeste und der BBS Syke, die Volkshochschule und das Lernstudio Weyhe. Als eine zarte Pflanze bezeichnete Friedmann die Anfänge der ehrenamtlichen und privaten Aktionen, die jetzt anlaufen. Die Organisation Rotary habe Akzente gesetzt, indem Flüchtlinge das Alltagsleben in der Region beispielsweise als Gäste Weyher Familien kennenlernen.

Ausbaufähig sei die Akzeptanz der Krippen. Der Besuch von Kindern im Alter bis drei Jahren sei im Hinblick auf die ethnische Herkunft der Familien unüblich. Allerdings sei eine frühe Betreuung wünschenswert. Dagegen liegt die Quote für die Kinderbetreuung zwölf Monate vor Schulbeginn bei über 50 Prozent. Die Tendenz ist steigend, vermeldete Friedmann.

Für den Ausschuss und die Zuschauer verkündete der Bürgermeister die fünf Prinzipien: 1. Integration ist eine Aufgabe für alle Lebensbereiche. 2. Sie muss von Anfang an erfolgen, also für die, die ihren gewöhnlichen Aufenthalt in Weyhe haben. 3. Die Gemeinde stellt die Rahmenbedingungen. Die Flüchtlinge müssen die Chancen ergreifen und vor Diskriminierung geschützt werden. 4. Integration ist eine gesamtstaatliche Aufgabe. 5. Integration ist nicht zum Nulltarif zu haben. Gesellschaftliche Probleme werden nicht nur verhindert, es entstehe eine Wertschöpfung.

Die Vertreter aller Parteien lobten die Anstrengungen der Verwaltung. Daher sei die Situation der Flüchtlinge laut Berthold Groeneveld (SPD) „bei uns unaufflällig“. Claus-Peter Wessel (CDU) dankte insbesondere der Stabsstelle. „Was die Verwaltung und die Ehrenamtlichen leisten ist toll“, wertete Hannelore Roitsch-Schröder (Grüne). Im Vergleich zu anderen Kommunen sei Weyhe sehr gut aufgestellt. Wichtig sei die Eingliederung der Menschen, so der Landtagsabgeordnete und Kommunalpolitiker Marco Genthe (FDP).

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