Kirchweyherin Jana Jeske macht sich für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf stark

„Firmen können nicht anders, denn Mitarbeiter fordern es“

+
Jana Jeske will die Ressourcen von Beschäftigten stärken.

Kirchweyhe - Von Philipp Köster. Gut ausgebildet, ein paar Jahre gearbeitet, dann kommen die Kinder – und das war es mit der beruflichen Karriere der jungen Mutti. Zwar etwas verknappt dargestellt, bildet diese Kurzbiografie doch die Wirklichkeit vieler Frauen ab. Das muss nicht sein, findet zumindest die Kirchweyherin Jana Jeske.

Die 34-Jährige hat sich das Thema Vereinbarkeit von Familie und Beruf auf die Fahnen geschrieben. Aber nicht abstrakt, sondern zunächst am eigenen Beispiel. Schon kurz nach der Geburt ihres Sohnes im Jahr 2007 hat Jana Jeske wieder angefangen zu arbeiten, nach acht Wochen fünf Stunden, nach drei Monaten zehn Stunden, nach einem halben Jahr 20 Stunden in der Woche. Rückhalt bekam sie bei ihrem Chef: „Er sagte nur, Hauptsache sei, dass ich schnell wieder komme“, erinnert sie sich. Auch als sie binnen kurzer Zeit wieder schwanger wurde und ihre Tochter gebar, änderte das nichts an der vom Arbeitgeber gewährten und gewünschten Vereinbarkeit von Arbeit und Familie für die gelernte Kauffrau.

Hinter Jana Jeske stand nicht nur ihre Firma, der Immobiliendienstleiter Interhomes in Bremen, sondern auch ein Betreuungsnetz: Ihr damaliger Mann ging in Elternzeit, die Mutter half, und die Kindern kamen in die Tagespflege sowie in die Kita Regenbogenland ihres früheren Wohnorts Barrien.

Bald arbeitete sie wieder bis zu 35 Stunden in der Woche. Die 34-Jährige konnte sich die Stunden flexibel einteilen und schaffte in Heimarbeit, wenn die Kinder mal krank war.

Für Jana Jeske steht fest, dass heute mehr Frauen einen ähnlichen Weg einschlagen könnten. Die Entwicklung in vielen Betrieben deute darauf hin. „Flexibilität, Home office, Teilzeit 30 bis 32 Stunden als neue Vollzeit“ – das klingt für sie nicht nach utopischen Gewerkschaftsforderungen, sondern entspricht dem Trend der zunehmenden Digitalisierung und End-Zentralisierung auf dem Arbeitsmarkt. Das gelte schon heute in großen Firmen der IT-Branche. „Die Unternehmen können gar nicht anders. Denn die Mitarbeiter fordern es.“ Die Geschäftsleitung müsse Lösungen anbieten, um die Beschäftigten nicht zu verlieren. „Das Potenzial der qualifizierten Männer reicht nicht aus.“ Zudem hätten Studien gezeigt, dass Frauen, die 20 Stunden arbeiten, viel motivierter seien.

Aber auch der Mittelstand im Landkreis Diepholz könne von einem Umdenken profitieren, ist sich die in Melchiorshausen aufgewachsene Frau sicher. Dank einer Fortbildung zum Coach bietet sie Betrieben und Einzelpersonen Unterstützung bei der Entwicklung von Teilzeitmodellen an. Das macht sie inzwischen übrigens selbst als Teilzeitselbstständige. Zuletzt ist sie bei der Koordinierungsstelle für Frauen und Wirtschaft beim Kreis auf offenen Ohren gestoßen.

Für ihre Beratung hat sie ein sogenanntes Kraftressourcenmodell entwickelt. Mit dem Mitarbeiter schaut sie, wo der belastende Faktoren im Leben aushalten muss, sei es im Job oder in der Familie, die ihn womöglich zu einem Burn-Out führen. Das nennt Jeske Stresssoren. Zugleich wird benannt, was einem Halt und neue Energie gibt, Diese Ressourcen finden sich vielleicht auch im Job oder in der Familie, „etwa wenn ich mit meinen Kindern spiele.“

An einem von Jana Jeskes Vater gebauten Systemtisch stellen runde oder kantige Holzfiguren ganz plastisch diese Faktoren dar, die dem Klienten in seiner Lebenswelt begegnen, ein dicker eckiger symbolisiert vielleicht den Chef, drei runde kleine die Kinder. Nun gelte es, an den Stresssoren etwas zu verändern und die Ressourcen zu stärken. „Was will ich mehr lassen, was mehr tun? Drei, vier Sachen reichen vielleicht schon.“ Nur an einigen Stellschrauben müsse gedreht werden, um den Energiehaushalt wieder in die richtige Bahn zu lenken.

Es gehe nicht darum, das gesamte Leben zu ändern. Am Ende steht Jeske zufolge ein gelingendes Selbstmanagement, das die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ermöglicht.

www.jana-jeske.de

Mehr zum Thema:

Germanwings-Absturz: Gutachten verärgert Hinterbliebene

Germanwings-Absturz: Gutachten verärgert Hinterbliebene

Ermittler rätseln über Motiv des London-Attentäters

Ermittler rätseln über Motiv des London-Attentäters

Trotz Tragödien im Mittelmeer wächst Kritik an den Rettern

Trotz Tragödien im Mittelmeer wächst Kritik an den Rettern

Riesige Open-Air-Ausstellung: València ist Feuer und Flamme

Riesige Open-Air-Ausstellung: València ist Feuer und Flamme

Meistgelesene Artikel

Hochkarätige Akteure prügeln sich im Dreyer Sportcenter Dassbeck

Hochkarätige Akteure prügeln sich im Dreyer Sportcenter Dassbeck

Sarina Kynast wird Spargelkönigin der Samtgemeinde Kirchdorf

Sarina Kynast wird Spargelkönigin der Samtgemeinde Kirchdorf

Rettungsdienste und Polizei proben Ernstfall

Rettungsdienste und Polizei proben Ernstfall

Palliativstützpunkt: Vorstand schließt Kassenprüfer aus

Palliativstützpunkt: Vorstand schließt Kassenprüfer aus

Kommentare