Kirchenmusikdirektor Professor Matthias Eisenberg zeigt Möglichkeiten der Kuhn-Orgel / Gospelchor und Tänzerin Mareike Franz wirken mit

Finger schnellen über Tasten, Füße bewegen sich mit Tempo

Professor Matthias Eisenberg wirbelt an den Tasten, Kantorin Elisabeth Geppert zieht die passenden Register. - Foto: Goldschmidt

kirchweyhe - Von Uwe Goldschmidt. Zu einer Geburtstagsfeier der besonderen Art hatte für Freitagabend die Felicianus-Kirchengemeinde eingeladen. So boten der Geburtstag des Reformators Martin Luther am 10. November und der elfte Geburtstag der Kuhn-Orgel den Anlass für ein Konzertereignis der Extraklasse mit dem renommierten Organisten und Kirchenmusiker Professor Matthias Eisenberg. Für weitere Programmpunkte sorgten der Gospelchor Weyhe und die Tänzerin Mareike Franz.

Unter Leitung von Elisabeth Geppert hatte zunächst der Gospelchor den „Geburtstagjubilaren“ ein Ständchen gebracht. Mit einem Potpourri aus Gospelsongs wie „Here I am to worship“ oder „You can depend on me“ startete der Abend beschwingt und locker. Die Chorbegleitung am Konzertflügel übernahm gekonnt Nadine Remmers. Anschließend begrüßte Pastorin Gudrun Müller die zahlreich erschienen Gäste.

Mit Werken von Johann Sebastian Bach (1685-1750), Felix Mendelssohn Bartholdy (1809-1847) und einer Improvisation über „Nun freut euch, lieben Christen g‘mein“ zeigte der Kirchenmusikdirektor Professor Matthias Eisenberg die Möglichkeiten der Kuhn-Orgel auf und präsentierte sich wahrhaft meisterlich mit faszinierenden Nuancen auf den Manualen.

Per Beamer wurde sein Spiel auf eine Großleinwand vor dem Altar übertragen, sodass die Zuhörer jede Hand- und Fußbewegung seines beeindruckenden Spiels verfolgen konnten. Nicht nur die Finger schnellten über die Tasten, auch die temporeichen Fußbewegungen für die Bässe versetzten manchen Zuhörer in Staunen. Allerdings reichten zwei Hände und Füße nicht, um den Werken der Komponisten an diesem Abend gerecht zu werden. Auch Kantorin Geppert musste ins Geschehen eingreifen. Während Eisenberg für die Töne sorgte, war es ihre Aufgabe, blitzschnell die Notenseiten umzublättern und die passenden Register der Orgel zu ziehen. Gewaltig und majestätisch ließ Eisenberg so Felix Mendelssohn Bartholdys Sonate in A-Dur (op. 65 Nr. 3) erklingen. Als Kontrast stellte er den Mittelteil heraus, der das düstere Thema von Luthers „Aus tiefer Not“ verarbeitet.

Geboren wurde Eisenberg in Dresden und spielt bereits seit seinem neunten Lebensjahr in verschiedenen Kirchengemeinden Orgel. 1978 schloss er sein Studium an der Hochschule für Musik ab. 1980 wurde er unter Kurt Masur 1. Organist am Gewandhaus in Leipzig und war innerhalb und auch außerhalb der damaligen DDR erfolgreich künstlerisch tätig. 1986 kehrte Matthias Eisenberg von einer Tournee des Bachorchesters in die Bundesrepublik Deutschland nicht wieder in die DDR zurück.

Im Januar 2001 trat er erstmals nach 15 Jahren wieder im Leipziger Gewandhaus auf. Zwischenzeitlich wirkte er als Kirchenmusiker in Bad Homburg, Hannover und auf Sylt, wo Geppert erstmals den Kontakt zu ihm aufnahm. Seinerzeit wurde er schon bei vielen Orgelneubauten und -renovierungen als Sachverständiger herangezogen und geschätzt. Seit Ende 2012 lebt Eisenberg in Straupitz im Spreewald.

Dritte im Bunde war die Tänzerin Mareike Franz. Ihr gelang es, die Musik in Bewegung zu verwandeln. Die in Szene gesetzte Musik sei viel mehr als eine visuelle Zutat. Hoffnungen, Ängste und Sehnsüchte bekämen durch die körperliche Darstellung eine unwiderlegbare Wahrheit, beschreibt die studierte Tänzerin ihre Motivation.

„Selten hat man solch ein abwechslungsreiches Orgelkonzert gehört“, waren sich die Zuhörer einig.

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