Schauspielerin im Einsatz für die Natur

„Fridays for Future“: Filmer begleiten Klima-Aktivisten für Dokudrama

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Simona Theoharova hat Psychologie studiert und arbeitet als Schauspielerin. Sie lebt in Berlin.

Weyhe – Die Wesergemeinde im Kreis Diepholz rückt beim globalen Streik fürs Klima am Freitag in den Fokus eines weltweit operierenden Dokumentarfilm-Teams. Es dreht parallel in mehreren Städten und auf verschiedenen Kontinenten. Die Fäden für dieses Projekt laufen bei der Schauspielerin Simona Theoharova zusammen, die derzeit für Notruf Hafenkante vor der Kamera steht.

Die 32-Jährige hatte die Idee zu einem Dokudrama über Naturschutz und Klima-Aktivismus, in dem verschiedene Klima-Aktivisten porträtiert werden sollen. Es sind nicht nur Menschen in großen Städten, die für eine bessere Klimapolitik demonstrieren, sondern auch Menschen in kleineren Gemeinden wie Weyhe. Zu dieser Kommune hat die Schauspielerin deshalb eine besondere Beziehung, weil sie dort aufwuchs. Sie schloss im Jahr 2005 die Oberstufe an der Kooperativen Gesamtschule (KGS) Leeste mit dem Abitur ab. Zuletzt waren es Nachrichten über gefährdete Regenwald-Paradiese in Alaska und Bilder von brennenden Amazonas-Wäldern, die in ihr und ihren Freunden eine Sprachlosigkeit erzeugten. Dem will sie mit dem Film entgegenwirken und den Aktivisten eine Stimme geben. Unser Redakteur Sigi Schritt sprach mit der Produzentin.

Sie wollen einen Dokumentarfilm über Klima-Aktivisten drehen. Wie sind Sie auf die Idee gekommen?

Ich saß mit meinen Geschwistern bei einem Eis in der Bremer Innenstadt und es kam eine kleine Fridays-for-Future-Demonstration an uns vorbei. Es waren nur acht Jugendliche, die aber so voller Energie, Überzeugung und Mut waren, dass es mich sofort ergriffen hat.

Beschäftigen sich auch privat mit dem Thema?

Ich beschäftige mich privat schon seit vielen Jahren mit Naturschutz und Nachhaltigkeit. Nun kam das Thema aber aus so vielen Ecken geballt auf mich zu, dass ich dem Impuls folgen musste, es kreativ zu verarbeiten. Zudem habe ich bei vielen Menschen eine Ohnmacht gespürt, nicht nur bei diesem Thema, sondern auch bei Themen wie dem neu aufsteigenden Rassismus, der weltweiten Gewalt und der Folgen. Man fragt sich als Individuum: Was kann ich kleiner Mensch denn da tun? Und zu oft bleibt man ohne Antworten. Für mich war die Antwort: Ich beteilige mich mit dem, worin ich mich auskenne, also künstlerisch.

Sie haben dazu schon ein Team um sich gescharrt. Was eint Sie?

Uns eint alle eine gewisse Energie, sich von Inhalten und Relevanz packen und elektrisieren zu lassen. Wir sind alle Profis, jedoch eher im Arthouse-Bereich als im Blockbuster oder Mainstream angesiedelt. Wir sind offen, neugierig. Es fühlt sich mittlerweile wie eine weltweite Film-WG an.

Was hat Sie besonders berührt?

Ich habe mir natürlich vorher überlegt, wen ich frage, aber es gab keinen einzigen, der Nein gesagt hätte. Von allen, wirklich von allen kam ein sofortiges: Ja, ich bin dabei! Das ehrt mich sehr, weil es auch für unser Verhältnis spricht und viel über unser Vertrauen in die professionelle Arbeit des jeweils Anderen aussagt.

Geht es nur um die Fridays-for-Future-Bewegung oder nehmen Sie auch andere Aktivisten vor die Linse?

Wir haben viel mehr Gruppen dabei, beispielsweise Extinction Rebellion, Youthforclimate, +350, Scientists4Future, ein Mitglied der Klimadelegation, Forscher und Wissenschaftler sowie auch Einzelkämpfer (eco warriors). Wir sind noch mit weiteren im Gespräch, das ist jedoch noch nicht bestätigt und nicht spruchreif.

Wie wählen Sie ihre Protagonisten aus?

Mit Recherche und guter Intuition. Und mit gutem Netzwerk. Einen ganz tollen Kontakt zum Norwegischen Polarinstitut habe ich über Bekannte aus meiner früheren Zeit an der KGS Leeste bekommen. Mit Tore Hattermann, der am Nordisk Institute forscht, wird also auch ein ehemaliger Weyher als Experte im Film auftauchen.

Sie möchten auch den Klima-Streik in Weyhe mit in Ihren Film aufnehmen. Ist Ihnen dieser Aspekt wichtig, weil Sie in der Wesergemeinde aufgewachsen sind?

Zum einen Ja, zum anderen versuche ich im Film zu zeigen, dass sich nicht nur in den Metropolen etwas tut, sondern dass es ein Thema ist, das überall in der Gesellschaft und an viel mehr Orten als man denkt angekommen ist. Und es freut mich natürlich persönlich sehr, Weyhe auf großer Leinwand zu sehen.

Glauben Sie, dass ein Film ein geeignetes Medium sein kann, eine Brücke zwischen den Generationen und Kulturen zu schlagen?

Zu aller erst glaube ich, dass es ein geeignetes Medium ist, um dem Thema noch mehr Aufmerksamkeit, Masse und Druck zu verleihen. Unsere Politik funktioniert über genau diese Aspekte, und wenn man etwas bewegen will, muss man das bedienen, fürchte ich. Zudem hoffe ich natürlich, einige Zuschauer in ihrem Befinden und ihren Bedenken abholen zu können sowie mit konkreten konstruktiven Inhalten etwas aus der gefühlten Ohnmacht zu holen oder ein Verständnis für die andere Seite zu schaffen. Film ist ein leicht verdauliches Medium, was auf vielen Ebenen berühren kann, also: Ja!

Sie haben vor, Impressionen aus mehreren Ländern einzufangen und wollen mit Profis in zehn Städten filmen. Wie schwer war es, andere Filmteams zu finden?

Es sind mittlerweile an die 20 Städte aus über einem Dutzend Ländern rund um die Welt. Unser Team sowie unsere Protagonisten werden auf der Projektwebseite vorgestellt. Da ich mir über die vergangenen Jahre ein sehr gutes Netzwerk aufgebaut habe, war es nicht schwer. Lediglich viel Arbeit, die jedoch mit jedem Ja tausendfach belohnt wird.

Wie finanzieren Sie Ihr Vorhaben?

Durch Crowdfunding. Wer uns unterstützen möchte, kann spenden. Bis zum 13. Oktober, dem International Day For Disaster Reduction (ein wenig Humor darf ja auch sein), gibt es sogar eine Aktion mit unserem in Bremen ansässigen Partner Huddy: Jede Spende ab 70 Euro bekommt ein zertifiziertes handgefertigtes Bio-Bauwoll-Earth-Shirt als Dankeschön. Weitere Details stehen unter Neuigkeiten in der Kampagne, wo im Übrigen auch etwas Making-of zu sehen ist.

Was benötigen Sie noch?

Weiterhin so einen tollen Flow, Empörung und Optimismus, wie die Aktivisten sagen – und 8500 Euro.

Wo soll der Film laufen?

Zunächst auf Filmfestivals, dann streben wir eine Kinotour an. Wir sind auch mit dem ARD-Sender „rbb“ bereits im Gespräch, dass der Film als Dreiteiler im Fernsehen laufen wird.

Zu Person und Projekt:

Simona Theoharova, geboren 1986 in Sofia, finanziert das Filmprojekt auf eigene Faust und sucht weitere Unterstützer. Unter anderem Hat Theoharova bereits im Tatort (ARD) und der SOKO Leipzig (ZDF) mitgespielt sowie einen eigenen Film produziert.

Weitere Infos auf:

https://triplef.caravan-fantasia.com

https://www.gofundme.com/f/FridaysForFuture-Der-Film

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