Ab Donnerstag wieder offen

Nach Automatensprengung: Chaos in der Commerzbank-SB-Zone

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Kundin Kerstin Sroka stößt auf eine geschlossene Commerzbank-Filiale.

Schreck in den Morgenstunden: Laute Knall-Geräusche reißen am Mittwoch gegen 2.30 Uhr so manche Bürger in Kirchweyhe aus dem Schlaf. Unbekannte hatten in den Räumen von zwei benachbarten Kreditinstituten laut Polizeisprecher Thomas Gissing wahrscheinlich zeitgleich ein Gasgemisch gezündet.

Kirchweyhe - Von Sigi Schritt. Die Unbekannten flüchteten und hinterließen Gasflaschen und ein Fahrzeug, mit dem sie die Bahnhofstraße auf Höhe der Kreissparkasse blockierten. Außerdem verrückten die Unbekannten ein weiteres Hindernis, um Einsatzkräfte daran zu hindern, aus Richtung Bahnhof ins Bankenviertel zu eilen. Die Explosion riss in der Volksbank einen Geldautomaten ein paar Zentimeter aus der Wand. Das war es auch schon. Nebenan hingegen, im gleichen Gebäude, fanden die Beamten in der Automatenzone der Commerzbank ein Chaos vor. Der reine Ausgabeautomat war zerstört, Kabel hingen von der Decke, Leisten sind abgeflogen und zwei mit Sicherheitsglas versehene Türen gesplittert. Außerdem war ein Fenster aus den Angeln gehoben.

Feuerwehr untersucht Büros und Wohnungen

Da für die Einsatzkräfte nicht klar war, ob sich das explosive Gemisch in den weiteren Geschossen des Gebäudes ausgebreitet hat, wurde die Feuerwehr um Hilfe gebeten. Kräfte aus Kirchweyhe, Lahausen und der Messtrupp aus Sudweyhe eilten herbei, leuchteten das Gebäude aus und untersuchten die Büros und Wohnungen über den angegriffenen Selbstbedienungszonen. Bewohner aus fünf Einheiten folgten der Aufforderung von Polizei und Feuerwehr, sich für die Dauer der Untersuchung in Sicherheit zu bringen - im Vorraum der Kreissparkasse. Nach etwa 90 Minuten durften die Bewohner wieder zurück, berichtete Feuerwehr-Sprecher Marcel Balk.

„Eine Flucht zu Fuß macht keinen Sinn“

Die Polizei hatte in der Nacht vergebens nach den Tätern gefahndet. Auch die Suche mit einem Hubschrauber mit Wärmebildkamera verlief laut Gissing ergebnislos. Die Polizei geht davon aus, dass die Täter ein zweites Fahrzeug verwendet haben müssen. „Eine Flucht zu Fuß macht keinen Sinn.“ Es wurmt ihn, dass die Täter so viel Glück hatten. Normalerweise würden Polizeistreifen in der Nacht mehrfach durch Kirchweyhe fahren. Die Einbrecher hätten einen besonderen Moment abgepasst. Ob dieser Fall in Diepholz oder in Hannover bearbeitet wird, werde sich noch zeigen. Es gebe eine Sonderkommission im Land, die sich mit Automatensprengungen beschäftigt. 

Der Automat der Volksbank ist beschädigt - die Filiale aber geöffnet.

Allein im Jahr 2018 sind laut Matthias Eichler, Leiter Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Landeskriminalamtes Niedersachsen, 54 Automaten gesprengt worden. In 17 Fällen erbeuteten sie dabei Geld. Zum Vergleich: 2017 gab es im Land 23 Sprengungen (elf Fälle erfolgreich) und 2016 34 Sprengungen (13 Fälle erfolgreich). 

Welche Erkenntnisse haben Sie über die Tätergruppen? Das LKA geht von drei Gruppen aus. Die erste und zahlenmäßig größte Gruppe (rund 300 Personen) sind vermutlich niederländisch-marokkanische Täter, die aus Holland anreisen. Darüber hinaus werden reisende osteuropäische Gruppen mit den Taten in Zusammenhang gebracht sowie Nachahmungstäter.

Automat kostet rund 20 .000 Euro

Bis Mittwoch war laut Thomas Gissing noch nicht klar gewesen, wie die Schächte des Commerzbank-Automaten mit Bargeld gefüllt waren. „Die Ermittlungen dauern an.“ Filialdirektor Jan Neumann hatte diese Geschäftsstelle am Mittwoch geschlossen, sie soll erst Donnerstagmorgen wieder regulär öffnen. Mit Hochdruck arbeiteten indes die Handwerker daran, die Schäden zu beseitigen. Commerzbank-Sprecherin Ina Mähl geht von einer fünfstelligen Schadenssumme aus. Allein der Automat koste rund 20 .000 Euro.

Eine Nachfrage ergab, dass die Stimmung unter den Commerzbank-Mitarbeitern eher gedrückt gewesen sei. „Die Täter haben es mit der Explosion billigend in Kauf genommen, Menschen zu schädigen“, so Neumann. „Glücklicherweise wurde niemand verletzt.“

Ein Wachmann erklärte am Mittwoch vielen Kunden vor der Tür, weshalb sie weder Bargeld abheben noch andere Bankgeschäfte hätten erledigen können.

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