Austellung in Wassermühle Sudweyhe

„Wandsichten“: Thomas Schlosser fasziniert das Alltägliche

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Thomas Schlosser zeigt das Bild, das ihm anfangs eher „unheimlich“ war.

Sudweyhe - Von Julia Kreykenbohm. Manchmal ist es eindeutig. Dann wieder rätselt man. Was zeigt das Bild? Und obwohl das Motiv mal klar, mal mysteriös scheint, ist die Antwort doch immer die gleiche: Wände. Oder besser gesagt Ausschnitte von Wänden, an denen tagtäglich wohl unzählige Menschen achtlos vorübergehen, ohne sich dessen bewusst zu sein oder die Besonderheit dieses Anblicks in sich aufzunehmen. Thomas Schlosser will sie ihnen zeigen.

Der 63-Jährige stellt seine Fotografien unter dem Titel „Wandsichten“ in der Wassermühle Sudweyhe aus. Eröffnung ist am Samstag, 23. September, um 16 Uhr. Dann wird auch der Künstler anwesend sein und für Fragen zur Verfügung stehen.

Der fröhliche Bremer mit dem Kinnbart und Ohrring ist Kunstlehrer an der KGS Brinkum, aber die Fotografie ist mehr als ein Hobby, was man sofort merkt, sobald man mit ihm über seine Werke spricht. „Ich möchte auf diese Weise ungewöhnliche Ansichten von Wänden zeigen. Durch die kleinen Ausschnitte verlieren sie manchmal ihre Gegenständlichkeit, wodurch das Dargestellte schon fast abstrakt wirkt, wie eine grafische Betrachtung.“ Seit er zwölf Jahre alt ist, liebt Schlosser es, seine Umwelt aufs Bild zu bannen.

Kopenhagen liefert Inspiration

Die Initialzündung zu den „Wandsichten“ habe es in Kopenhagen gegeben, wo er ein kleines Viertel mit alten, einfachen Häusern besuchte. Das Material der Gebäude, die Farben, Linien und das leicht Morbide faszinierten ihn. Von da an hielt er auf allen seinen Reisen durch Weimar, Santanyi, Paris und Ostrzeszow Ausschau nach „Wänden, die etwas zu erzählen haben“.

Schlosser steckt viel Zeit und Liebe in seine Objekte, Bis zu einer Stunde kann vergehen, bis er die Kamera so eingestellt hat und das Licht so fällt, dass alles stimmt. Farben werden grundsätzlich nicht nachgearbeitet, nur hier und da kleine Fehler ausradiert, denn Schlosser möchte den Menschen Situationen zeigen, die man vielleicht jeden Tag sieht, aber nicht mehr wahrnimmt. „Die Farbigkeit dringt nicht mehr ins Bewusstsein.“

Künstler will dazu animieren, näher hinzusehen

Der Künstler hofft, dass die Leute in seinen Bildern etwas entdecken und „meinen Gedanken folgen können“. Vielleicht kann ich sie dazu animieren, auf dem nächsten Spaziergang etwas genauer hinzuschauen. Vor einigen Jahren hat er schon mal im Mehrgenerationenhaus in Brinkum ausgestellt. In Weyhe ist er zum ersten Mal, und die Wassermühle gefällt ihm. „Ich finde es witzig, dass die Bilder hier frei hängen“, sagt Schlosser.

Er bleibt bei einem Bild stehen und betrachtet die rosa- und türkisfarbenen Flächen, unter denen sich ein Schatten zeigt. „Das mochte ich erst gar nicht“, sagt Schlosser. „Ich fand es gruselig, bedrohlich durch die Schatten neben den hellen Farben. Es erinnerte mich an einen grell ausgeleuchteten Tatort. Aber dann habe ich es doch wieder reingenommen, weil es mich eben doch auf eine gewisse Weise faszinierte.“

Den „Tatort“ und viele andere Werke von Schlosser können Besucher bis zum 29. Oktober zu den Öffnungszeiten der Wassermühle sehen: samstags 15 bis 18 Uhr, sonntags 11 bis 17 Uhr und feiertags 11 bis 17 Uhr. Der Eintritt ist kostenlos.

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