Ärger um Corona-Impfung

Fast 100 Jahre alt und ohne Impf-Termin - Ehefrau sieht Notstand

Die 87-jährige Ingeborg Wehebrink zeigt den Zettel mit ihrer Terminbestätigung.
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Wurde bereits geimpft: Die 87-jährige Ingeborg Wehebrink. Sie wünscht sich, dass ihr älterer Ehemann Christian-Wilhelm so schnell wie möglich eine Corona-Impfung bekommt.

Christian-Wilhelm Wehebrink aus Lahausen ist fast 100 Jahre alt. Gegen Corona geimpft wurde er noch nicht. Auch ein Termin ist nicht in Sicht.

  • Ein fast 100-jähriger Lahauser wartet immer noch auf seinen Impf-Termin.
  • Seine Frau spricht von einem Impf-Notstand.
  • Ist der Lahauser durchs Raster gefallen?

Weyhe – In wenigen Tagen kommt ihr Mann, Christian-Wilhelm Wehebrink ins 100. Lebensjahr und ist noch nicht geimpft. Ingeborg Wehebrink aus Lahausen ärgert sich und spricht von einem „Impf-Notstand“. Eine Nachbarin von gegenüber sei 102 Jahre alt und ihr sei bereits ein Corona-Impfstoff gespritzt worden. „Ich dachte sogar, mein Mann würde in Weyhe einer der ersten sein, doch nun habe ich das Gefühl, dass er vergessen worden ist“, sagt sie in tiefer Sorge.

Um auf Nummer sicher zu gehen, hätten ihre Kinder den betagten Weyher sogar gleich zweimal angemeldet: Einmal über das offizielle Impfportal und ein anderes mal über eine Hotline. „Doppelt hält besser“, sagt die 87-Jährige.

„Das Impfen ist wichtig. Es ist die einzige Möglichkeit, Corona zu entgehen.“

„Ich glaube, mein Mann ist durchs Raster gefallen“, sagt sie. „Man denkt, jeden Tag kommt ein Schreiben, aber es kommt keins.“ In einem Brief stehe zwar, er sei auf einer Warteliste. Aber worauf soll Familie Wehebrink warten? Bis die 70- und 60-Jährigen durchgeimpft worden seien?, fragt sie sich. Ihr komme die Galle hoch, kommentiert sie, weil sie das Gefühl habe, dass ihr Ehemann bewusst oder aus Schusseligkeit ausgelassen werde. In einem Zeitungsbericht habe sie gelesen, dass Menschen, die Jahrzehnte jünger seien als ihr Mann, jetzt dran kommen sollten. Das empfinde sie aber als ungerecht. Wie sie, möchte auch ihr Ehemann Christian-Wilhelm gefahrlos andere Menschen besuchen. Es besteht der Wunsch, ihre Kinder und deren Enkel an Ostern zu treffen. „Das Impfen ist wichtig. Es ist die einzige Möglichkeit, Corona zu entgehen.“

Ihren Ärger wollte Ingeborg Wehebrink bei der Impfhotline loswerden. „Ich kam auch dran. Eine Dame ging ans Telefon und gab mir keine Auskunft, an wen man sich wenden kann.“ Die Weyherin hätte erwartet, dass man ihr Anliegen weitergibt. Aber das sei nicht der Fall gewesen.

Die 87-Jährige kämpft nun für ihren Mann. Sie hatte sich bereits in Bassum eine Spritze abgeholt. Ganz ohne Kritik sei das dort aber nicht abgelaufen. Obwohl sie noch ganz gut auf den Beinen sei, habe sie eine halbe Stunde anstehen müssen. Und das draußen, ergänzt sie. Im Zelt selbst sei alles relativ schnell abgelaufen, und es sei auch gut organisiert gewesen. Es gab Helfer, bei denen sie sich registrieren konnte. „Da wurden meine Papiere überprüft, und ich habe ein Armband bekommen.“ Eine Impfärztin habe alles überwacht. Ihr wurde der Impfstoff von Biontech-Pfizer verabreicht. Einen zweiten Impftermin habe sie für Ende des Monats auch schon erhalten, sagt sie.

Terminvergabe durch das Land umständlich

„Wir haben 1955 geheiratet. Das sind 66 Ehejahre“, sagt sie. Sie hätten gemeinsam viel Sport getrieben und hätten sich auch im Alter viel bewegt. Deshalb seien beide noch fit. Ein kleines Virus solle sich nicht zwischen das Paar stellen.

Ingeborg Wehebrink wäre es lieber gewesen, wenn eine Kommune und nicht das Land die Impfung in die Hand genommen hätte.

Mareike Rein, Sprecherin des Landkreises, sagt, sie habe für die Situation der Familie großes Verständnis. Es gebe neben Christian-Wilhelm Wehebrink noch weitere Menschen über 80 Jahre, die noch keine Spritze bekommen hätten. Rein räumt ein, dass die Terminvergabe durch das Land umständlich gewesen sei. Erst Ende der vergangenen Woche habe das Land die Genehmigung erteilt, Termine dezentral verteilen zu dürfen. „In dieser Woche werden alle über 80-Jährigen noch mal angeschrieben. Sollten sie keinen Brief bekommen, sollten sie sich bei der Gemeinde melden“, rät die Landkreis-Sprecherin.

Die Bürger sollten sich nicht davon abschrecken lassen, dass auf der Homepage des Landes zu lesen sei, dass nicht genügend Impfstoff vorhanden sei. Das stimme nämlich nicht. „Wir sind froh, die Sache selbst in die Hand zu nehmen“, sagt Rein. Mobile Teams des DRK werden nach Weyhe ausschwärmen. Welche Räume sie beziehen werden, sei derzeit noch nicht klar.

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