Familie Kastendiek baut in Sudweyhe ein super gedämmtes Haus ohne Heizung

In einem Passivhaus werden Frauenträume wahr

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Architekt Andreas Feldhoff (2.v.l.) schaut sich die Dämmung im Obergeschoss an. Bauherr Dennis Kastendiek (l.) hat als gelernter Zimmermann viele Arbeiten selbst erledigt.

Sudweyhe - Von Philipp Köster. Der Traum vieler Frauen in unseren Breiten: nie mehr frieren müssen. Damit er wahr wird, baut Alina Kastendiek mit ihrem Mann Dennis in Sudweyhe ein Haus mit einer super Wärmedämmung, ein sogenanntes Passivhaus. Gestern konnten sich Interessierte den Rohbau bei einem Tag der offenen Tür ansehen.

„In unserem jetzigen Haus ist es fußkalt“, sagt die zweifache Mutter und beschreibt damit einen Makel vieler Altbauten: Auf dem Fußboden ist es kalt, von den Fenstern kommt eine unangenehme Kälte in die Wohnung, und nach oben zieht es auch, weil die Wärme durch das schlecht gedämmte Dach entweicht.

Bei einem Neubau gemäß der aktuell gültigen Energiesparverordnung kommt dies in der Regel nicht mehr vor. Bei einem Passivhaus garantiert nicht: Dämmstärken von 40 Zentimeter beim Dach und 20 Zentimetern zwischen Innenschale und Verblendmauerwerk sowie gedämmte Fensterrahmen mit Dreifachverglasung sollen Wärmebrücken verhindern, sagt der Weyher Architekt Andreas Feldhoff, der das Haus der Kastendieks geplant hat. Durch eine Ausrichtung der Fenster nach Süden kommt viel Wärme ins Haus, die dank der Dämmung nicht entweichen kann.

Dazu passt eine kontrollierte Lüftungsanlage: Weil die Fenster möglichst geschlossen bleiben sollten, damit die Wärme nicht entweicht, aber natürlich Luft ins Haus muss, versorgt eine zentrale Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung das Gebäude mit frischer Luft. „Der Abluft werden 80 Prozent und mehr der Wärme entzogen“, sagt Feldhoff. Die Zuluft an kalten Wintertagen ist demzufolge dann nicht zum Beispiel minus zehn Grad kalt, sondern dank des Wärmetauschers der Anlage plus 16 Grad warm. Daraus folgt, dass jedes Bauteil im Haus in etwa 18 Grad hat. Schimmel entstehe bei 12 Grad und kälter.

Feldhoff hat bei der Planung des Hauses über eine spezielle Berechnungssoftware dafür Sorge getragen, dass der Heizwärmebedarf im Passivhaus maximal bei 15 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr liegt.

Aus alledem folgt, dass die Kastendieks in ihrem Haus keine herkömmliche Heizung haben müssen. Ein Stückholzofen steht für besonders kalte Tage bereit. Weil der Ofen wasserführend ist, ist er mit dem 1000-Liter-Speicher verbunden, dessen Wasser an vielen Tagen im Jahr von der Solarthermieanlage erwärmt wird. Andere Quellen sind die Abwärme von elektrischen Geräten und der Bewohner.

Der Spaß ist doch sicher teuer, oder? Rund zehn Prozent mehr müssen Bauherren investieren, um den Passivhaus-Standard umsetzen zu können, erläutert der Architekt. Fördermittel durch die bundeseigene KfW-Bank und satte Einsparungen bei Energiekosten führten aber zu einer Amortisation nach 15 bis 20 Jahren. Dieser Zeitraum schwebt auch den Kastendieks vor: „Wir wollten ein Haus bauen, das zukunftsfähig ist“, sagt Dennis Kastendiek. Der gelernte Zimmermann erledigt übrigens viel in Eigenleistung, was in diesem Fall die Baukosten reduziert. Dabei geht ihm seine Ehefrau zur Hand. Und die beiden Töchter Ida und Paula haben sich zu Weihnachten einen Werkzeugkoffer gewünscht.

Den Einzug haben sie im Frühjahr vorgesehen. „Ohne Stress“, sagt der Bauherr, „wir wollen an einem Sonnabend schließlich auch mal ins Schwimmbad gehen können.“

Ganz ohne Heizung muss die große Frauenfraktion bei den Kastendieks nach dem Umzug übrigens doch nicht auskommen. Im Badezimmer soll eine elektrisch betriebene Heizung unter den Fliesen für das kleine Plus an Wärme sorgen.

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