GS-Agri-Projektleiter Jürgen Focke: Beseitigung der Bodenkontamination war kompliziert

Famila kommt – aber erst im nächsten Jahr

Viel Sand: Auf diesem Gelände soll nicht nur der Verbrauchermarkt Familia samt eigenem Parkplatz entstehen, sondern auch eine Park&Ride-Anlage vor dem Bahnhof Leeste für die geplante Straßenbahn-Haltestelle der Linie 8.
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Viel Sand: Auf diesem Gelände soll nicht nur der Verbrauchermarkt Familia samt eigenem Parkplatz entstehen, sondern auch eine Park&Ride-Anlage vor dem Bahnhof Leeste für die geplante Straßenbahn-Haltestelle der Linie 8.

Leeste – Jahrzehntelang waren die Mühlentürme von Leeste Wahrzeichen des Weyher Ortsteils. Sie befanden sich links und rechts vom Pingelheini-Gleis. Die Mühlen sind längst Geschichte, seit Monaten sind die Flächen geräumt. Passiert ist dort nicht viel: Industriebrache statt Verbrauchermarkt und Park&Ride-Anlage.

Die „Famila Handelsmarkt Kiel Gesellschaft“ ging noch vor einem Jahr davon aus, dass sie auf dem Mühlenareal des ehemaligen Werks II einen Vollsortimenter für 40 000 Artikel bauen lässt und bereits das Weihnachtsgeschäft 2020 in diesen Räumen abwickeln kann. Doch daraus wird sicher nichts: Noch ist viel Sand zu sehen. Wer also dort einkaufen will, muss sich noch gedulden: „Wir planen zum jetzigen Zeitpunkt, das Famila-Warenhaus noch vor Weihnachten 2021 zu eröffnen“, korrigiert Solveig Hannemann, Pressereferentin der Famila-Handelsmarkt Kiel Gesellschaft ihre Ankündigung von vor einem Jahr. Die Gemeinde hatte damals den GS-Agri-Abriss und den bevorstehenden Beginn der Neubauarbeiten als ein deutliches Zeichen gewertet, dass die Sanierung des Leester Ortskerns „Fahrt aufnimmt“ – immerhin sollte am Bahnhof Leeste ein Park&Ride-Platz errichtet und die Ladestraße ausgebaut werden. Doch auch diese Flächen sind teilweise mit Sand bedeckt. Zu all diesen Themen laufen Planungen im Hintergrund (siehe Info-Kasten).

Kalte Temperaturen im April des Jahres waren nicht der Grund für die Bauverzögerungen, wie Jürgen Focke, Bau- und Projektmanagement, der Geländeeigentümerin GS Agri aus Schneiderkrug sagte. Anders als geplant hätten sich die Sanierungsarbeiten wegen einer Bodenkontamination auf dem 1,3 Hektar großem Gelände „hingezogen“.

Die Untersuchungen hätten ergeben, dass zumindest der Boden an der ehemaligen Dieseltankstelle laut Focke nicht kontaminiert war. Problematisch sei aber die Beseitigung des bekannten Ölschadens gewesen – der war einst an einer Stelle entstanden, wo einst das Mühle-Gebäude stand und an einen Teil der Ladestraße angrenzte (wir berichteten).

Um also den Boden auszukoffern, war eine Grundwasserabsenkung notwendig, blickt der Projektleiter zurück. In zwei Metern Tiefe hätte man sich zuvor „nasse Füße“ holen können.

Außerdem kam eine weitere Erschwernis hinzu: Die Fachleute hatten festgestellt, dass im Erdreich diverse bedeutsame Leitungen verlegt waren – für Telefon, Wasser, Strom und Gas. Durch diese Leitung wurde zum Beispiel die angrenzende Schule versorgt. Deshalb hatten die Fachleute laut Focke kleinteiliger vorgehen müssen, zumal der Aushub mit dem Bagger nicht möglich gewesen wäre. Die geräumte Fläche habe man dann Famila übergeben, die bereits eigene Baugrund-Untersuchungen angestellt hätten. Denn es gehe dort um Fragen der Statik.

„Auch die Corona-Pandemie hat uns bei verschiedenen Bauprojekten wertvolle Zeit gekostet“, so Solveig Hannemann. „Wir mussten unsere Kraft zeitweise für bestehende Warenhäuser bündeln und konnten durch die Beschränkungen die Bauplanungen nicht so vorantreiben wie gewünscht.“ Das Grundstück hätten sie inzwischen übernommen, bestätigt die Famila-Pressereferentin.

Wie geht es weiter? „Die Planung für das famila-Warenhaus in Weyhe geht jetzt auf die Zielgerade“, so die Pressesprecherin. Die Aufträge an die Baufirmen sollten „kurzfristig vergeben werden“. Im ersten Quartal 2021 möchte Famila mit dem Bau beginnen.

Zu den Arbeiten an der Ladestraße und an der Leester Straße könne sie nur sagen, dass diese während des Famila-Baus angepasst werden würden. „Konkrete Bauabschnitte kann ich noch nicht benennen. Diese werden erst ausgearbeitet, wenn die Aufträge an die Baufirmen vergeben wurden. Ich denke, im November oder Dezember gibt es hierzu Konkreteres.“ Das Unternehmen hofft auf einen „milden Winter“, um zügig mit dem Bau beginnen zu können, so Solveig Hannemann.

Weitere Bauprojekte am Bahnhof in Leeste Der Ausbau der Ladestraße einschließlich Einmündungsbereich der Leester Straße soll laut Steffen Nadrowski, Leiter des Fachbereichs Gemeindeentwicklung und Umwelt, per Erschließungsvertrag durch den Vorhabenträger Famila erfolgen. „Seitens Famila wird die Straßenbaumaßnahme abgestimmt mit dem Bau des Famila-Marktes sowie der privaten Stellplatzanlage erfolgen. Dies ist nicht nur aus Kostengründen sinnvoll, sondern auch, damit die neue Straße nicht anschließend wieder durch Baustellenverkehre in Mitleidenschaft gezogen wird.“ Der Park&Ride-Platz Ladestraße als Stellplatzanlage für Umsteiger zur Linie 8 vorgesehen und soll laut Baudirektor Nadrowski daher auch im zeitlichen Zusammenhang zur Inbetriebnahme der Linie 8 realisiert werden. „Derzeit wird an der weiteren Konkretisierung der Planung gearbeitet.“  sie

Von Sigi Schritt

Die Ladestraße in Leeste mit diversen Schäden: Sie wird ausgebaut. Das übernimmt das Unternehmen Famila per Erschließungsvertrag.
2019: Das Werk II an der Ladestraße wird abgerissen.

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