Bilder einer digitalen Welt

Für „Fading Worlds“ auf Motivjagd im World Wide Web

Catharina Zogmeier (rechts) und Tina Fischer aus dem Kulturbüro des Rathauses kündigen zusammen mit dem Künstler Johann Büsen die Vernissage an. - Foto: Schritt

Weyhe - Von Sigi Schritt. Der Künstler Johann Büsen ist ein moderner Jäger und Sammler: Sein Revier sind die Weiten und Tiefen des World Wide Webs. Mit zahlreichen Screenshots bereichert er sein Archiv und ergänzt es um Motive aus der Comic- sowie Film-Welt, Presse- und Nachrichtenbilder. Durch die digitale Bearbeitung werden die ursprünglichen Motive und deren Identität getrennt, verfremdet und überlagert. Der 31-Jährige entwickelt aus den Daten am Computer bunte und aufwendigen Collagen.

Unter dem Titel „Fading Worlds“ zeigt er in einer Ausstellung im Weyher Rathaus 20 bis 30 Werke einer digitalen Malerei in verschiedenen Formaten: Kleinere Drucke haben die Maße 60 mal 40 Zentimeter, die größeren messen 1,70 mal einen Meter. Die Vernissage beginnt um 17 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Matrix und Superman

Obgleich die Werke allesamt Pigmentdrucke auf Leinwand sind, seien sie laut Büsen „Unikate“. Das garantiert er. Er habe für seine Kunst ein klassisches Medium gewählt. Der Künstler verwendet einen Großformat-Drucker und spannt am Ende die Leinwand auf einen Keilrahmen. „Die Datei bleibt nur für Kataloge und Plakate erhalten“, sagt er. Die Technik sei vergleichbar mit der Fotografie.

Die Betrachter finden Zitate von Spielfilmen wie beispielsweise Matrix. Es gibt in den Werken auch Anspielungen auf Superman und dem nur für ihn gefährlichen Stoff Kryptonit.

Fiktion und Realität

Seine Werke könnten Betrachter als Bilduniversen bezeichnen, die sich kritisch mit der Gegenwart und Zukunft beschäftigen. Aus seinem Archivmaterial komponiert der Künstler eine Lebenswelt, in der sich beispielsweise Verkehrs- und Kommunikationstechnik gleichzeitig als Hoffnung und Bedrohung zeigen. „Ich habe teilweise mit mehr als 200 Ebenen gearbeitet“, sagt er. Büsen spielt mit inhaltlichen Kontrasten und Widersprüchen von Fiktion und Realität, Ekel und Anmut, Unschuld und Verbrechen sowie Liebe und Hass. Mit der Hilfe von Maus, Grafiktablett und Scanner entstehen am Rechner Bilder, die tradierte Standpunkte und Positionen infrage stellen.

Der 31-Jährige ist in Paderborn geboren und hat an der Hochschule für Künste in Bremen studiert. „Ich war in einer Fotoklasse und habe viel mit dem Computer gearbeitet. In einer späteren Malereiklasse sei er mit seiner Technik sehr weit weg von seinen Kollegen gewesen, erinnert sich Büsen. Doch er habe während seiner Studienzeit von Anfang an frei arbeiten können.

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