Dr. Fabia Müller-Groh eröffnet am Montag eine Augenarztpraxis in Leeste

„Miserable Versorgung“ gehört der Vergangenheit an

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Dr. Fabia Müller-Groh (r.) mit ihrem Praxisteam: (v.l.): Nadja König, Jana Jonashoff, Evelin Löffel und Dagmar Beckmann.

Leeste - Von Philipp Köster. Sie schließt in Weyhe eine Versorgungslücke: Dr. Fabia Müller-Groh eröffnet am Montag ihre eigene Augenarztpraxis im zweiten Geschoss des Ärztehauses an der Leester Straße 44. Die Weyher haben damit nach vielen Jahren wieder eine „eigene“ Vollzeitmedizinerin für diesen Bereich. Doch Müller-Groh ist in der Region keine Unbekannte.

Zum einen hatte die 38-Jährige im vergangenen Jahr ein Stockwerk tiefer an zwei Tagen in der Woche bereits ihren Kollegen Nils Kadelbach vertreten, der sich voll und ganz auf seine Hauptniederlassung in Delmenhorst konzentrieren wollte. Zum anderen war sie bis Ende des Jahres im Augenzentrum Bassum als eine von drei Ärzten aktiv.

„Ich fange also hier nicht ganz neu an“, sagt Müller-Groh. Die Sykerin hat ihre Bassumer Patienten auf ihre Neueröffnung vorbereitet und geht davon, dass viele mit nach Leeste „umziehen“.

Für diesen Schritt musste die dreifache Mutter lange kämpfen. Denn obgleich Weyhe mit 30000 Einwohnern gewiss keine kleine Gemeinde ist, ihr Vorvorgänger Dr. Hans-Joachim Langhoff lange Jahre niedergelassener Augenarzt in Leeste war und Kadelbach nur an drei halben Tagen in der Woche seine Patienten in der Wesergemeinde versorgte, gab es offiziell keinen freien Arztsitz – Voraussetzung für eine Praxiseröffnung. Ein Sonderbedarf wurde nicht anerkannt, zudem seien die umliegenden Augenärzte Sturm gelaufen. „Gerade als ich nach zwei verlorenen Verfahren vor das Sozialgericht ziehen wollte, hieß es plötzlich: Es geht“, sagt die Medizinerin.

„Die Versorgung war hier miserabel“, bringt es die gebürtige Kasselerin auf den Punkt. Das hätten ihr nicht nur die Patienten gesagt, sondern auch Hausärzte, die Probleme hatten, zum Beispiel Diabetiker zu einem Augenarzt zu überweisen.

In den frisch renovierten, hellen Räumen direkt über der alten Augenarztpraxis versorgt Müller-Groh mit ihrem eingespielten vierköpfigen Team ab Montag die Patienten, und zwar nach eigener Aussage mit moderner Technik. „Das ist nicht abgedroschen. Ich habe Messgeräte, die es sonst nur in Bassum oder Diepholz gibt.“ Die Ärztin hat sich zudem auf Laserverfahren spezialisiert. Auch mit ihren jungen Patienten könne sie gut umgehen, verspricht sie, zumal einige ihrer Mitarbeiterinnen und sie selbst Kinder haben. „Ich kann zum Beispiel auch Babys untersuchen, die bei der Mutter auf dem Schoß sind.“ Und auch wenn sie zuweilen nicht aufs Tropfen verzichten kann – für eine Augenhintergrunduntersuchung müsse sie die Sprösslinge nicht mehr ärgern als nötig. Weitere Aufgabenfelder sind Grauer und Grüner Star sowie Makula-Erkrankungen, Notfallversorgung und Gutachten. Freitags müssen die Patienten aber auf Dr. Müller-Groh verzichten: Dann praktiziert sie in Hoya.

Terminvereinbarung unter Telefon 0421/84808500.

Laut Detlef Haffke, Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen, gilt ein Planungsbereich als überversorgt und damit für Neuniederlassungen gesperrt, wenn die Arztdichte einer Fachgruppe einen Wert über 110 Prozent erreicht. Im Kreis Diepholz mit Delmenhorst leben zurzeit 258114 Einwohner. Ein Augenarzt soll 21568 Patienten betreuen. Daraus errechnet sich bei aktuell 14,5 tätigen Augenärzten ein Versorgungsgrad von 109,6 Prozent – also knapp vor der Überversorgung. „Mit anderen Worten: Der Landkreis ist gut versorgt.“

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