Pläne für den Henry-Wetjen-Platz

Für Leestes Mitte: „Extrem spannende und vielfältige Entwürfe“

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Rund 50 Bürger diskutieren mit und stellen Fragen.

Weyhe - Von Philipp Köster. Wie könnte in ein paar Jahren der neugestaltete Henry-Wetjen-Platz (HWP) aussehen? Das war die Aufgabe der Gemeindeverwaltung für vier bundesweit agierende Landschaftsarchitekturbüros. Am Donnerstagabend stellten die Planer aus Bremen, Köln und Leipzig rund 50 Interessierten ihre Entwürfe im Rathaus vor.

Es stellte sich heraus, dass die Gestaltung für die Landschaftsarchitekten trotz ihres Renommees kein leichtes Unterfangen gewesen war. Von der „Quadratur des Kreises“ war die Rede. Denn das gesamte Areal ist kein städtebauliches Vorzeigestück. Und die Planer hatten mehrere Vorgaben bei ihren Entwürfen zu beherzigen, wie Baudirektor Steffen Nadrowski eingangs erläuterte. Alle Nutzer am Rande, also Kirche, Alte Wache sowie – in Zukunft – Augenzentrum, Bücherei und eventuell Gastronomie sollen gleichwertig von dem Platz profitieren können, es dürfe sich nicht um einen Vorplatz von nur einem Gebäude handeln. Ferner müsse er von der Kreuzung in die Tiefe führen. Die Nachbarschaft zum Friedhof müsse geklärt sein und auch ein Wochenmarkt sowie der Weihnachtsmarkt müsse der neue HWP aufnehmen können.

Einenkel: Herzstück ist ein gläsernes Marktcafé in der Mitte. Ein Pflasterband führt von den Gebäuden ins Zentrum.

Christine Frenz-Roemer vom Bremer Büro Kilian und Frenz machte den Anfang. Ihr Platz-Entwurf ist geprägt von zwei Bauminseln (siehe Bild). Die nördliche mit Rasen an der Kreuzung besteht schon und wird also erhalten. Drumherum werden Parkplätze angeordnet. Die südliche ist ruhiger. Dort soll ein begehbarer, rasenfreier Treffpunkt für Begegnung, Boule, Spiel und Marktgeschehen sein. Das Löwenportal bleibt ebenso erhalten wie die Kirchemauer, die aber vorsichtige Öffnungen erhält. Steinerne Einfassungen aus gesägtem Granit mit Holzauflagen dienen als Sitzgelegenheiten. Südlich der Alten Wache und westlich des neuen Medienzentrums (Bücherei) lädt ein Innenhof mit Bestuhlung zum Verweilen ein. Zum Gemeindezentrum soll wenig Verkehr fließen, es gibt aber eine Fahrspur zu den dortigen Parkplätzen. Bei der südlichen Bauminsel entsteht ein Brunnen, der den Namensgeber und Stifter des Platzes, den Leester Amerikaauswanderer Henry Wetjen, thematisch aufgreift. Die Pflasterung soll mit Naturstein erfolgen.

Club L 194: Der Kirchvorplatz verschwindet, die Marienkirche dominiert den nach Osten vergrößerten Platz.

Burkhard Wegener vom Büro Club L 94 aus Köln konstatierte, dass es in Leeste mit seinem „Gewusel“ der dörflichen Struktur aus ein- und zweigeschossigen Häusern keinen „erlebbaren“ Platz gebe. Und selbst am Henry-Wetjen-Platz herrsche dieses Häuser-Gewusel vor. Die Kirche als „Kulturträger“ eines solchen Areal müsse den Platz viel stärker dominieren, dabei zugleich in einen „spannenden Dialog“ mit dem modernen Augenzentrum treten. Die Raumkanten müssten klarer und neu strukturiert werden. Darum sieht das Gelände des Kölner Büros ein großes, mit Baumarkaden umfasstes Gelände vor. Löwentor und Kriegerdenkmal werden verlagert, die Kirchenmauer verschwindet. Der Vorplatz der Kirche wird quasi Teil des HWP. Ebenso radikal auch der Ansatz beim Parken: Auf dem Platz haben Autos nichts zu suchen. Stellflächen sind unter den Baumarkaden. Selbst über die soeben gebauten Parkplätze des Gemeindezentrums sollten man nochmal nachdenken. Vor dem Augenzentrum sorgt ein Fontänenfeld für Zerstreuung und Spaß bei den Kindern. Es soll ausschaltbar und ebenerdig sein, damit dort Märkte abgehalten werden können. Ein Spielplatz ist nicht vorgesehen, aber kleine „Aktionsfelder“ zum Spielen. Als Belag des Platzes schwebt Wegener Klinker „als Kulturträger im Norden“ vor, manche Steine werden besonders bearbeitet, um in einen Dialog zum Kirchenklinker zu treten.

Kreikenbaum und Heinemann: Viele, nicht zu hoch wachsende Bäume geben dem Platz einen sehr grünen Charakter.

Katrin Einenkel vom Leipziger Büro Einenkel Landschaftsarchitektur stellte zunächst die städtebauliche Unordnung als Ausgangsvoraussetzung fest, die auch durch den Abriss von Rathaus und Garagen nicht verbessert werde. Dadurch, dass der HWP wenig Qualitäten habe, gebe es aber auch großes Verbesserungspotenzial. Ihr Entwurf ist jedoch weniger rigoros als der der Kölner: Die Parkplätze im Norden und am Gemeindehaus bleiben ebenso unangetastet wie Löwentor, Denkmal & Co. Denkbar sei sogar, die wenige Jahre alte Grünfläche jenseits der Kreuzung in einen Bedarfsparkplatz mit 18 Stellflächen umzuwandeln. Bleiben soll auch – nur in diesem Entwurf – das Betonvordach der Alten Wache, damit dort der Bürgerbus halten kann. „Das ist so schräg, dass es erhaltenswert ist.“

Herzstück des Entwurfs ist ein sogenannter „Shared Space“, das ist Architekturfachsprache und steht für geteilter Raum. Alle Nutzer, sämtlich aus dem sozialen Bereich, sind auf dieses Zentrum in der Mitte hin zugeordnet, ein spezielles Pflasterband führt dorthin. Ein leicht abgesenktes gläsernes Marktcafé mit freiem Blick auf die Nutzer am Rande ist das kommunikative Zentrum. Der Kirchgarten südlich der Kirche soll aufgewertet werden: Nach Ende der Ruhezeit verschwinden die Gräber, die Mauer wird zum Teil geöffnet, Holzbänke laden zum Sitzen ein. Der Alten Wache ist ein Boulegarten zugeordnet. Ruhiger ist es im Mediengarten, wo man auf schicken Beton-Holz-Erhöhungen sitzen kann und wo sich bereits ein Wasserspiel befindet. Dieser Entwurf enthält keinen Büchereineubau, dafür aber besagtes Marktcafé. Die Bibliothek kommt in das Bestandsgebäude südlich der Alten Wache.

Killian und Frenz: Die südliche Bauminsel korrespondiert mit der nördlichen.

Das Bremer Büro Kreikenbaum und Heinemann hat einen „sozialen Platz für Leeste aber auch für ganz Weyhe“ konzipiert, der aber nicht „übertrieben städtisch“ sein dürfe, wie Georg Heinemann einleitend sagte. In seinem Entwurf bilden viele Bäume die Raumkanten. Der Parkplatz im Norden wird ebenso belassen („Der stört auch nicht“) wie die alten Bäume, die man besser nicht angeht, auskoffert und umpflastert: „Dann leben die nicht mehr lang.“ Ein Spielbereich ist in diesem Entwurf im Norden direkt an der Kreuzung vorgesehen, der aber durch eine Hecke eingefriedet wird. Südlich davon verläuft eine West-Ost-Wegeverbindung von der Leester Straße zur Kirche hin. Die Parkplätze am Gemeindezentrum sind über eine Zuwegung, die zwischen HWP und Kirchenareal verläuft, zu erreichen. Das bleibt übrigens fast angetastet: „Unser erster Impuls war, das theatralische Löwentor wegzunehmen, aber dahinter öffnet sich bei den schönen Rhododendren eine neue Kulisse auf dem Kirchvorplatz, in die man nicht eingreifen sollte.“ Doch das Denkmal könne auf die Grünfläche im Norden verlegt werden.

Das Vordach der Alten Wache soll laut Heinemann weg. Tulpenbaum und Pergola im „Kulturhof“ sind aber erhaltenswert. Für das Areal biete sich passend zur Pergola eine Holzterrasse an. Auch die Fassade des ehemaligen Polizeireviers solle hervorgehoben werden: Die Klinker seien „fast schon Böttcherstraße“, sagte Georg Heinemann unter dem Gelächter der Zuschauer.

Der Planer versicherte, die vielen Bäume würden nicht zu hoch, so züchteten die Niederländer heute Linden, die nur sieben Meter erreichten. Die Draufsicht auf den Plan erwecke das falsche Bild, dass die Bäume nicht zum Platz gehörten, das würden sie aber. Für die Pflasterung biete sich ein anthrazit-bräunlich-gemischter und gerumpelter Klinker an, der mit der Kirche korrespondiere.

Als „extrem spannend und vielfältig“ wertete Baudirektor Nadrowski die Entwürfe. Nach fachlicher Auswertung der Konzepte geht die Verwaltung damit in den Bauausschuss, der am Dienstag, 27. September, um 18.30 Uhr öffentlich tagt. Dafür werden auch die Nachfragen und Kommentare der Bürger einbezogen.

So gab der Leester Werbegemeinschaftsvorsitzende Carsten Hauch zu bedenken, dass es genug Platz für den Weihnachtsmarkt geben müsse. Und der Leester Küster Dieter Suhling erinnerte daran, dass es bei einigen Gräbern Ruhezeiten von bis zu 20 Jahren gebe. Auf Kritik stieß im Publikum auch die Verlegung des Denkmals und des Löwentors, wie etwa vom Büro Club L 94 angedacht.

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Kommentar von Redakteur Philipp Köster

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