Schüler verabschieden mit dem Astronauten Thomas Reiter Ingrid Delgehausen

Ex-ESA-Direktor „beamt“ Grundschulrektorin in Pension

Haben Ingrid Delgehausen verabschiedet (v.l.): Wissenschaftler Dirk Stieff, Astronaut Thomas Reiter. Nachfolger Martin Stamnitz wird die Kooperation weiterführen. - Foto: Schritt

Leeste - Von Sigi Schritt. Wie verhält sich ein Wassertropfen in der Schwerelosigkeit? Mit dieser und anderen Fragen rund um das Thema Weltraum haben gestern Erst- bis Viertklässler der Grundschule Leeste den Astronauten Thomas Reiter gelöchert. Der 58-Jährige weiß, wovon er spricht. Er war Teil einer Mission in der Raumstation Mir und war auch lange Zeit an Bord der Raumstation ISS.

Der Astronaut arbeitet als Koordinator für die internationalen Zusammenarbeit im ISS-Programm und war bis März bei der Europäischen Weltraumorganisation ESA Direktor für Satellitenbetrieb und bemannte Raumfahrt. Deshalb konnte er den wissbegierigen Schülern Rede und Antwort stehen, etwa wie man Astronaut wird, was auf einer Raumstation passiert und welche Notfallsysteme einen Astronauten bei einem Weltraumspaziergang zurückholen.

Ausführlich beantwortete Reiter auch die Frage, mit welchen Treibstoffen die Raketen gefüllt waren, die ihn ins All brachten. „Flüssiger Sauerstoff und Kerosin war in der Sojus-Rakete, das Discovery-Shuttle nutzte flüssigen Wasserstoff und Sauerstoff“, berichtete er.

„In jeder Mission kommen Schülerexperimente vor. Ein Beispiel: Wassertropfen verhalten sich im All anders als auf der Erde. Sie sind rund und fangen an zu schwingen“, sagte er. „Das sieht lustig aus.“ Das Phänomen werden die Schüler ergründen, wenn sie älter sind und bei ihnen das naturwissenschaftliche Interesse längst geweckt ist, sagte der Astronaut. Deshalb komme er gerne in die Schulen – jetzt auf Einladung der scheidenden Rektorin Ingrid Delgehausen.

Reiter lobte ihre Initiative, für die Hundertwasser-Grundschule eine Kooperation mit Airbus Defence and Space und dem Schülerlabor des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) abgeschlossen zu haben. Dieses deutschlandweit in dieser Art einmalige Projekt mit Grundschülern müsse weite Kreise ziehen. „Schüler sind in jungen Jahren besonders begeisterungsfähig“, pflichtete ihm der DLR-Wissenschaftler Dirk Stieff bei. Er hatte zuvor mit den Kindern experimentiert. Wenn die Viertklässler in die KGS Leeste überwechseln, sollten ihre Eltern wie Lehrer das derzeit vorhandene große Interesse weiter fördern, wünschen sich Stieff und Reiter. „Es wäre für die Kinder enttäuschend, wenn ihre Erwartungen nicht erfüllt würden. „Außerdem ist die Frauenquote in der Naturwissenschaft in Deutschland mit zehn Prozent relativ niedrig.“ Die sei in anderen Ländern viel höher, so der ehemalige ESA-Direktor.

Eine Schülerin, die im Schulchor singt, bedankte sich bei ihrer Rektorin, die am letzten Tag dieses Schuljahrs in den Ruhestand wechselt. Man merkte ihr an, dass sie das Thema Weltraum nicht loslassen möchte.

Im Publikum saßen beispielsweise Bürgermeister Andreas Bovenschulte, Vertreter der Politik, Verwaltung und der Schulen und Kindergärten sowie Elternvertreter und auch Verwandtschaft, die für die Verabschiedung sogar aus Washington D/C (USA) eingeflogen war. Vielleicht schmieden sie Ideen für weitergehende Kooperationsvereinbarungen.

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