Erziehungswissenschaftlerin Esther Lehnert über Frauen im Rechtsextremismus

„Ein Glück, dass es hier keine Marine Le Pen gibt“

Esther Lehnert referiert morgen im Rathaus.
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Esther Lehnert referiert morgen im Rathaus.

Weyhe - Im Rahmen der Weyher Frauenwoche hält die Berliner Erziehungswissenschaftlerin Dr. Esther Lehnert morgen um 18.30 Uhr im Rathaus einen Vortrag über das Thema „Mädchen und Frauen – die ,sanfte Seite‘ des Rechtsextremismus?“ Die Erziehungswissenschaftlerin arbeitet in der Fachstelle Gender und Rechtsextremismus der „Amadeu Antonio Stiftung“ in Berlin.

Lehnerts Beitrag führt in die Ausstellung „Frauen im Rechtsextremismus“ ein, die im Anschluss eröffnet wird und bis zum 20. März im oberen Rathausflur zu sehen ist. Im Interview mit Redakteur Philipp Köster nimmt sie zum Thema Stellung.

Frau Dr. Lehnert, nicht zuletzt durch den NSU-Prozess gegen Beate Zschäpe ist bekannt geworden, dass Frauen in rechtsextremen Kreisen eine Rolle spielen. Wie viele Frauen sind in der Szene aktiv?

Esther Lehnert: Das ist schwer zu sagen, denn der Anteil der Frauen auf Demonstrationen wird selten gezählt. Vorsichtigen Schätzungen zufolge, unter anderem von der Journalistin Andrea Röpke, geht man davon aus, dass jede fünfte Person in der rechtsextremen Szene eine Frau ist. Es kommt auch darauf an, bei welchen Gelegenheiten. Das Engagement von Frauen ist größer, wenn offen gegen Flüchtlingsheime gehetzt oder eine Kampagne gegen Sexualstraftäter aufgezogen wird. Solche Themen sind anschlussfähiger.

Welche Rollen nehmen die Frauen in der Szene ein?

Lehnert: Da gibt es ein breites Spektrum. Es reicht von der Skinschlägerin bis zur Selbstinszenierung der zurückgenommenen, sympathisch rüberkommenden Frau à la Beate Zschäpe. Die Strategien sind „sanfter“. Die rechte Ideologie wird über Beziehungen verbreitet, zum Beispiel, indem sie sich in Elternbeiräten und Vereinen engagieren.

Wie sehen rechtsextreme Männer rechtsextreme Frauen?

Lehnert: Das ist ebenfalls unterschiedlich. „Moderne“ rechtsextreme Männer haben gern eine politisch rechts denkende Partnerin an ihrer Seite. Frauen von führenden NPD-Funktionären sind selbst aktive Rechtsextreme. Und sie stammen auch aus Niedersachsen. Frauen und Rechtsextremismus ist kein reines Problem nur in den neuen Bundesländern. Dann gibt es aber auch die Altideologen, die der Frau den Platz in der Küche zuweisen. Doch insgesamt kann man sagen, dass die Frauen innerhalb des Parteienspektrums kaum führende Funktionen einnehmen. Wir können von Glück reden, dass es in Deutschland nicht eine solch charismatische Frau an der Spitze einer rechtsextremen Partei gibt wie in Frankreich Marine Le Pen.

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