Erzieher kämpfen weiter für ihre Ziele / Verständnis für aufgebrachte Eltern

„Wir wollen zeigen, dass wir es Ernst meinen“

+
Die Pressegruppe der streikenden Erzieher und Sozialassistenten stellt im Hotel Kirchweyher Hof ihre Sicht der Dinge dar.

Kirchweyhe - Von Anne Schmidtke. „Wir verstehen den Unmut der Eltern. Allerdings wollen wir jetzt nicht einknicken, sondern zeigen, dass wir es Ernst meinen“, sagte Heike Brandhoff, Erzieherin in der Ganztagsschule (GTS) Leeste, gestern im Hotel Kirchweyer Hof. Dort trifft sie sich derzeit wochentags täglich mit circa 50 Kollegen aus der gesamten Gemeinde Weyhe, um sich über den Streik auszutauschen.

Die derzeitige Arbeitsniederlegung im Sozial- und Erziehungsdienst sei bisher einmalig. „So lange haben wir noch nie am Stück gestreikt“, berichtete Astrid Brasch, Erzieherin in der GTS Leeste. Aber erst jetzt würden sie und ihre Kollegen bewusst in der Gesellschaft wahrgenommen. „Bisher haben oft nur die Kinder unsere Arbeit wertgeschätzt“, sagte Martina Helmbold, Erzieherin in der Kita Jahnstraße.

Ihr Berufsstand kämpfe neben einer höheren Anerkennung in der Bevölkerung auch um mehr Geld. Das Einstiegsgehalt für eine Vollzeitstelle beträgt in Weyhe für einen Erzieher momentan 2311 Euro brutto. Nach festgelegten Zeitabständen steigt das Einkommen. Stufe 6 ist die höchste, die die Arbeitnehmer nach 17 Jahren erreichen können. Sie erhalten dann 3211 Euro brutto. „Danach gibt es für uns keine Möglichkeiten mehr, finanziell aufzusteigen. Außer wir übernehmen die Leitung einer Einrichtung“, sagte Brandhoff. Die Gewerkschaften wollen, dass die Beschäftigten im Sozial- und Erziehungsdienst in eine höhere Entgeltgruppe eingegliedert werden. Die Forderungen seien natürlich um einiges höher als die Arbeitgeber bereit seien zu zahlen. „Aber das ist wie auf dem Flohmarkt. Anbieter und Kunde feilschen um den Preis und versuchen, sich in der Mitte zu treffen“, berichtete Brandhoff.

Sie und ihren Mitstreitern gehe es allerdings um viel mehr als nur ums Geld. Die sozialen Berufe müssen ihrer Meinung nach attraktiver gestaltet werden. „Wir haben jetzt schon einen Fachkräftemangel.“ Das liege daran, dass der Beruf für junge Menschen immer unattraktiver werde. Die komplexe Ausbildung dauert vier Jahre und wird nicht vergütet. „Ein Problem ist auch, dass es kaum Vollzeitstellen gibt. Und wer nur eine 18 Stunden-Stelle hat, muss in der Regel einen Zweitjob annehmen“, sagte Martina Helmbold.

Zudem seien zu wenig Erzieher oft für zu viele Mädchen und Jungen verantwortlich. „Wir waren schon vor 25 Jahren im Rathaus und haben kleinere Gruppen gefordert – ohne Erfolg“, bedauerte Astrid Brasch.

Zusammen mit ihren Kollegen hofft sie nun, dass auch die Eltern Druck auf Bürgermeister und Landräte ausüben, damit der Streik schnell vorbei ist und sie ihre Arbeit wieder aufnehmen können.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Deutsche Soldaten sterben bei Hubschrauberabsturz in Mali

Deutsche Soldaten sterben bei Hubschrauberabsturz in Mali

Sommerreise durch den Landkreis Diepholz - der Mittwoch

Sommerreise durch den Landkreis Diepholz - der Mittwoch

Hochwasser-Einsatz der Verdener Feuerwehren

Hochwasser-Einsatz der Verdener Feuerwehren

Vorsicht: Hier lauern im Haushalt die meisten Keime

Vorsicht: Hier lauern im Haushalt die meisten Keime

Meistgelesene Artikel

Mächtiger Allrounder im Team - 300.000 Euro schwer

Mächtiger Allrounder im Team - 300.000 Euro schwer

Ortsbrandmeister: „Der Star ist das Rettungszentrum“

Ortsbrandmeister: „Der Star ist das Rettungszentrum“

B6 neu-Pläne: „Beruhigungspille für Anwohner“

B6 neu-Pläne: „Beruhigungspille für Anwohner“

Durch die Heidelbeer-Plantagen von Kirchdorf

Durch die Heidelbeer-Plantagen von Kirchdorf

Kommentare