Fangemeinde des Singkreises wächst stetig an

Vor dem Ertönen der Lieder knacken noch die Knochen

Der monatliche Singkreis in der Alten Wache erfreut sich stetig wachsender Beliebtheit. Bei jedem Treffen kommen mehr Sangesfreudige, um Volkslieder und Schlager zum Besten zu geben. Die Teilnehmer schätzen dabei die lockere und ungezwungene Atmosphäre. - Foto: Jantje Ehlers

Leeste   - Von Angelika Kratz. Gerd Göde, Vorsitzender des Vereins Seniorenzentrum Alte Wache, holt mit seinem Helferteam einen Stuhl nach dem anderen in den großen Saal der Einrichtung am Henry-Wetjen-Platz. Und die Singhefte gehen weg wie warme Semmeln. 60 sangesfreudige Menschen setzen eine neue Rekordmarke beim monatlichen Trefffen am ersten Donnerstag im Monat. Trotz des meist fortgeschrittenen Alters seiner Teilnehmer strotzt diese noch junge Einrichtung vor Lebendigkeit.

Während der allgemein freudigen Begrüßungsrunde stimmen Lutz Heitmann, Vater von Singskreisleiterin Tatjana Herms, und Neueinsteigerin Regina Schwerdtfeger ihre Gitarren, Detlef Kurtz seinen Bass und Klaus Kappel sein Banjo. „Jetzt geht‘s los“, beendet Tatjana Herms den allgemeinen Klönschnack und lenkt die Aufmerksamkeit auf Gerd Göde und dessen Begrüßungsworte.

Seit Wochen wartet ein Großteil des Singkreises auf Nachricht von Radio Bremen. Das Regionalmagazin „Buten un Binnen“ hatte schließlich eine Probe in der Alten Wache aufgenommen. „Wir sind Lückenfüller“, konnte Göde aber nur vermelden und den Hinweis des Senders auf dessen Mediathek weitergeben. Die Enttäuschung hält sich in der fröhlichen Runde in Grenzen. Sie freut sich auf das nachmittägliche Singen. „Leider nur einmal im Monat“, wie eine Teilnehmerin bedauert.

„Ich sehe einige neue Gesichter“, sagt Tatjana Herms nach einem Blick in den Saal. Ganz neu im Kreis ist Gertrud Lange. Die 91-Jährige will eigentlich gar nicht teilnehmen. „Ich habe so eine kratzige Stimme.“ Erst seit wenigen Monaten lebt sie in Norddeutschland und sucht nun Kontakte. Was ist da besser als gemeinsam zu singen, zudem der ehemaligen Lehrerin die meisten Lieder sehr bekannt sind.

Bevor sie ertönen, geht es mit Tatjana Herms erst einmal an die notwendige Lockerung des Körpers. „Ist das hier eine Turnstunde?“, schallt es scherzhaft aus einer Ecke. Nein, aber bevor Stimmbänder und Lungen so richtig zum Einsatz kommen, gilt es, die Knochen etwas knacken zu lassen. „Ausschütteln, ausstrecken, ausatmen“ lauten die Anweisungen. Heitere Kommentare kommen zurück. Disziplin gehöre schließlich in einen richtigen Chor, sagt Herms, aber in einem Singkreis dürfe man schon mal etwas lockerer sein. Vielleicht macht gerade dies den riesigen Erfolg aus.

„Im Frühtau zu Berge“, „Der Winter ist vergangen“ oder „Freut euch des Lebens“, geht vielen auch ohne Liedheft textsicher über die Lippen. Im Wunschteil zum Abschluss darf „Dat du mien Leevsten büst“ nicht fehlen. Aber genauso vehement gibt es die nötige Sahne zu Udo Jürgens' Ohrwurm, und den lieben Mai, der kommen möge, intoniert schließlich auch Gertrud Lange mit geschmeidiger, längst nicht mehr kratziger Stimme. Es wird deutlich: Singen macht Spaß, öffnet die Seele und zaubert ein ansteckendes Lächeln auf das Gesicht.

Aufgrund des Himmelfahrtstags gibt es im Mai keinen Singkreis, was die Teilnehmer mit einem traurigen „Oh“ kommentieren. Am 9. Juni, stehen dann aber wieder die Türen für eine vielleicht noch größere Fangemeinde alter Volkslieder und Ohrwürmer aus der Schlagerwelt offen.

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