Erste Rathausfeier zum Volkstrauertag

Premiere im Zeichen der Anschläge

+
Der Präsident der Bremischen Bürgerschaft, Christian Weber (4.v.l.), hielt die Festrede bei der eindrucksvollen zentralen Feier des Volkstrauertages im Weyher Rathaus, an der auch (v.l.) Walter Nottbusch, Manfred Streich, Frank Seidel und Helmut Raddatz teilnahmen.

Weyhe - Erstmals hat die Gemeinde Weyhe am Volkstrauertag eine gemeinsame, zentrale Feier veranstaltet, die durch die Ereignisse der vergangenen Tage eine neue Aktualität und Bedeutung bekam. „Wir sind in Gedanken bei unseren französischen Freunden und verurteilen die Terroranschläge aufs Schärfste“, erklärte Frank Seidel, erster stellvertretender Bürgermeister, zu Beginn der Feier und bat um eine Gedenkminute. Die Botschaft dieses Tages dürfe nicht neuer Hass sein, vielmehr gehe es jetzt um Werte wie Liberté, Egalité und Fraternité.

Ähnlich äußerte sich der Vorsitzende des Volksbundes Deutscher Kriegsgräberfürsorge, Ortsgruppe Leeste, Helmut Raddatz. „Neue Wege gehen, ohne Traditionen zu vergessen“, habe zu der Überlegung geführt, im Rathaus eine zentrale Feier zu veranstalten. So könnten neues Publikum angesprochen und prominente Redner eingeladen werden.

1919 sei der Volksbund gegründet worden, 1922 habe es die erste Feierstunde in Berlin gegeben. Nach dem Krieg wurde die Tradition der Volkstrauertage 1950 in Bonn fortgesetzt. Es sollen Feierstunden zur Erinnerung und gegen das Vergessen sein. „Der Volkstrauertag ist ein Tag der Verständigung, der Versöhnung und des Friedens“, so Raddatz. Doch auch 70 Jahre nach dem Ende des letzten Krieges müsse noch immer um den Erhalt des Friedens gerungen werden.

Im Mittelpunkt der Feier stand eine Rede des Präsidenten der Bremischen Bürgerschaft, Christian Weber. Es sei schon nach den Anschlägen auf „Charly Hebdo“ im Januar dieses Jahres alles gesagt worden, so Weber. „Eine Wiederholung lässt alle Worte matt erscheinen.“ Die barbarischen Ereignisse in Paris zeigten, dass man in Europa im Kampf gegen den Terror keinen Schritt weitergekommen sei, „und wir Deutschen sind dagegen ebenfalls nicht gefeit“. Auch 70 Jahre nach Kriegsende mahne der Volkstrauertag zur Konfliktlösung. Noch immer gehe es nicht nur darum, Kriege zu verhindern, sondern Kriege zu beenden.

Ein Sterben für die Ehre der Nation sei in unserer Gesellschaft nicht mehr vorgesehen, sagte Weber. Junge Leute könnten sich so etwas nicht mehr vorstellen. Sie stünden aber in der Pflicht, die Demokratie gegen Feinde zu verteidigen. „Auch Friedenssicherung hat einen Preis“, erklärte Weber und fügte hinzu, ein Krieg sei das größte und schwerste aller Verbrechen, denn er zertrümmere die Zivilisation. „Wer sich seiner Vergangenheit nicht erinnert, ist verdammt, sie noch einmal zu durchleben“.

Auch die Vorsitzenden der Ortsgruppen Sudweyhe und Kirchweyhe des Volksbundes Deutscher Kriegsgräberfürsorge, Walter Nottbusch und Manfred Streich, sprachen zu den Besuchern im voll besetzten Rathaussaal.

Alle Zuhörer zeigten sich betroffen von der Lesung aus dem Kriegstagebuch einer Schülerin, das der Ahauser Lehrer Johann Ahrens entdeckt hatte. Darin ist der Briefwechsel zwischen der Schülerin Wiebke Hermine Schmidt und dem jungen Soldaten Johann Assmann enthalten. Sie schickt ihm Pakete und Briefe, er bedankt sich dafür und schildert vorsichtig, was er im Ersten Weltkrieg an der Front erlebt. Im Frühjahr 1916 schickt sie ihm die letzte Post. Sie kommt mit dem Vermerk „Als Kriegsheld gefallen“ zurück. Den ergreifenden Briefwechsel lasen Antonia Kaluza, Fabio Sobotzki und Florian Wichert vor.

bt

Mehr zum Thema:

IS bekennt sich zu Londoner Anschlag

IS bekennt sich zu Londoner Anschlag

Südkorea setzt "Sewol"-Bergung fort

Südkorea setzt "Sewol"-Bergung fort

Elternleid und Altersliebe: Neue Hörbücher

Elternleid und Altersliebe: Neue Hörbücher

Apotheke auf dem Balkon: Heil- und Würzpflanzen für den Topf

Apotheke auf dem Balkon: Heil- und Würzpflanzen für den Topf

Meistgelesene Artikel

Rettungsdienste und Polizei proben Ernstfall

Rettungsdienste und Polizei proben Ernstfall

Große Resonanz auf den Infotag der Kreismusikschule

Große Resonanz auf den Infotag der Kreismusikschule

21-Jährige aus Diepholz gründet erfolgreich Firma 

21-Jährige aus Diepholz gründet erfolgreich Firma 

Hochkarätige Akteure prügeln sich im Dreyer Sportcenter Dassbeck

Hochkarätige Akteure prügeln sich im Dreyer Sportcenter Dassbeck

Kommentare