Erinnerungen an die Kirchweyher Brückenrampen aus Heidesand, die 70 Jahre lang als Torso in der Landschaft lagen

Auf dem Postberg die erste Kippe geraucht

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Der Postberg als Winterparadies. Ernst Schlemm machte diese Aufnahme während des Schneewinters im Januar 1979.

Kirchweyhe - Von Wilfried Meyer. Seit Anfang 1993 rollt der Weyher West-Ost-Verkehr hauptsächlich über die Eisenbahnüberführung und veränderte auch das Ortsbild in diesem Bereich ganz erheblich.

Mit dem Bau der Eisenbahnstrecke von 1871 bis zur Eröffnung im Mai 1873 trennten die Schienen den alten Ort in zwei Teile. Nur über beschrankte Übergänge im Zuge der Bahnhofstraße, des Moordamms, der Wiesenstraße und der Kirchweyher Kuhweide konnte man die andere Seite erreichen. In Lahausen existierte bis 1909 sogar ein Tunnel, danach die kürzlich erneuerte Brücke.

Schon 1913 lagen erste Pläne für eine Streckenüberführung beim Bahnhof vor. Ein Jahr danach begannen die Erdarbeiten mit gelbem Heidesand, der aus der Lüneburger Heide stammte und beim Bau der Eisenbahnstrecke Uelzen – Walsrode angefallen war. Der „Allgemeine Anzeiger“ (Vorläufer der Kreiszeitung, d. Red.) vom 8. Februar 1913 schreibt: „Seit einigen Tagen liegt beim Gemeindevorsteher der Plan für den Erweiterungsbau des hiesigen Bahnhofs vor. Die Überfahrt bei Oetjen (heute Kirchweyher Hof) wird aufgehoben und statt dessen eine Überführung gebaut. Die Gastwirtschaft wird verschwinden, da die Bahn das Grundstück ankaufen will.“

Wir wissen, dass alles anders kam. Der Erste Weltkrieg und die nachfolgenden wirtschaftlichen Probleme mit der Inflation machten alle Pläne zunichte.

Das frühere Gasthaus Oetjen steht immer noch, und die Brückenrampen blieben rund 70 Jahre lang als Torso in der Landschaft liegen. Für die Kinder entwickelten sich die Sandberge zu ihren Lieblingsspielplätzen.

Die Sprösslinge nannten sie Baracken- und Postberg. Auf der westlichen Seite wegen der dort stehenden Holzbaracken, die schon im Ersten Weltkrieg für die Versorgung der Soldaten aufgestellt worden waren und die man später zu Flüchtlingswohnungen umfunktionierte. Die östliche Rampe erhielt ihren Namen nach der Post an der Bahnhofstraße, weil die geplante Straße genau dort einmünden sollte.

Ganze Generationen von Lahauser und Kirchweyher Kindern erinnern sich gut an ihre Berge. Oben hatten sie kleine Sandburgen und -mulden gebaut, wo man gefahrlos die erste heimliche Zigarette rauchen konnte. Im Winter waren es die tollsten Rodelberge, denn wo sonst gab es in der Umgebung einen Berg. Dass hin und wieder Revierkämpfe zwischen Lahauser und Kirchweyher Kindern um den Postberg ausgefochten wurden, ist auch überliefert.

Kürzlich schickte der gebürtige Kirchweyher Horst Austermann von seinem Wohnort Wittenberg ein Foto nach Weyhe, das im Winter 1944 am Postberg entstanden war. Die sogenannte Wasserlöse, ein breiter Graben neben dem Berg, war zugefroren, und dort konnten die Kinder herrlich Schlittschuh laufen.

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