Jörg-Henry Eickhorst beendet die über 100-jährige Ära einer Fotografenfamilie

Vom Weyher Dachstudio in die internationalen Kataloge

+
Jörg-Henry Eickhorst in seinem Werbestudio. 

Erichshof - Von Sigi Schritt. Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm, lautet ein bekanntes Sprichwort. Das trifft besonders auf Jörg-Henry Eickhorst zu. Der 64-Jährige ist der jüngste Spross einer Fotografenfamilie und blickt jetzt auf ein – wie er sagt – interessantes und erfülltes Berufsleben zurück.

Der Fotografenmeister hat sein Ladengeschäft und Porträtstudio zwar schon Ende 2017 geschlossen, aber als Industrie- und Produktfotograf wickelt er noch den einen oder anderen kleinen Auftrag ab. Im Anschluss will er die für viel Geld angeschaffte Ausrüstung verkaufen oder entsorgen, dann will er sein Studiohaus, in dem er auch geboren und aufgewachsen ist, abreißen lassen. Damit endet eine Ära und eine mehr als 100-jährige Firmengeschichte. Eickhorst selbst hat fünf Jahrzehnte dazu beigetragen.

„Ich bin in den Beruf hineingewachsen“, berichtet er. Nach der Schule, die sich ein paar Häuser weiter, gegenüber dem Feuerwehrhaus und dem damaligen Gasthaus Böttcher befand, half er im elterlichen Betrieb mit. „Ich musste nachmittags ins Labor, um Bilder bei Rotlicht unterzutauchen.“ Taschengeld, Mindestlohn? Das habe es nicht gegeben. Eine Bezahlung sei auch nicht drin gewesen, als er als 14-Jähriger seinen ersten Auftrag entgegennahm und ausführte. „Einem Hochzeitspaar hatte der Fotograf abgesagt. Ich sprang ein, nahm meine Kodak Retinette samt Agfa-Blitzaufsatz und legte im Dünsener Gasthaus Rogge los. Nachts um 2 Uhr wurde ich nach Hause gebracht“, erinnert sich Eickhorst an den aufregenden Abend.

Jörg-Henry Eickhorst sammelt alte Kameras. 

Seine Lehrzeit absolviert Jörg-Henry Eickhorst bei seinem Vater und wird 1978 im Alter von 24 Jahren in der nahen Hansestadt Meister seines Handwerks. Ein Jahr später sitzt er bereits im Bremer Prüfungsausschuss. Während seine sechs Jahre ältere Schwester Hedda Siemer ihren beruflichen Schwerpunkt auf die Porträtfotografie legt, setzt Jörg-Henry Eickhorst auf die Produkt- und Werbefotografie samt Videodokumentation.

Die Liste seiner Kunden ist lang – darunter befinden sich namhafte Firmen, die in der Region zu Hause waren oder es noch sind. Für die Kreissparkasse habe er für die Marketingabteilung die Filialen in Szene gesetzt. Bilder von Werkzeug für Heimwerker und Profis wanderten vom Erichshofer Dachstudio aus in die Kataloge und Prospekte der Firma kwb. Das ist laut Eickhorst ein internationales Handels- und Dienstleistungsunternehmen mit Sitz in Stuhr. Sein letzter Auftrag war ein Großformat eines langen Regals, das er in 20 Stunden aus mehreren Einzelfotos zusammengesetzt hat.

Das Ladengeschäft ist seit Ende 2017 geschlossen.

Sein interessantester Auftrag? Da muss Jörg-Henry Eickhorst nicht lange überlegen. „Für Siemens Bremen musste ich einen ICE fotografieren. Ich hatte zwar eine Sondergenehmigung für den Bremer Hauptbahnhof, aber nur einen Versuch. Denn ich musste just den Moment einfangen, indem die Türen geschlossen sind, der Zug aber noch nicht angefahren ist. Zuvor musste die Halle perfekt ausgeleuchtet werden. Der Nervenkitzel war da, und das Foto gelang.“

Unvergessen seien auch die zahlreichen Fotos für das laut Eickhorst erfolgreichste Ferrari-Autohaus Europas von Heiner Tamsen. Er hatte sehr viel Wert auf die Außendarstellung gelegt. „Die Architektur des Stuhrer Gebäudes war sehr modern. Und die Prospekte und Kataloge waren entsprechend aufwendig.“ Wer Erfolg haben will, braucht eine gute Visitenkarte. An diesem Grundsatz habe sich bis heute nichts geändert. Und Tamsen benötigte aussagekräftige Fotos nicht nur von den Ferraris, sondern später auch von Bentleys, Maseratis, Lamborghinis sowie von den Wagen von Rolls Royce. Eickhorst lieferte und sorgte für eine gute Visitenkarte in Form von hochwertig gestalteten Katalogen.

Für den Anbau, in dem das Studio untergebracht ist, ist das damalige Bauernhaus abgerissen worden.

Die Videodokumentation war ein weiteres Standbein: Bevor die Atlanta AG an die Börse ging, schickte der Vorstand Bernd-Artin Wessels aus Brinkum den Fotografen durch ganz Europa, um den Füchteumschlag in allen Niederlassungen im Video festzuhalten. Unvergessen sei der Eindruck aus Italien gewesen: „Vor dem Dreh gingen alle angestellten Frauen zum Friseur und saßen mit angemalten Fingern am Sortierband.“

Der Weyher Unternehmer Rolf Peters hat Eickhorst ebenso gebeten, in den Nachbarländern zu fotografieren. Ob Electrolux, Bauknecht oder Kellogg – diese Firmen führten damals Automationsrobotter aus Weyhe ein, und der Erichshofer dokumentierte dies. Den Schnitt erledigte er daheim.

Erinnerungen an den Vater Friedrich Eickhorst.

Neben den Werbefotos lichtete er zahlreiche Vereine und Organisationen ab, fotografierte Konfirmanden, Gemeinderäte sowie zahlreiche Politiker hauptsächlich von CDU, SPD und FDP.

Promis wie Dieter Bohlen hatte er ebenso vor der Linse. Es gibt aber eine nicht zu unterschätzende Kehrseite: „Man ist sieben Tage in der Woche unterwegs.“

Den Ruhestand will er im neuen Bungalow genießen. Dazu will er sein Studio- und Geburtshaus abreißen und das Grundstück teilen. Auf den Auslöser einer Kamera will er künftig weiterhin drücken – Fotografie soll aber nur noch ein Hobby sein.

Firmengeschichte:

Um 1900 richtet Johann Heinrich Eickhorst (1862-1943) in einem Neubau ein Tageslichtstudio und eine Technik ein, die es ihm ermöglicht, Fotos zu entwickeln. Um 1913 war es erstmals in Erichshof möglich, auch nach Einbruch der Dunkelheit Aufnahmen anzufertigen. Strom für die Lampen kam laut Gemeindearchivar Wilfried Meyer vom Mühlenbetrieb Friedrich Meyer. 1926 wurde auf gleichem Grundstück das alte Bauernhaus für einen Anbau abgerissen. In diesem Gebäude befindet sich sowohl das Porträtstudio als auch das Ladengeschäft sowie auf 80 Quadratmetern darüber das Werbestudio. Ein Neffe erlernte das Fotohandwerk und eröffnete eine Filiale an der Bahnhofstraße in Kirchweyhe. Das Erichshofer Geschäft von

Johann Heinrich Eickhorst führte sein 1922 geborener Sohn Friedrich weiter. Der legte 1939 seine Fotografenprüfung und 1950 seine Meisterprüfung ab. Er erlebte den Wandel der Schwarz-weiß- zur Farbfotografie. In die Hände seiner Kinder legte Eickhorst senior die Geschäfte im Jahr 1983. Fotografenmeisterin Hedda Siemer gab das Geschäft an Mitarbeiterin Jasmin Lindenthal „Querformat“ weiter.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Ein Blick auf das Motorola Razr

Ein Blick auf das Motorola Razr

Der neue Opel Corsa überzeugt mit alten Tugenden

Der neue Opel Corsa überzeugt mit alten Tugenden

Mit Gnabry-Gala zu Platz eins - Kantersieg gegen Nordirland

Mit Gnabry-Gala zu Platz eins - Kantersieg gegen Nordirland

Großrazzia gegen illegale Geldtransfers ins Ausland

Großrazzia gegen illegale Geldtransfers ins Ausland

Meistgelesene Artikel

Ausgeknuspert: Stoffregen schließt Filiale am Syker Mühlendamm

Ausgeknuspert: Stoffregen schließt Filiale am Syker Mühlendamm

Hachelauf mit neuen Disziplinen - Organisatoren geben Details bekannt

Hachelauf mit neuen Disziplinen - Organisatoren geben Details bekannt

Marktempfang der Gemeinde beim Herbstmarkt

Marktempfang der Gemeinde beim Herbstmarkt

Eine neue Kita in Leeste reicht nicht aus

Eine neue Kita in Leeste reicht nicht aus

Kommentare